<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821</id><updated>2012-03-18T14:32:52.449+01:00</updated><category term='Ankommen Fortgehen Ferne Heimat Nomaden'/><category term='Kindersoldaten'/><category term='Korea'/><category term='Landverbindung'/><category term='Shinkansen Atomic Rain nuklearer Regen'/><category term='Klicks'/><category term='Tokio Tokyo Paul Smith Ramen Soba Yen Fukushima'/><category term='Nachtzug'/><category term='Wulff Gauck Social Media facebook'/><category term='Niedecken Beni Kindersoldaten Kongo Krieg Rebellen'/><category term='Uganda Kongo Kindersoldaten Vereinte Nationen Rebellenarmee Zwangsrekrutierung Kinderrechtskonvention'/><category term='Georgien Tiflis Tbilissi'/><category term='Eurobonds'/><category term='Synagoge'/><category term='Armageddon'/><category term='Tahrir Platz Ägypten Social Media Freiheit Revolution'/><category term='Tiflis Georgien Iveria Flüchtlinge Süd-Ossetien Abchasien'/><category term='Weltuntergang'/><category term='Wulff'/><category term='Apokalypse'/><category term='Dadaab Kenia Minister Niebel UN Somalia Mwai Kibaki'/><category term='Helgoland'/><category term='Tora'/><category term='Kimchi'/><category term='Tepco Hopkins Tokio Tokyo Gambaroo'/><category term='Fuselfelsen'/><category term='Nachhaltigkeit'/><category term='Guttenberg. neue Zivilisation'/><category term='Dialektik'/><category term='Davina Seyfried vermisste Frau Depressionen Polizeiversagen'/><category term='Bremerhaven Auswandererhaus Auswanderung'/><category term='Paul Strasko'/><category term='Dadaab Welthungerhilfe NGO Hungerkatastrophe Kenia Somalia Al-Shabaab Dennis Fisch Hatton Zeltlager'/><category term='Hirten Schafe Georgien Shiraki Tuschetien'/><category term='Georgien Pankisi-Tal Terrorismus Gelajew Osama bin Laden Terrorismusbekämpfung'/><category term='Sendai Fukushima Atomkatastrophe'/><title type='text'>tramp n' trash</title><subtitle type='html'>Geschichten aus der großen weiten Welt.</subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>31</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-1136525458807910515</id><published>2012-02-21T10:32:00.001+01:00</published><updated>2012-02-26T15:05:54.235+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Wulff Gauck Social Media facebook'/><title type='text'>Einfach mal die Klappe halten</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/_NAiYStw1PaA/S_FbMVWBKDI/AAAAAAAAAQg/p1N0zBSoO68/s1600/drei+affen.gif" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="294" src="http://2.bp.blogspot.com/_NAiYStw1PaA/S_FbMVWBKDI/AAAAAAAAAQg/p1N0zBSoO68/s640/drei+affen.gif" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Mir reicht es heute. Wulff sind wir los, aber das Gehacke und die hysterische Häme gehen weiter. Dabei dachte ich, es würde endlich Ruhe einkehren.&amp;nbsp;Aber von Ruhe kann gar keine Rede sein. Als sei zu Wulff nicht eigentlich alles, wirklich alles gesagt, schwafelt und fabuliert, spekuliert, echauffiert es sich im Netz in einem Ausmaß, das an Gestörtheit grenzt. Wenn diese Diskussion etwas über den Zustand unserer Gesellschaft aussagt, dann ist unsere Gesellschaft nicht mehr weit vom nervous breakdown entfernt. Nur Kohl wird besser, wenn man ihn breit tritt und wieder aufwärmt, sagte mein Englischlehrer Herr Trojan immer, und hätte er das Web 2.0 erleben müssen, den Niedergang anständiger Sprache und durchdachter Argumente, er hätte sich mit ausreichend Werken von Shakespeare, Keats und Whitmann in die freiwillige Verbannung schicken lassen. &lt;br /&gt;Nein, Ruhe ist nicht eingekehrt. Wie die Geier stürzen sie sich jetzt auf Gauck. Gestern noch wurde geheult, dass man Wulff statt seiner nahm, dass die Politiker sich über Bürgerwillen hinwegsetzen, heute wird geheult. dass es nur einen Kandidaten gibt und das sei ja schließlich auch keine Demokratie. Gestern war Gauck der kluge Menschenrechtler, heute ist er der böse Kapitalist. Ein Klischee jagt das nächste, je nach Lust und Laune.&lt;br /&gt;Aber ist das noch eine Diskussion? Dieses Ermüdenden Gezeter und Geplärre? Oder nur das perfekte Rampenlicht für alle, die schon immer mal ihren Senf dazu geben wollten: die Frustrierten, die Angeber, Großmäuler, die Zeigefingerwedler und Stinkefingerheber, die Muttersöhnchen und Frustemanzen. Jeder kotzt einen Kommentar ins Netz, als sei dieses die gemeinsame Spuktüte, für alle, die Angst vor dem Fliegen haben. &lt;br /&gt;Doch so ist Demokratie: ein holpriger Flug mit Luftlöchern und Turbulenzen, mit ruhigen Schwebephasen, mit dicken Wolkendecken und dann wieder weitem Blick. Und mit klar verteilten Rollen: Der Pilot ist der Pilot, die Stewardess die Stewardess und die Passagiere die Passagiere. Was käme dabei raus, wenn die Passagiere auf einmal den Piloten, die Stewardess kommentierten, sie veralberten, verlachten, verhetzten. Wenn sie mit ihrem Ticket und ihrer Vielfliegerkarte winkten und sagten: wir haben schließlich bezahlt, wir haben ein Recht. Wahrscheinlich irgendwann ein Absturz, weil der Pilot und die Stewardess sich die Fallschirme schnappten und die geifernden Passagiere sich selbst überließen. &lt;br /&gt;Ich finde die Partzipationsgesellschaft toll. Die Chancen, die das Netz bietet. Ich glaube auch, dass facebook und Co. zur Revolution in Nordafrika&amp;nbsp;beitrugen und hierzulande dazu beitragen, dass Schmu und Schande nicht mehr im Kämmerlein bleibt, sondern öffentlich gemacht wird. Aber mir graust vor dem Gedanken, dass demnächst Politiker nach der Pfeife der Netzgemeinde tanzen müssen, facebook-user entscheiden, wie und von wem Politik gemacht wird, jedes Argument auf Twitter-Länge verkürzt wird, Wiki-Leakisten in der Unterwäscheschublade von Politkern herumschnüffeln. Ich zumindest möchte nicht, dass Menschen, denen es nicht um Inhalte und Vernunft geht, meinungsbildend sein dürfen, dass nach Waschweib-Art über alles gelästert und geschludert wird, es keinen Kodex mehr gibt und Grenzen ohnehin nicht. Mir graust es, wenn ich auf der Facebook-Seite für Gauck den Brief eines Mannes lese, dessen Profilbild einen Bezopften mit Gitarre zeigt, der will, dass Gauck das Geld abschafft. Soviel Unsinn steht in dem Brief und wie viel Unsinn steht dann erst im gesamten Netz? Partizipation hin oder her, es ist für mich auch eine Frage des Anstands, dass jetzt erstmal Ruhe herrscht, man Gauck ins Amt kommen lässt und die allgemeine öffentliche Hysterie und Schluder-Geilheit abebbt. Schweigen war schließlich schon immer Gold.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-1136525458807910515?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/1136525458807910515/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/einfach-mal-die-klappe-halten.html#comment-form' title='1 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1136525458807910515'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1136525458807910515'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/einfach-mal-die-klappe-halten.html' title='Einfach mal die Klappe halten'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/_NAiYStw1PaA/S_FbMVWBKDI/AAAAAAAAAQg/p1N0zBSoO68/s72-c/drei+affen.gif' height='72' width='72'/><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-7122431764782118836</id><published>2012-02-13T11:12:00.003+01:00</published><updated>2012-02-13T14:14:35.861+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Paul Strasko'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kindersoldaten'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dialektik'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Synagoge'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tora'/><title type='text'>Dialektischer Versuch über Kindersoldaten</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-JkGlKHVyKjM/TzjfwSyOldI/AAAAAAAABX8/Y1TsQMVLflA/s1600/FrauInLager.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="640" src="http://3.bp.blogspot.com/-JkGlKHVyKjM/TzjfwSyOldI/AAAAAAAABX8/Y1TsQMVLflA/s640/FrauInLager.JPG" width="424" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Gestern war der Tag der Kindersoldaten. In einem anderen Post habe ich über diese schon geschrieben, einige Informationen versucht zu geben. Was ich gestern in der Presse darüber las, waren die schon viele Male erzählten Elendsgeschichten und ich las sie alle an und keine davon durch. Nicht, dass sie nicht gut gewesen wären. Ganz im Gegenteil. Man merkte ihnen an, dass die Journalisten das Erlittene miterleiden mussten, um die richtigen Sätze zu finden. Es ist schwer, solche Erfahrungen wie die Kindersoldaten sie machen und die Lichtjahre von unserem Alltag, ja, selbst von unserer Vorstellungskraft entfernt sind, in Worte umzusetzen, die nicht leere Hüllen bleiben. Die eine Brücke sein können, zwischen dem, was der Kindersoldat oder die Kindersoldatin erzählt hat und dem, was wir fähig sind, zu verstehen. Was zum Beispiel geschieht mit Sätzen wie "den ersten, den ich umbrachte, habe ich mit einem Messer töten müssen, ich habe danach noch viele getötet, aber die habe ich alle erschossen." Gesprochen von einem 15jährigen. Mein Kopf registriert die Gewalt, die daraus spricht und den Missbrauch eines Kindes. Mein Herz klopft vielleicht mitleidig. Mein Informationsverarbeitungszentrum speichert, dass Kindersoldaten arme Hascherl sind. Während ich lese, singt meine ebenfalls 15jährige Tochter in ihrem warmen Zimmer zu Musik von ihrem I-Pod, daddelt gleichzeitig auf ihrem Computer rum, trinkt dabei Tee und isst Kekse. Wie ich sie kennen, wirft sie wahrscheinlich alle zwei Minuten ihre Haarmähne herum und chattet mit ihren Freundinnen über lauter Unsinn. Unvorstellbar, dass sie ein Messer in eine anderes Kind stieße, Gleichaltrigen mit einer Maschinenpistole den Kopf weg schießt. Unvorstellbar, dass sie barfuß durch dichten Dschungel marschieren muss, monate-, manchmal jahrelang, dass sie nie genug zu essen bekommt, bei jedem Fehlverhalten geschlagen wird, ständig um ihr Leben fürchten muss und nachts dreckige Soldaten über sie hinweg steigen. &amp;nbsp;Unvorstellbar, wie einsam, verloren, verängstigt, hilflos, benutzt, verwundet sie sich fühlen würde.&lt;br /&gt;Um das Unvorstellbare wenigstens ein wenig zu relativieren, müsste die Geschichte von dem 15jährigen Kindersoldaten jetzt ins Detail gehen. Sie müsste erklären, wieso es zu dieser Situation kam und was passierte, um ein Kind in einen Mörder zu verwandeln und wie sich dieses Kind dabei fühlt. Um das Unvorstellbare zu relativieren, muss der Autor in das Innenleben des Kindes eindringen. Aber das Kind ist höchstwahrscheinlich traumatisiert. Und hat nie gelernt, über seine Gefühle zu sprechen. Zwangsläufig also bleibt es in der Erzählung eindimensional: Ein Kind mit einer Knarre und viel Blut an den Händen. Und wir schütteln den Kopf: Was es alles gibt. Und dann klicken wir weiter.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-Oo3gNDr8lzs/TzjdhbCpXbI/AAAAAAAABXs/D6xJWCFtGyc/s1600/DLRC+Soldat+in+Kilolirwe2.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://2.bp.blogspot.com/-Oo3gNDr8lzs/TzjdhbCpXbI/AAAAAAAABXs/D6xJWCFtGyc/s400/DLRC+Soldat+in+Kilolirwe2.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Nun habe ich ebenfalls gerade gelesen, wie sehr das Internet unser Lern- und Aufnahmeverhalten beeinflusst. Wenn wir ein Buch lesen oder einen Artikel, der gedruckt vor uns liegt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir diesen beenden, um ein Vielfaches höher, als wenn wir selben Artikel im Internet läsen. Weil das Internat dazu verführt, alles haben zu wollen und auch alles auf einmal. &amp;nbsp;Da jeder Artikel zugleich mit weiterführenden Links versehen ist, klicken wir auch auf diese und so weiter, man kennt das ja. Außerdem sind wir weniger aufnahmebereit, haben Gehirnforscher herausgefunden, weil die digitale Information von ansonsten weniger genutzten Bereichen in unserem Gehirn aufgenommen wird. Bei einem ungenutzten Internet-Nutzer reagieren kleinere Teile des Gehirns als bei einem Internet-Profi. Man muss das Lesen von Artikeln im Internet also üben und auch das mag ein Grund dafür sein, dass ich so schnell so unwillig mit dem werde, was ich im Internet lese.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-2ExLAmwxPRY/TzjemnhZbDI/AAAAAAAABX0/nqhTeZYQbps/s1600/Familie+vor+der+Unterkunft.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://3.bp.blogspot.com/-2ExLAmwxPRY/TzjemnhZbDI/AAAAAAAABX0/nqhTeZYQbps/s400/Familie+vor+der+Unterkunft.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Am Freitagabend hatte ich das ausgesprochene Vergnügen in Genf in der liberalen jüdischen Gemeinde am Shabbat-Gottesdienst teilzunehmen und die Predigt von Rabbiner Paul Strasko zu hören. Dieser ist der amerikanische Assistenz-Rabbiner der Gemeinde. &amp;nbsp;Es war eine sehr komplexe Predigt darüber, wie Gott Moses und seinen Leuten auf dem Berge Sinai die Tora gab. Dieser Akt des Gebens ist in seiner&amp;nbsp;narrativen Weitergabe auch noch mit Gottes Stimme verbunden. Paul Strasko versuchte, den Widerspruch aufzulösen zwischen dem Wissen, dass Gott nicht Hände noch Stimme hat und wie diese Erzählung dennoch wörtlich genommen werden kann. Nur an kirchliche Predigten gewöhnt, die - zumal in unserer dörflichen Gemeinde - oft dem Schema von Erzählung und abschließender Moral folgen, verwirrte mich der dialektische Aufbau der Predigt von Rabbiner Strasko und ich brauchte lange, um zu verstehen, was er eigentlich wollte. Ich nehme an, dass es sich mit der Aufnahme von Predigten in Synagogen für den ungeübten Geist ebenso verhält wie mit der Aufnahme von Internetinformationen. Man muss trainieren und davon viele hören, um die richtigen Gehirnbereiche zu aktivieren.&lt;br /&gt;Strasko tat, was ein guter Rabbiner tut: er interpretiert neu, er gibt dem Glauben durch die Tora-Auslegung Dynamik.&amp;nbsp;Dieser Post mäandert also nicht deshalb so über die Seite weil mir die Struktur fehlt, sondern weil ich Dialektik &amp;nbsp;üben will. Komme ich jetzt wieder zu meinem Kindersoldaten, dann glaube ich, dass es einer klugen Erzählung bedarf, um das Unfassbare begreiflich zu machen. Soll der Leser begreifen, was ein Kindersoldat ist, wie Kind-Sein und Killer-Sein in einem Wesen zu finden sind, wie keine Moral und kein Gerechtigkeitsbegriff der Wirklichkeit dieser Kinder gerecht wird, muss der Journalist sein wie ein Rabbiner. Er muss neu interpretieren und damit der Geschichte eine Dynamik geben. Nur so kann das zur statischen Elendsfigur verdammte Kind lebendig werden.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;/div&gt;Ich jedenfalls habe genug damit zu tun, die bereits geübten Bereiche meines Gehirns auf dem Status-Quo zu halten. Komplexere Geschichten werde ich von nun an nur noch gedruckt lesen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-7122431764782118836?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/7122431764782118836/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/gestern-war-der-tag-der-kindersoldaten.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7122431764782118836'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7122431764782118836'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/gestern-war-der-tag-der-kindersoldaten.html' title='Dialektischer Versuch über Kindersoldaten'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-JkGlKHVyKjM/TzjfwSyOldI/AAAAAAAABX8/Y1TsQMVLflA/s72-c/FrauInLager.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-8084306673609271067</id><published>2012-02-08T19:02:00.002+01:00</published><updated>2012-02-28T23:19:44.455+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nachhaltigkeit'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Nachtzug'/><title type='text'>Nachhaltige Nachhaltigkeit</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-9eTnlM0YbVY/TzK3yIttPHI/AAAAAAAABXk/rQQwpoyTrQo/s1600/Nachhaltigkeit_Fotolia_Pakh_web.jpg" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="426" src="http://3.bp.blogspot.com/-9eTnlM0YbVY/TzK3yIttPHI/AAAAAAAABXk/rQQwpoyTrQo/s640/Nachhaltigkeit_Fotolia_Pakh_web.jpg" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Neulich nahm ich den Nachtzug nach Basel. Ich hatte dort einen Termin am Morgen, doch der frühe Flieger war schon voll. Zudem mag ich Nachtzüge: das gewiegt werden im Schlafwagen, monoton rattern die Räder und ich schaukle durch rasche Träume. Wenn der Zug Höhen erklimmt, dann steige ich mit, ein Phönix unter warmen Decken, und wenn er wieder in die Ebene rollt, dann falle ich durch Wolken und Luft. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Diesmal war es anders. In meinen Traum hing jemand an mir und würgte mich, ließ mich nicht los. Im halben Erwachen versuchte ich ihn abzuschütteln, aber er hielt mich im Griff seiner Arme. &amp;nbsp;Schließlich drehte sich die Person um zu mir. Ich selber war es.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Was immer man psychologisch da hinein legen könnte, es trieb mich aus der schmalen Koje, ich zog das Rollo meines Schlafwagenabteils hoch und sah nach draußen. Ich hatte eine harte Woche hinter mir und es wunderte mich nicht, dass ich träumte, mich selber zu erwürgen. Mit dem Schlaf&amp;nbsp; war es vorbei. Lichter flogen wie Funken, wenn der Zug an einem Bahnhof langsamer fuhr, &amp;nbsp;lösten sie sich auf &amp;nbsp;nassen Straßen in langen Schlieren auf. Rot, Grün und Blau flackerte es am Fenster vorbei, ein psychedelisches Farben- und Geschwindigkeitsgewirr. &amp;nbsp;Dann wieder vollkommene Dunkelheit, schattenhafte Ahnung von Wäldern und Hügeln. Manchmal war da ein leuchtender Punkt im Dunkel und wies auf jemanden, der gleich mir noch wachte. &amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich hatte ohnehin noch einiges zu lesen. Ich fuhr nach Basel, um für ein Unternehmen einen Bericht über nachhaltige Talentförderung zu schreiben. Ich kannte die Fakten und Zahlen, doch das Wort Nachhaltigkeit lag mir schwer im Magen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Der Hype um Nachhaltigkeit ist schon einige Jahre alt, aber er nimmt nicht ab. Im Gegenteil. Wo immer man hingeht, tönt einem dieses Wort entgegen, als sei es das neue Evangelium. Für alles, was die Menschheit in der Vergangenheit verbrochen und versäumt hat, für alle Gier, alle Raffsucht, allen Imperialismus, alle Umweltzerstörung, alle Unterdrückung soll Nachhaltigkeit Heilmittel sein. &amp;nbsp;PR-Agenturen, Unternehmen, Hilfsorganisationen werfen damit um sich, gescheitelte, geschniegelte Besserverdiener tragen es vor sich her wie den Heiland auf einer Prozession. Keine politische Entscheidung, keine Lebensmittelverteilung an arme Negerkinder, keine Unternehmensstrategie mehr ohne Nachhaltigkeit. Was immer nicht rund läuft, unmoralisch, ungesetzlich, sinnlos, schädlich ist - ein paar Löffel Nachhaltigkeit drüber und alles ist wieder sauber und rein. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-HT_0lXlyPco/TzK3wnl7WmI/AAAAAAAABXc/quErhyVTKhw/s1600/Becker-SternderNachhaltigkeit-k.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://4.bp.blogspot.com/-HT_0lXlyPco/TzK3wnl7WmI/AAAAAAAABXc/quErhyVTKhw/s320/Becker-SternderNachhaltigkeit-k.jpg" width="277" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Interessanterweise wird das Wort nur im Zusammenhang mit Do-Good-Aktionen gebraucht.&amp;nbsp; Wer sich in Nachhaltigkeit übt, hat schon einen Heiligenschein. Niemand würde es beispielsweise wagen, von nachhaltigen Kriegen zu reden, nachhaltige Waffen zu produzieren, nachhaltige Drogen zu verkaufen, nachhaltig zu mobben, zu betrügen, zu lügen. Dabei macht das Sinn. Jede Form von Gewalt war und ist nachhaltig. &amp;nbsp;Schäden, die wir anderen zufügen, sind es. Geschichte, ja, Leben an sich - alles nachhaltig. Vor Tausenden von Jahren befahl Gott, wir sollten uns die Erde untertan machen. Was nichts anderes hieß, als nachhaltig und verantwortungsvoll mit ihr umzugehen, von uns aber gründlich missverstanden wurde. Später sagte ein Zimmermann, den manchen für den Messias und den Sohn Gottes hielten (und halten), wir sollten uns und unseren Nächsten lieben, auch das ist nichts anderes als ein Plädoyer für die Nachhaltigkeit von Menschlichkeit und Gefühlen. Und doch brauchte es viele Jahrtausende um das, was der Schöpfung immanent ist, in ein Wort zu kleiden. Es mussten das 21. Jahrhundert anbrechen und mit ihm die Pole schmelzen, die Flüsse über die Ufer treten, die Meere verseucht und voller Plastikmüll sein, es mussten Tsunamis und Überschwemmungen kommen, Ozonlöcher und Baumsterben, die Entwicklungshilfe scheitern und Afrika ärmer werden als es zuvor war, um einen Begriff für jene Verantwortung zu finden, die existiert, seit es Leben gibt. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Natürlich war mir klar, was mein Auftraggeber von mir wollte. Begriffe wie Nachhaltigkeit, mit denen jeder ungestraft um sich werfen darf, haben den Vorteil einer allgemeinen Verständlichkeit. Solange man auf der Ebene der kollektiven Definition solcher Begriffe bleibt, hat man kein Problem. Kommunikationsspezialisten würden jetzt wahrscheinlich sagen, das sei das Wesen der Kommunikation: ein allgemeiner Content, eine Mainstream-Definition ohne viele Ecken. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;Über dem Gegrübel um Nachhaltigkeit war die Nacht vergangen, nachhaltig, übrigens, denn der Morgenhimmel sah nicht viel heller aus als der Nachthimmel. Zum Frühstück gab es Tee aus nachhaltigem Anbau und Wasa-Knäcke mit Nachhaltigkeitseffekt zwischen den Zähnen.&lt;span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 11pt; line-height: 115%;"&gt;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-8084306673609271067?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/8084306673609271067/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/nachhaltige-nachhaltigkeit.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8084306673609271067'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8084306673609271067'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/02/nachhaltige-nachhaltigkeit.html' title='Nachhaltige Nachhaltigkeit'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-9eTnlM0YbVY/TzK3yIttPHI/AAAAAAAABXk/rQQwpoyTrQo/s72-c/Nachhaltigkeit_Fotolia_Pakh_web.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-1297594263757390735</id><published>2012-01-27T14:24:00.001+01:00</published><updated>2012-01-27T14:25:43.807+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Korea'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Eurobonds'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Kimchi'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Klicks'/><title type='text'>Good Morning, Korea!</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-F1P6dwR98zk/TyKk-nqMeEI/AAAAAAAABXM/FhuRke6z0Zg/s1600/image-221129-panoV9free-xrsg.jpg" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="306" src="http://3.bp.blogspot.com/-F1P6dwR98zk/TyKk-nqMeEI/AAAAAAAABXM/FhuRke6z0Zg/s640/image-221129-panoV9free-xrsg.jpg" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Blogs schreibt man, weil man glaubt, man habe etwas zu sagen. Ob die eigene Stimme im kakophonischen Weltengewirr gehört wird, kann man anhand der Klicks auf den Blog feststellen. Die Bewertung von Tagen bekommt eine neue Dimension. Gute Tage sind solche, an denen es viele Klicks gibt, schlechte, an denen es wenig und grottenschlechte, an denen es keine gibt. Denn letzteres bedeutet, man ist einsamer als ein einsamer Rufer in der Wüste, man ist ungeliebt, ungewollt und viele weitere un's. Das klingt jetzt mächtig pathetisch, ist aber auch praktisch. Man muss sich um seine gesellschaftliche Kompatibilität und seine soziale Integration nicht mehr viele Gedanken machen. Es reicht, gelesen zu werden.&lt;br /&gt;Daraus folgend gibt es Tage, die sind glorious. Oder es ist doomsday. Natürlich gibt es auch noch Tage dazwischen, aber eher wenige. Um die Anzahl der glorious days zu erhöhen, genügt es schon, bescheiden zu sein. Mehr als 20 Klicks=Hochgefühl. Ich weiß, das ist lächerlich, wenn man es an den 7 Millionen Klicks misst, die irgendein Teeniemädchenschwarm auf you tube bekommt, weil er Hundeaugen hat und ein paar Takte auf der Gitarre klimpern, vier schmachtende Noten singen kann. Aber ich bin eben kein Teenieschwarm, ich bin nur Andrea Jeska, das ist für die, die mir angehören, vielleicht viel, für den Rest der Welt eher nichts. Ich bin auch schon 47, also für eine Frau schon richtig alt, schwärmende Fans auf meiner Seite sind so wahrscheinlich wie intergalaktische Kriege.&lt;br /&gt;Wenn die Anzahl der Klicks weniger hoch ist, kann man sich immer noch mit exotischem Publikum trösten. Ich habe eine ehemalige Schulfreundin in Australien, ich nehme an, es ist sie, die mir von dort Publikum beschert, aber ich kann mir auch einen graumelierten australischen Cowboy einbilden, der, während er auf seinem Gaul gemächlich sein Land abreitet, auf seinem Iphone meinen Blog liest. Als ich über das Pankisi-Tal schrieb und darin die Worte Al-Kaida, Terrorismus und Osama bin Laden standen, hatte ich plötzlich ganz viele Leser in den USA, und das ist nicht schwer, sich zusammenzureimen, in welcher Zentrale der Computer steht, der auf diese Stichworte hin Kontakt aufnahm.&lt;br /&gt;An manchen Tagen ist meine russische Leserschaft groß, ich habe Klicks aus Irland und England, aus Simbabwe, Ruanda, Südafrika, aus der Schweiz und Österreich. Aber überall dort habe ich Bekannte oder gar Freunde und meist gehe ich davon aus, dass es diese sind, die mit einem Klick mal wissen wollen, was ich so tue.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;/div&gt;Umso erstaunter war ich, als neulich an einem Tag von 27 Klicks 21 aus der Republik Korea kamen. Erst dachte ich erschrocken, es sei das Schurkenkorea, aber nein, es ist das gute Korea, die anderen sind zwar auch Republik, aber Volksrepublik. Doch weder in dem einen noch in dem anderen kenne ich niemanden und warum gleich 21 Koreaner zugleich meinen Blog lesen, wo Korea zuvor niemals meinen Blog las, ist mir ein Rätsel. Solltet ihr auch diesen hier lesen, bitte meldet euch doch, ihr fernen Genossen. Wollt ihr mir eine gefälschte Rolex verkaufen und auschecken, ob ich die richtige bin? Nein, bin ich nicht? Sucht ihr Franchisepartner für Kimchi-Sandwich? Schon eher was für mich. Warum auch immer ihr hier seid, wenn ihr schon da seid, dann kauft doch gleich mal ein paar Euro-Bonds. Wir hätten es dringend nötig.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-1297594263757390735?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/1297594263757390735/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/01/blogs-schreibt-man-weil-man-glaubt-man.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1297594263757390735'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1297594263757390735'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/01/blogs-schreibt-man-weil-man-glaubt-man.html' title='Good Morning, Korea!'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-F1P6dwR98zk/TyKk-nqMeEI/AAAAAAAABXM/FhuRke6z0Zg/s72-c/image-221129-panoV9free-xrsg.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-3149054441890819831</id><published>2012-01-02T19:47:00.001+01:00</published><updated>2012-01-02T19:48:11.744+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Wulff'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Apokalypse'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Weltuntergang'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Guttenberg. neue Zivilisation'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Armageddon'/><title type='text'>Apokalypse, anytime but now</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-vePV9nh0EqI/TwH57gZGhBI/AAAAAAAABXE/N4Phb1IDLB4/s1600/2012-weltuntergang-apokalypse.png" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="618" src="http://1.bp.blogspot.com/-vePV9nh0EqI/TwH57gZGhBI/AAAAAAAABXE/N4Phb1IDLB4/s640/2012-weltuntergang-apokalypse.png" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Noch 362 Tage und ab diesem Zeitpunkt noch rund vierundeinhalb Stunden und die Welt wird endlich ihrem wohlverdienten Ende entgegen gehen. Und mit ihr die Kriege, Klimakatastrophen, Diäten, Erziehungsratgeber, facebook-Profile, smartphone-apps, Frauentausch-Sendungen, Viagra-Spams und Q10-Ampullen. Mit ihr die Lügner, die Fremdgänger, die Gierigen, Wollüstigen, Machtbesessenen, Geldgeilen, Halbwahrheiten-Erzähler. Die Wulffs und die Guttenbergs, die Busen- und Boni-Grabscher, die Luftblasen-Fonds-Verwalter, die lausigen Flickschuster unserer zerbröckelnden Gesellschaft. Nicht schade drum.&lt;br /&gt;Doch der Weltuntergang kennt keine Gerechtigkeit, nicht dieser, der uns prophezeit wird. Nach ihm werden die Letzten nicht die Ersten sein, nicht selig, wer Verfolgung litt, wird nicht zum Herrn erhoben, wer zuvor von seinen Feinden zertrampelt ward. Mit diesem Weltuntergang gehen auch die Guten, die Freundlichen, die Nachdenklichen, die Bescheidenen. Mit ihm gehst Du. Und Ich. Mein Fahrrad, mein Auto, meine Katzen, Kinder, mein junger, vor Lebensfreude hüpfender flauschiger Welpe, meine Sammlung schwedischer Teetassen, meine neuen Bücher von Cormac McCarthy und Haruki Murakami, mein siebzehnmal reparierter Rasenmäher, meine alten englischen Rosen und der Che Guevara, der entgegen jeder politischen Vernunft und besseren Wissens noch immer an einer Wand bei mir hängt. Mit ihm gehen Millionen und Abermillionen von Hoffnungen, Träumen, Illusionen, Wünschen. Aber auch Schäbigkeiten, Übelkeiten, Miesigkeiten, mit weißlichem Belag überzogene Weihnachtsschokolade, Croco-Handtaschen und Röhrenjeans.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-chQpwN3X30U/TwH5l8sQ-jI/AAAAAAAABW4/n_Mi026DCWg/s1600/armageddon-3.jpg" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="156" src="http://2.bp.blogspot.com/-chQpwN3X30U/TwH5l8sQ-jI/AAAAAAAABW4/n_Mi026DCWg/s400/armageddon-3.jpg" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Noch 362 Tage und jetzt nur noch vier Stunden 17. Meine Weihnachtssachen kann ich wegwerfen, das Verpacken lohnt nicht, wenn ich sie ja doch nicht mehr auspacken kann. Fast alles, was ich besitze, hat nur einen Sinn, einen Wert, wenn es auch eine Zukunft gibt. Für die Gegenwart taugt vielleicht mein Wein, mein guter Whisky, den kann ich heute genießen, auch wenn es kein Morgen mehr gibt, ja, dann erst recht. Oder ich bewahre ihn auf, sende ihn am Tag des Untergangs als Flaschenpost in die neue Zivilisation. Liebe Bewohner von Zivi 2.0, seht her, schreibe ich drauf, viel schlechtes und sonderbares wird man euch aus unserer untergegangenen Welt erzählen, zu Recht, doch eines war gut: dieser Tropfen hier.&lt;br /&gt;Den panischen Mitbürgern und den sensationslüsternen Berichten zum Trotz, soll der Untergang ja keiner sein, sondern frei nach dem Dichter Hesse das Ende, dem zugleich ein Anfang innewohnt, soll sein wie die Mittsommersonne, die hinter den Horizont taucht, um wenige Minuten später wie ein springender putzmunterer Fisch wieder in den Himmelskreis zu springen. &amp;nbsp;Denn die Maya, sie drohten nicht mit Armageddon, nicht mit Endzeitszenarien, sie prophezeiten keine Apokalypse und kein rock bottom. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil sie weder Apologeten waren noch bei Spiegel TV beschäftigt, sondern nur eine Handvoll von weisen Männern (man weiß wohl nicht, ob auch Frauen dabei waren), die sich zusammenreimen konnten, dass nach der Fülle der Überflüssigkeiten und Widerlichkeiten, der Raffsucht und Gaffsucht irgendwann das Ende der Fahnenstange erreicht ist, dass eine Lebensform, die den Hals nicht vollkriegt, irgendwann an sich selbst ersticken muss. Aus. Perdu. Finito.&lt;br /&gt;Aber nicht zu Ende. Die vergangene Zivilisation wird durch eine neue ersetzt, und weil es so schwer vorstellbar ist, dass auf der klebrigen Asche dessen, was wir heute Zivilisation nennen, etwas neues und sauberes entstehen kann, wird das auch nicht so sein. Die neue Zivilisation, so die Weissagung, ist völlig unabhängig von der jetzigen, ergo kein Weihnachtsschmuck mehr, kein Whisky. Aber auch kein Welpe mehr.&lt;br /&gt;Bolon Yokte, der Gott der Totenwelt, wird in diesem Jahr von seinem Berg herabsteigen, und das ist kein Pseudonym für Reinhold Messner und auch nicht für einen Politiker, der aus dem Himmel seiner eingebildeten Gottgleichheit hart auf den Boden stürzt, sondern ein knallharter Abrechner, der erst dooms-day einleitet und dann die Party steigen lässt. Wie genau das funktionieren soll, kann ich nicht erklären. Es geht da um kosmische Geburtskanäle und kosmische Mütter, die sich mit mythologischen Vätern paaren oder auch nicht, jedenfalls scheint mir das Ganze eine Angelegenheit für Esoteriker und Yogaisten. &lt;br /&gt;Bis es soweit ist, haben wir allerdings noch viele weitere Möglichkeiten des Untergangs. Zum Beispiel durch 433 Eros, einen Asteroiden, der ein paar Zehntausend Kilometer an der Erde vorbeifliegt, aber vielleicht ändert er seinen Kurs ja doch noch. Durch militanten Tierschützer, die während der Fußballeuropapokalspiele in der Ukraine wegen der getöteten Straßenhunde Amok laufen. Durch inkompetente und infidele Kandidaten für die US-Präsidentenwahl. Oder durch Plagiatoren und Kreditschnorrer, die zuviel Macht haben.&lt;br /&gt;Weltuntergang hin oder her, ich freue mich trotzdem, dass die USA beschlossen haben, ein Gesetz zu erlassen, welches die Zertifizierung von Rohstoffen zwingend vorsieht. Zwar wird damit den Todeshändlern der Boden entzogen, allerdings wird die Klassifizierung und Zertifizierung wohl nicht bis zur nächsten Wintersonnenwende zu schaffen sein. Aber in diesem Fall zählt der Wille, der ein moralischer ist. Ich habe mich und meinen Flummi-Welpen dennoch zur Hundeschule angemeldet, weil ich möchte, dass der Flummi diese Zivilisation mit Contenance verlässt und dazu braucht es nun Mal eine erstklassige Erziehung. Und ich habe meinen 18 Jahre alten Whisky nicht gleich am 1. weggekippt, sondern werde ihn mir Schluck für Schluck über das Jahr verteilt schmecken lassen, wer weiß, vielleicht kaufe ich mir aus Übermut sogar noch eine weitere Flasche.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-Ltjb05hvtdo/TwH4wQSiAbI/AAAAAAAABWs/2UnRxwqUsGM/s1600/Lille+003.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://1.bp.blogspot.com/-Ltjb05hvtdo/TwH4wQSiAbI/AAAAAAAABWs/2UnRxwqUsGM/s400/Lille+003.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Alles in allem bin ich guter Dinge, auf irgendeinem verborgenen Wege Teil der neuen Zivilisation zu werden. Wohl nicht als Mensch, denn wenn der Schöpfer von Zivi 2.0 clever ist, lässt er uns aus dem Spiel, aber vielleicht ja als flauschiger kleiner Hund oder als guter Whisky.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-3149054441890819831?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/3149054441890819831/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/01/jahresausblick.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3149054441890819831'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3149054441890819831'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2012/01/jahresausblick.html' title='Apokalypse, anytime but now'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-vePV9nh0EqI/TwH57gZGhBI/AAAAAAAABXE/N4Phb1IDLB4/s72-c/2012-weltuntergang-apokalypse.png' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-7144872657625195294</id><published>2011-12-08T21:00:00.002+01:00</published><updated>2012-01-03T20:34:19.058+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Helgoland'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Fuselfelsen'/><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Landverbindung'/><title type='text'>Insel-Idiosynkrasie</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-e1shNrGP1Qs/TuEFy3v8o-I/AAAAAAAABWQ/IYA_Z6Y678M/s1600/Die+D%25C3%25BCne+bleibt+f%25C3%25BCr+sich..JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-e1shNrGP1Qs/TuEFy3v8o-I/AAAAAAAABWQ/IYA_Z6Y678M/s640/Die+D%25C3%25BCne+bleibt+f%25C3%25BCr+sich..JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich war wieder mal auf Helgoland. 45 Jahre meines Lebens kannte ich diese Insel nur vom Namen und in den letzten zwei Jahren scheint es, als ergebe sich immer ein neuer Grund dorthin zu reisen. Noch bin ich nicht soweit, dies auch privat zu tun, sind die Aufenthalte beruflicher Natur. Aber ich merke: mein Widerstand schwindet. Tatsächlich überlege ich, diesen Winter noch einmal hinzureisen. Nicht wegen der Kegelrobben, die dort gerade geboren werden, so niedlich sie sind wie sie sich auf dem Sand kugeln und mit Kulleraugen einen begaffen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Was viel anziehender ist, ist die Idiosynkrasie der Insel, die zur Winterzeit erst richtig zur Geltung kommt. Diese Idiosynkrasie mischt sich so wunderbar mit meiner und heilt die Melancholie, die mich um diese Jahreszeit befällt. In mein inneres Loch aus schwermütigen Gedanken und Wetterüberdruss passt Helgoland genau hinein und stopft&amp;nbsp;es sogleich aus mit seinem Wind und dem Tosen des Meeres, mit den kalten, glitschigen Böen, die einen auf dem Oberland wie ein wildes Tier anspringen und den leeren Straßen, in denen sich im nassen Belag der dick verpackte Himmel spiegelt. Kälte und Gischt reißen mich aus meiner Wintermüdigkeit und das gegen den Wind-Gestemme machte mich ganz lebendig. Nonchalant gelingt es mir, die Schnapsauslagen und Schokoladenstapel zu übersehen, die ganze klebrige Schäbigkeit dieser zollfreien Ramschläden, in denen einzukaufen sich finanziell schon lange nicht mehr lohnt. Die Überfahrtskosten nach Helgoland dagegen gerechnet, macht man eher Verluste. Wer für die Zollfreiheit noch kommt, der muss ein verbissener und kleinherziger&amp;nbsp; Mensch sein. Ob gerechtfertigt oder nicht, immer sehe ich in den Schnapskäufen&amp;nbsp; so etwas wie imperialistisches Gehabe des kleinen Mannes, so einen kleinkleiner Eroberungstrieb, der befriedigt ist, wenn man die Plastiktüten mit Toblereonestangen und Ginflaschen aus dem Laden hinaus und zum Schiff schleppen kann, wenn man gesiegt hat über den Großkapitalismus des Festlands,&amp;nbsp; den Feind unterwandert, hintergangen und somit geschwächt hat. Mag der Gin bei Penny auch nur unwesentlich teurer sein, Penny kann man nicht ausbeuten und dann fortsegeln zu fernen Gestaden.&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-_jB2_xvSg_o/TuEGlxuv1uI/AAAAAAAABWY/4n5jJ_KeQI0/s1600/Helgoland+Dez.+2011+031.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="400" src="http://3.bp.blogspot.com/-_jB2_xvSg_o/TuEGlxuv1uI/AAAAAAAABWY/4n5jJ_KeQI0/s400/Helgoland+Dez.+2011+031.JPG" width="264" /&gt;&lt;/a&gt;Im Sommer ist Helgoland eher wie eine Melange aller touristischen Albträume. Die Ramscher und Rentner, die Gehwagenschieber und Ginfortschlepper, sind schlichtweg unerträglich und es tröstet nicht, dass sie die Insel zur Nachmittagszeit verlassen. Auch danach kommt kein Gefühl von summer-dreaming auf. Wer nicht gerade scharf auf verbackene Scholle mit matschigen Kartoffeln ist, Labskauspampe oder andere Gerichte, die in der eigenen Sosse ertrinken, wird es schwer haben,&amp;nbsp; auf Helgoland kulinarische Zufriedenheit zu erlangen.&amp;nbsp; Keine Straßenkneipen für laue Abende, kaum Programm. Immer kann man den Rundwanderweg über das Oberland nicht laufen und einmal sich durch die Schilder mit Helgolands Geschichte zu lesen, reicht vollkommen. Auch der Bunker, diese letzte Gruselstätte des Faschismus auf Helgoland, wird einem auf allen Plakaten irgendwie als Prachtbau präsentiert und darin steckt eine Haltung, die einen unangenehm berührt. Aquarium und Museum sind so aufregend wie der Bahnhof von Wanne-Eickel. Bleiben also die Helgoländer Vogelwelt und der ornithologische Jahresbericht, den man in der örtlichen Buchhandlung kaufen kann. Damit sich dann in die Dünen setzen,&amp;nbsp; über die Verbreitung der Haubentaubenlerchenmöwe lesen und an Ort und Stelle überprüfen, ob diese auch richtig erfasst wurde. Es gibt Menschen, die das tun - auf Helgoland eine Menge - und die sind mir wirklich allemal lieber als die Toblerone-Imperialisten.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;In diesem Sommer war es auf Helgoland doppelt turbulent, weil die Inselbewohner darüber abstimmten, ob ihr Fels durch eine gigantische Landaufschüttung mit der vorgelagerten Düne verbunden werden soll. Das hätte bedeutet: mehr Platz für neue Ferienwohnungen und kleine Hotels, einen geschützten Hafen für bessere Anbindung und die eine oder andere Wasserspaßlandschaft, vielleicht neue Investoren, neues Leben, neue Gäste. Vielleicht auch neue Bewohner, denn die 1300 die die Insel jetzt hat, sind zu wenig, um eine kommunale Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Für das Land Schleswig-Holstein ist Helgoland ein gigantisches Verlustobjekt und im Landtag wird wohl schon mancher den Tag bereut haben, an dem man die Nordseeinsel gegen Sansibar eintauschte, wo der Tourismus heute gut läuft und einträglich ist. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Vor der Abstimmung herrschten auf Helgoland Krisengebietszustände. Am Rande eines Bürgerkriegs stand man nicht, aber manchmal schien es, auch nicht weit davon entfernt. Die Vogelschützer fielen über die Spaßvögel her, die Alten über die Jugend, die Reaktionäre über die Rebellen. Es war unschön, vor allem die Unerbittlichkeit, mit der der Streit geführt wurde, ließ schnell ahnen, dass es um mehr geht als um ein touristisches Zukunftskonzept und ein paar Tausend Tonnen Sand. Denn der Bürgerentscheid war zugleich die Entscheidung dafür, was Helgoland ist und in Zukunft sein will. Mit knapper Mehrheit fiel diese Entscheidung dafür aus, keine Spaßinsel zu werden, sich den Anforderungen des modernen Tourismus nicht zu beugen. Für ihre Sturheit und Prokrastination sind die Helgoländer schließlich bekannt, ohne diese hätten sie wahrscheinlich weder Piratentum noch Kontinentalsperre noch die Zeit des Neuanfangs nach dem englischen Zerstörungsversuch überstanden. Die roten, der Erosion des Salzwasser trotzenden Felsen, ja, die ganze Insel, stehen vielleicht wie kaum ein anderer Ort in Deutschland für Widerständigkeit. Warum also sollte es im Zuge eines aussterbenden Tourismus, einer abflauenden Wirtschaft, Überalterung und Abwanderung anders sein. Es waren hauptsächlich die Alteingesessenen, die sich gegen die Landverbindung entscheiden, die Jugend hätte es wohl gerne anders gehabt und auch die mittlere Generation, die noch viele Jahre vor sich hat, bis sie sich zur Ruhe setzen kann.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Vorerst also bleibt alles beim Alten, und im Sommer also wird Helgoland nicht zu meinen Urlaubszielen gehören. Im Winter ist das anders. Der Anachronismus, der die Insel zur Sommerzeit so pappig und schal macht, ist aufgelöst, nichts anderes mehr ist Helgoland dann als eine Hochseeinsel inmitten von Meer und Horizonten, umtost, umweht, umzingelt von Natur, die nicht immer wohlgesonnen ist. Nichts braucht man. Kein Spaßprogramm. Keine öden Museen&amp;nbsp; mit ausgestopften Vögeln und Exponaten, in denen sich der Staub und die Langeweile von Jahrzehnten gesammelt hat. Kein Pilatesyogareiki am Strand. Nur dieses Verwehen und Verregnen, allen entfesselten Elementen trotzen und sich seinen Sieg über die Gewalt des Windes und des Meeres mit einem Glühwein, einer heißen Schokolade belohnen. Deren Zubereitung beherrschen selbst die Helgoländer Gastronomen.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Die Läden sind im Winter nur für kurze Zeit geöffnet und wenn wegen Sturms das Schiff&amp;nbsp; vom Festland mal wieder für ein paar Tage nicht kommt, bleiben sie ganz geschlossen. Selbst die Geschäfte, die nicht ausschließlich von den Ramschern leben, öffnen nur wenige Stunden. Dazwischen liegt eine lange Mittagspause, die geht nahtlos in die Dunkelheit über und die Dunkelheit dann sehr schnell in die Nacht, in der man im Bett liegend das spuckende und klatschende Meer und den ungebärdigen Wind hört, der zerschlägt und verweht, was nicht genügend&amp;nbsp; befestigt ist.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;In diesem Jahr hat Helgoland seinen ersten Weihnachtsmarkt.&amp;nbsp; Ein Märktchen eher, bestehend aus Knieper und Kunst, Mandeln und Marzipan – und unverhältnismäßig vielen Glühweinständen an denen in den Glühwein unverhältnismäßig viel an Schuss gekippt wird. In diesen schiffslosen und damit touristenlosen Tagen versammelt sich dort fast ausschließlich Helgoländer. Vor einigen Monaten schrieb die taz, die Helgoländer seien alle Saufköppe und nervten einen zudem mit alten Kriegsgeschichten. Die taz vermutete, der Erfolg des Duty-Free auf der Insel fuße darauf, dass die Helgoländer ihre besten Kunden seien.&amp;nbsp;Die betroffenen Helgoländer nahmen es nicht mit Humor, sondern empörten sich ob der Arroganz.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-dWBKm1etr4I/TuEHPKvNq5I/AAAAAAAABWg/AuAg5phENQo/s1600/Helgoland+Dez.+2011+078.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://4.bp.blogspot.com/-dWBKm1etr4I/TuEHPKvNq5I/AAAAAAAABWg/AuAg5phENQo/s320/Helgoland+Dez.+2011+078.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Mit der taz soll man also besser nicht mehr kommen auf Helgoland.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Am Glühweinstand jedenfalls fanden sich an dem Abend keine Saufköppe, nur ein paar Witzeerzähler, deren Niveau nicht das beste war. Vom Krieg erzählte auch keiner. Vielleicht ging ich zu früh, stemmte mich wieder gegen den Wind und erreichte durchgeschwitzt und eis&lt;a href="http://www.blogger.com/post-edit.g?blogID=9192790165356357821&amp;amp;postID=7144872657625195294" name="_GoBack"&gt;&lt;/a&gt;ekalt zugleich mein spießiges Zimmerchen, welches mich gar nicht störte, sondern mir ganz heimelig erschien.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-7144872657625195294?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/7144872657625195294/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/12/insel-idiosynkrasie.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7144872657625195294'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7144872657625195294'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/12/insel-idiosynkrasie.html' title='Insel-Idiosynkrasie'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-e1shNrGP1Qs/TuEFy3v8o-I/AAAAAAAABWQ/IYA_Z6Y678M/s72-c/Die+D%25C3%25BCne+bleibt+f%25C3%25BCr+sich..JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-2538139457121459139</id><published>2011-11-10T17:15:00.001+01:00</published><updated>2012-01-03T20:35:56.735+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tokio Tokyo Paul Smith Ramen Soba Yen Fukushima'/><title type='text'>Tokyo-Style</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-IX92w-VLqP8/TrvxMCIXVeI/AAAAAAAABVg/LBu2pdB0NO4/s1600/Japan+Herbst+2011+214.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://4.bp.blogspot.com/-IX92w-VLqP8/TrvxMCIXVeI/AAAAAAAABVg/LBu2pdB0NO4/s640/Japan+Herbst+2011+214.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Die Tokioter haben jetzt Hunde. Das war vor 20 Jahren, als ich hier lebte, noch nicht so. Die Hunde müssen wohnraumkonform sein, weshalb die beliebten Rassen Dackel und Westshire-Terrier oder wie diese gelblich-weißen Knäule heissen, sind. Auch bei uns gibt es Leute, die ihre Hunde bekleiden, und vielleicht muss man diesen wandelnden Lesezeichen etwas überziehen. In Tokyo aber kann man an den Hunden sehen, was in der kommenden Wintersaison en vogue sein wird. Fell, mit Spitze kombiniert, offenbar.&lt;br /&gt;Weihnachten ist hier noch nicht überall, aber im Kommen. Als ich am Morgen mein Hotel verließ, wurde die große Tanne im Yaebisu-Garden-Place, das ist eine Mischung aus Park, Einkaufszentrum und Hotels, geschmückt. Weiträumig hatte man den Bereich um die Tanne abgesperrt und sieben Männer waren mit drei Kränen dabei, Kugeln in den Baum zu hängen und Lichterketten zu befestigen. Zwei Männer bewachten die Absperrung, wedelten Passanten mit Leuchtstäben an den Gittern vorbei, die man ohnehin unmöglich übersehen konnte.&lt;br /&gt;Als ich am Abend wieder ins Hotel ging, waren die Männer immer noch dabei, was keinesfalls von Langsamkeit, sondern von japanischer Perfektion zeugt. Einen schöner und symetrisch geschmückteren Baum habe ich noch nie gesehen. Keine Kugel hing einfach nur so da, jede schien ihren besonderen Platz zu haben. Schon viele Zuschaer hatten sich versammelt, und kaum verschwand die Sonne und breitete sich Dunkelheit aus, wurde der Baum unter allgemeinem Ah und Oh erleuchtet. Nun also kann es Weihnacht werden.&lt;br /&gt;Ich aß heute zum Mittag Ramen, und musste dabei feststellen, dass die japanischen Sitten auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. Ramen ist einen Suppe, bestehend aus Nudeln in einer herzhaften, manchmal scharfen Brühe und oben auf schwimmt &amp;nbsp;-je nach Art - ein Ei, Fleischstücke, Gemüse. Die Japaner lieben Suppen und ich liebe die Japaner dafür. Ramen isst man mit Stäbchen, und da die Nudeln heiß und lang sind, werden sie unter gotteserbärmlichem Schlürfen schnell in den Mund gezogen. Das Schlürfen ist in dieser Anekdote nicht der Sittenverfall, das war schon immer so, und ich schlürfe gerne begeistert mit. Empörend aber, dass mein Tischnachbar, als ich noch meine Jacke auszog, das mir bereits hingestellte Glas Leitungswasser nahm und zu sich herüberzog. Nun wollte ich nicht um ein Glas Wasser feilschen, zumal man mir schnell ein neues brachte, aber wo, bitte schön, bleibt da die japanische Bescheidenheit, Zuvorkommenheit?&lt;br /&gt;Allerdings blieb dies das einzige Beispiel von Sittenverfall. Ansonsten ist Tokyo großartig, wunderbar, aufregend, phantasievoll, verspielt, laut, lauter, am lautesten, kreativ, nervtötend, teuer, luxuriös, erfindungsreich, kurzum, ein Durchlauf durch das emotionale Spektrum, der von begeistert über delirisch, erschöpft, halluzinös, kaufberauscht, perplex, ratlos, taub bis verliebt reicht.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-e_rgVdOWY0M/TrvzhpESKbI/AAAAAAAABVw/YDpRLySnq0I/s1600/Japan+Herbst+2011+243.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="400" src="http://3.bp.blogspot.com/-e_rgVdOWY0M/TrvzhpESKbI/AAAAAAAABVw/YDpRLySnq0I/s400/Japan+Herbst+2011+243.JPG" width="265" /&gt;&lt;/a&gt;In der Japan Times stand heute ein Interview mit dem britischen Modedesigner Paul Smith. Nirgends auf der Welt hat er soviele Boutiquen wie hier in Tokyo, sage er. Das läge daran, dass die Menschen konsumwillig seien. Ich mag nicht beurteilen, ob jetzt mehr, als vor dem 11. März, als vor der Dreifachkatastrophe, die man hier in Anlehnung an die USA 3/11 nennt. Tokyo war schon immer eines der Zentren des überbordenden Kapitalismus, eine in die Endlosigkeit ragende Bedürfnispyramide. Doch wenn man die Wirtschaftsartikel in der JapanTimes liest, bleibt der Eindruck, Japan leide. Unter den Folgen von Fukushima? Weit gefehlt. Japan leidet vor allem unter dem starken Yen, der die Geschäftsleute fernhält, und wenn sie doch kommen, investieren sie nicht.&lt;br /&gt;Reisende in Zeiten der Radioaktivität sind eigentlich eine Zumutung. In jeder Situation denkt man an Fukushima, als gebe es nicht anderes japanisches, welches ebenso beachtenswert wäre. Man reist - und reduziert das Land auf einen Namen, ein Ereignis. Das ist als denke man an Deutschland und denke ausschließlich an den Holocaust, was sich auf die Reduzierung bezieht, nicht auf einen Vergleich der beiden Ereignisse miteinander.&lt;br /&gt;Jedenfalls ist man als Gesprächspartner eine Pest. Immer will man nur wissen, wie die radioaktiven Werte sind und wie sich die Japaner zu den Problemen stellen, dabei wollen die Japaner nur ihre Ruhe haben und normal weiterleben. Aber das europäische Auge, die europäische Atomkraftshysterie in der Pupille, &amp;nbsp;ist wie ein Scan und findet das Wort Fukushima, wo immer es auftaucht. In Fukushima, schreibt die Japan Times, tragen zurzeit wieder 80 Freiwillige die verseuchte Erde ab. Für diesen Aushub soll es eine Lagerrstätte geben. 30 Jahre lang wird der Boden dort gelagert. Was dann damit geschieht, schreibt die Zeitung nicht. Und auch nicht, wie viele Meter Erde man abtragen muss, bis man auf nicht mehr radioaktive Schichten trifft. Tss, sagt der Europäer, bis ihm einfällt, dass die Endlagerstätte Castorf angeblich ja auch schon strahlt und bei weitem nicht voll ist, und vielleicht sollte man das der Japan Times schreiben, verbunden mit einer Reisewarnung. Doch gibt es internationalen Tourismus im Wendland?&lt;br /&gt;An der Omotesando-dorii jedenfalls hat ein Supermarkt für Bioprodukten eröffnet. Ein großes Schild davor kündigt an, die Waren seien aus Hokkaido (der Nordinsel, Anm der Autorin) und streng organisch. Organisch ist überhaupt ein neues Lieblingswort der Japaner. Es gibt Cafés mit organischem Kaffee und organischen Milchgetränken, es gibt organische Sojakuchen, organische Pasta, organische Weinkellereien, organische Seifen, Duftstoffe und in den Boutiquen ist organische Kleidung der neuste Stil: eine Mischung aus Avantgarde und Alternativ.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-3TEmhjziCQc/TrvycwkRb0I/AAAAAAAABVo/VPh2HFFIxLM/s1600/Japan+Herbst+2011+216.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://3.bp.blogspot.com/-3TEmhjziCQc/TrvycwkRb0I/AAAAAAAABVo/VPh2HFFIxLM/s320/Japan+Herbst+2011+216.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Organisch ist auch der neue Geruch von Tokyo. Patchouli und Vanille, wilder Thymian und Rosen, Lavendel und Limone. Kaum ein Kaufhaus, was nicht auf Aromatherapie setzt, und vielleicht ist das der Grund, warum die Japaner immer so im Kaufrausch sind und es auch in meinem Kopf in diesen Häusern so watteweich und widerstandlos wird. Wer will sich denn noch Gedanken über den starken Yen und den miesen Wechselkurs machen, wenn Waben von Zitronengras-Honig-Salbei einem durch die Nase ins Gehirn gehen und die Kaufhormone in Gang setzen. Um die Duftstoffe gleichmäßig großzügig zu verteilen, haben sich die Japanen etwas einfallen lassen: Den Duft-Verteiler. Aromatherapy-Dispenser genannt. Diesen gibt es aus jedem Material, in allen erdenklichen Formen und mit zusätzlichen Funktionen. Mit Licht und mit Wellnessmelodien, mit Meeresrauschen und mit Vogelgezwitscher.&lt;br /&gt;Dass Dürfte süchtig machen, war mir bislang nicht bekannt, aber nach drei Tagen in Tokyoter Kaufhäusern riecht die normale Luft so fade, dass ich einen dieser Dispenser gekauft habe. Mein Gehirn war in Zitronengras-Lebkuchen gewickelt und nicht fähig, den Preis in Euro umzurechnen, so gerade schaffte es meine Hand, die Kreditkarte zu zücken und ein wenig wacklig-wonnig zu unterschreiben. Hatte ich gedacht, mir meinen Besitz schnappen und davon gehen zu können? Deutsche Verkäufer gewöhnt, denen der Kunde eine Belastung und bei denen Einstellungskriterium eine völlige Abwesenheit von Manieren/Freundlichkeit ist. Fehlgedacht. Zunächst wurde mir von gleich Damen die Funktionsweise meines Dispensers erklärt, wurde dieser auseinander genommen und jedes Teil auf Unbeschadetheit untersucht, wurden mir verschiedene Düfte gratis dazu gegeben, dann nahm sich eine der Damen meine Tüte, begleitete mich zur Rolltreppe und übergab mir erst dort mit einer anmutigen Verbeugung meinen Kauf. &lt;br /&gt;Ich bin gerne ein nüchterner Mensch. Aber das, ehrlich, das gab mir den Rest. In dem Augenblick der Verbeugung, duftenthusiastisch mit Dispenser auf der Rolltreppe entschwebend, wusste ich: Das mit Tokyo, das ist eine große Liebe. Noch am selben Tag kaufte ich mir auch ein Übungsbuch für Kanji und begann, wie irre zu üben. Wenn das hier jemand liest, der dort einen Job im Angebot hat, immer her damit, ich schreib dann auch ein Buch: Tokyo, mon amour oder so.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-us03h393VDA/Trv0o1Mb0xI/AAAAAAAABV4/cx4wBlYjRIE/s1600/Japan+Herbst+2011+360.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://4.bp.blogspot.com/-us03h393VDA/Trv0o1Mb0xI/AAAAAAAABV4/cx4wBlYjRIE/s400/Japan+Herbst+2011+360.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Den Abend verbrachte ich in Daikanyama bei Kaori Yamamori. Ein junger, hübscher Japaner mit fließenden Italienischkenntnisse, und es gibt sicherlich viele Gründe für seine Gesellschaft, aber der stärkste ist sein extracremiger Cappuccino, den so mancher Eiscafé-Giovanni nicht annähernd so hinbekommen würde.&lt;br /&gt;Daikanyama ist eine der neueren Hipp-Stadttteile von Tokyo. Keine Hochhäuser, Straßencafés und Weinlokale wie Kaoris "Bar Bis", sündhaft teure Boutiquen mit sündhaft schönen Klamotte, und wer ein Konsumfeind ist, der soll mir da an Diakanyama beweisen. &amp;nbsp;Erleuchtet werden diese Tempel durch gigantische Kronleuchter, auch das so eine Mode in Tokyo, überall hängen Kronleuchter, die so groß sind wie mein Wohnzimmer und natürlich die Frage aufwerfen, wie weit es her sein kann mit dem japanischen Stromsparen, ob man in Zeiten von ... ach nee, nun nicht schon wieder. Daikanyama jedenfalls ist chic, die Leute dort sind chic oder zumindest schräg und Kaoris Cappuccino mein persönlicher Geheimtipp (falls Marco Polo je bei mir einen Reiseführer über Tokyo in Auftrag geben sollte, wäre das doch schon mal ein Anfang).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-2Hn815mz1_E/Trv1wRj8vAI/AAAAAAAABWA/E9BT1j96jTo/s1600/Japan+Herbst+2011+371.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://2.bp.blogspot.com/-2Hn815mz1_E/Trv1wRj8vAI/AAAAAAAABWA/E9BT1j96jTo/s320/Japan+Herbst+2011+371.JPG" width="212" /&gt;&lt;/a&gt;Auf dieser Reise mache ich ein wenig auf Gesine Cresspahl aus Uwe Johnsons Jahrestagen, hangle mich an der täglichen Zeitungslektüre entlang und forme daraus, vielleicht auch aus Mangel an wirklich kommunikationswilligen Japanern, mein Bild von der Situation. Japan zeige sich willig, steht in der Japan Times, Bonds des europäischen Stabilitätsfunds zu kaufen, sofern, so formuliert es Finanzminister Jun Azumi mit ungewohnter japanischer Deutlichkeit, die Europäer einen vernünftigen Schutzschirm schaffen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist von chinesischer Stützung bestimmter japanischer Aktien die Rede, und wenn ich das mit meinen geringen wirtschaftlichen Verstand richtig sehe, finanzieren die Chinesen demnächst die japanische Wirtschaft, die Japaner die deutsche, die wiederum die griechische und italienische, das klingt mir nach einem munteren Round-About und fröhlichem Schulden-Hopping. Meine finanzielle Schieflage stützt Kaori. Der will nämlich für den 400 Yen teuren Cappuccino nur drei Euro haben und unterbietet damit die besten Wechselkurse bei weitem. Da empfehle ich ihn doch gerne gleich noch einmal.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-2538139457121459139?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/2538139457121459139/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/11/tokyo-style.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2538139457121459139'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2538139457121459139'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/11/tokyo-style.html' title='Tokyo-Style'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://4.bp.blogspot.com/-IX92w-VLqP8/TrvxMCIXVeI/AAAAAAAABVg/LBu2pdB0NO4/s72-c/Japan+Herbst+2011+214.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-8562937029397247257</id><published>2011-10-28T06:15:00.003+02:00</published><updated>2012-01-03T20:37:09.208+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tokio Tokyo Paul Smith Ramen Soba Yen Fukushima'/><title type='text'>Im Osten nichts Neues</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-Y41YwgTgB-8/TqzLZwHpXuI/AAAAAAAABQI/-BaWTkJvP64/s1600/japan+022.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://3.bp.blogspot.com/-Y41YwgTgB-8/TqzLZwHpXuI/AAAAAAAABQI/-BaWTkJvP64/s640/japan+022.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Hakone ist fast alles wieder beim Alten. Eine gute Fahrtstunde von Tokio entfernt, liegt dieser Ort der Erholung und Ruhe, liegt zwischen Zedern und sich langsam blutrot färbendem Ahorn, als sei nie etwas gewesen. Fukushima? Weit weg. Radioaktivität? Nicht wirklich ein Thema. Nur die ausländischen Touristen sind noch nicht zurückgekommen, doch das kann man in Hakone verschmerzen. Dafür kamen in diesem Sommer mehr Japaner als jemals zuvor. Was, um einige Ecken, dann doch ein Resultat der vergangenen Katastrophen war, denn erstmals, seit die meisten Japaner sich erinnern können, hatte es in diesem Land Stromsperrungen gegeben, bis zu vier Stunden am Tag war die Elektizität abgeschaltet worden, und die Regierung mahnte, Energie zu sparen. Als dann der heiße Sommer kam, dessen Temperaturen man vor 3/11, wie der Tag des großen Erdbebens hier heißt, mit Dauerbetrieb der Klimaanlage bekämpft hatte, fuhren viele Japaner aus Stromersparnisgründen in die Kühle der Berge, jedenfalls erzählt man es hier so.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-_qaKQx0I88o/TqzLcO4FvcI/AAAAAAAABQQ/UYJRfkQpdHY/s1600/japan+028.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://4.bp.blogspot.com/-_qaKQx0I88o/TqzLcO4FvcI/AAAAAAAABQQ/UYJRfkQpdHY/s400/japan+028.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Im Osten nichts Neues. Die Dinge gehen wieder ihren Gang. Mal wieder hat ein Premierminister das Handtuch geworfen, ist gegangen, als die Probleme zu komplex wurden. so zieht man sich hier aus der Affäre. Gomennasai, Verzeihung - dazu ein paar Verbeugungen. Doch, das wird auch von den Japanern kolportiert, aber die Macht etwas zu ändern, liegt nicht beim Vok, sagen sie. Leider.&lt;br /&gt;Über den März und die zwei folgenden Monate mit wenig Strom, großem Entsetzen und spärlichen Informationen über das Ausmaß der nuklearen Katastrohe, redet man hier ungern. Kein Thema mehr, sagen die meisten, die man hier in Hakone fragt, und schauen irritiert, weil der europäische Besucher so ungläubig nachhakt. An vier Stationen, so sagt der Bürgermeister, wird in Hakone die Radiaktivität gemessen, aber die Werte seien nur ein weniges höher als sonst, und was auch immer das heißen mag, ein Grund zur Besorgnis ist es keinesfalls. Statt dessen, ganz japanische Diplomatie und Freundlichkeit, beschwört man lieber die langjährige Freundschaft, die zwischen Deutschland und Japan herrscht.&lt;br /&gt;Gerade weilte der Bundespräsident im Land, und in diesem Jahr begeht man den 150. Jahrestag der Verbundenheit zwischen beiden Ländern, immerhin, so der Bürgermeister, sei man einst Verbündete gewesen, zwar mit Italien dabei, aber die Freundschaft zu den Deutschen sei dennoch enger, weil es mehr Ähnlichkeiten gebe. Pünktlichkeit und Fleiß, das seien zwei Dinge, die beiden Völkern eigen sein, und dass der Bürgermeister diese Eigenschaften den Italienern nicht unbedingt zuschreibt, das sagt er natürlich nicht, deutet es nur mit dem Hinweis auf die italienische Finanzkrise an. Lob für den deutschen Atomausstieg, ja, ein mutiger Schritt, sagt er, und schaut dabei skeptisch.&lt;br /&gt;Hakone ist dem Japaner der liebste Erholungsort. 2 Millionen Besucher jedes Jahr, die meisten zwar Tagestouristen, die sich vom Tokioter Gewusel und der schlechten Luft dort erholen, aber immerhin auch 65.000 Übernachtungsgäste. Dass es zu dieser Beliebtheit kam, schreibt man unter anderem dem Deutschen Arzt und Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer zu, einer der ersten Europäer, der das Land nach seiner 300jährigen Isolationsphase bereiste. Kaempfer kam 1690 mit einem niederländischen Schiff nach Nagasaki, später durfte er im Land auch reisen. Eine dieser Ausflüge brachte ihn &amp;nbsp;nach Hakone, zwar nur für einen Nachmittag, doch es reichte, um den Ort und seine heißen Quellen in seinen Aufzeichnungen zu erwähnen. Scheinbar ist den Japanern alle Historie heilig, denn sie setzen Kaempfer, den die meisten Deutschen wohl googlen müssten, 1922 ein Denkmal am Ashi-See und jedes Jahr gibt es ein Fest zu Ehren dieses Mannes. Eigentlich ist diese Geschichte noch ein bißchen vielfältiger, doch die Kurzversion reicht, um die, wie ich meine, etwas einseitige Verbundenheit der Stadt mit den Deutschen zu erklären.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-l6-TFAC0VY0/TqzLfKh2KAI/AAAAAAAABQY/Zb7nG5I7XKQ/s1600/japan+045.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://3.bp.blogspot.com/-l6-TFAC0VY0/TqzLfKh2KAI/AAAAAAAABQY/Zb7nG5I7XKQ/s400/japan+045.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Nun könnten die Japaner sich ja vom Fernbleiben der ausländischen Touristen brüskiert fühlen und ein wenig beleidigt sein, doch das Gegenteil ist der Fall. Im Café des ältesten Hotels der Stadt, dem wunderschönen und etwas nach Disneyland aussehenden, im Inneren schon ein wenig antiquiertem Fujiya Hotel, dankt man dem Gast aus Europa dafür, trotz der vielen schlechten Nachrichten gekommen zu sein, nimmt es als Teil jener Solidarität, die in der japanischen Gesellschaft seit 3/11 wieder sehr beschworen wird. Was ein wenig befremdlich wirkt, nicht, weil man die Hinwendung zu traditionellen Werten wie Familie und Gemeinschaft, Miteinander und Füreinander nach der Katastrophe nicht versteht, sondern weil die Japaner von westlichen Kampf-Individualismus auch zuvor noch immer Lichtjahre entfernt waren. Dass einer machte, was nur ihm gut tat, das mag zwar vorgekommen sein, vor allem wahrscheinlich unter japanischen Politikern, aber die Regel war die Konformität, selbst die ausgeflippten Jugendlichen in den Szene-Vierteln von Tokio waren in ihrer Ausgeflipptheit wieder konform, denn sie alle trugen die gleichen Asseccoires der Rebellion gegen das Establishment und sahen also auch einer aus wie der andere. Was vielleicht nichts ungewöhnliches ist, denn auch die Mitglieder der westlichen Protestkultur oder auch Hauptsache-dagegen-Kultur ähneln einander so sehr, als sei ihnen im Anderssein nichts wichtiger, als gleich zu sein.&lt;br /&gt;In Hakone sieht man keine Ausgeflippten. Die Gruppenreisenden, die ein paar Monatsgehälter im Fujiya an die Wand drücken und gerne als Souvenir einen Teddy mitnehmen, der die Hoteluniform trägt oder auch ein duftendes Brot aus der zum Hotel gehörigen Patisserie, tragen patente Wanderhosen, die Frauen ab 50 gerne ein wenig verknautschte Hüte. Tagsüber gehen sie wandern, abends sind sie früh im Bett, und entsprechend nehmen die Restaurants außerhalb der Hotels die letze Bestellung um 19.30 Uhr entgegen, dann werden in den Orten im Hakone-Nationalpark die Bürgersteige hochgeklappt. Wenn man Glück und ein Hotel mit Fujblick hat, sieht man den Nachtmond über dem dem Japaner heiligen Berg aufgehen und ein seltsam irisierendes Licht auf das schroffe Gestein werfen. Das Fujiya jedenfalls ist bis Jahresende ausgebucht, und vielleicht ist der eine oder andere auch ganz froh, dass man nun Japaner unter Japanern sein kann.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-tVLfu61UrBU/TqzLh_Ce0EI/AAAAAAAABQg/m9rJr5i05UQ/s1600/japan+049.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://1.bp.blogspot.com/-tVLfu61UrBU/TqzLh_Ce0EI/AAAAAAAABQg/m9rJr5i05UQ/s400/japan+049.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Wenn man nicht im teuren Fujiya wohnt, kann man sich bei der Familie Takahashi im Guesthouse einquartieren. Die Takahashis sind seit 26 Jahren im Gastgewerbe und haben sich auf Ausländer spezialisiert. Herr Takahashi ist ein unermüdlicher Verfechter einer liberaleren Einstellung der Japaner gegenüber den Ausländern, er und seine Frau, seine Tochter sprechen fließend Englisch und servieren zum Frühstück dem westlichen Geschmack konforme Dinge wie Brot und Obst. Es gebe viele Betreiber kleiner Hotels und Gasthäuser, sagt er, die sich vor der Begegnung mit Ausländern fürchteten. Weil sie kein Englisch könnten. Weil die Ausländer so anders seien und viele japanische Sitten missachteten, nicht verstünden. Die argumentierten, Hakone brauche den internationalen Tourismus gar nicht.&lt;br /&gt;Womit sie wahrscheinlich Recht haben. Schaut man sich im Gästehaus der Takahashis um, sieht man viele, viele angeklebte Zettel. Da wird erklärt, dass die weichen Puschen für drinnen und die Plastiklatschen für draußen sind, dass man keine Nudelsuppe ins Waschbecken kippen darf, man vor der Benutzung des Beckens, in das Wasser aus einer der heißen vulkanischen Quellen von Hakone fließt, sich gründlich duschen sollte. An der Toilette, die wie alle japanischen Toiletten an der Seite eine Art Bordcomputer hat, an dem sich die Temperatur der Klobrille sowie Starke und Wärme eines reinigenden Wasserstrahls einstellen lassen, kleben gleich zwei Zettel. Auf dem einen steht: Das ist nicht die Spülung. Und auf dem anderen: Das hier ist die Spülung. Wunder es da noch, dass manche keine Ausländer haben wollen, wenn es soviel Mühe kostet, die normalsten Kleinigkeiten zu erklären? &amp;nbsp;Neine, nein, sagt Herr Takahashi, Japan müsse für Touristen einfacher zu bereisen sein, sonst verstünde die Welt nie, wie sein Land sei. Ja, kann man denn überhaupt verstehen, wie Japan ist?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-8562937029397247257?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/8562937029397247257/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/10/im-osten-nichts-neues.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8562937029397247257'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8562937029397247257'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/10/im-osten-nichts-neues.html' title='Im Osten nichts Neues'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-Y41YwgTgB-8/TqzLZwHpXuI/AAAAAAAABQI/-BaWTkJvP64/s72-c/japan+022.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-3253739931066258462</id><published>2011-09-21T21:00:00.002+02:00</published><updated>2012-02-28T23:25:52.842+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Ankommen Fortgehen Ferne Heimat Nomaden'/><title type='text'>Ferngehen, heimkommen</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;  &lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: #666666;"&gt;&lt;span class="apple-style-span"&gt;Sieh dich nicht um. Schnür deinen Schuh. Jag die Hunde zurück.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="apple-style-span"&gt;Wirf die Fische ins Meer. Lösch die Lupinen!&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="apple-style-span"&gt;Es kommen härtere Tage.&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: #666666;"&gt;Ingeborg Bachmann&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;br /&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-YPbz-tRYBKI/TnozbHeNcjI/AAAAAAAABO4/UTs_McrOB5s/s1600/Schweden+2007+274.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="480" src="http://3.bp.blogspot.com/-YPbz-tRYBKI/TnozbHeNcjI/AAAAAAAABO4/UTs_McrOB5s/s640/Schweden+2007+274.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Nun sind wir also wieder zurück. In Brüssel trennten sich unsere Wege und dieser Moment, wenn die anderen fort sind und man plötzlich wieder alleine ist mit den Erlebnissen und den Bildern im Kopf, ist stets ein furchtbarer. Nun also ist der Aufbruch in die Fremde vorbei, auch das Dort-Sein, und von dem Augenblick, an dem man europäischen Boden betritt, ist&amp;nbsp; man nichts weiter als ein Heimkehrer. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Bist du nicht froh, wieder zu Hause zu sein, werde ich oft gefragt, wenn ich Reisen hinter mir habe, die andere als schwierig empfinden. Weil sie nicht touristisch sind. Weil sie in Länder führen, die mit Gewalt assoziiert werden. Oder mit Schmutz und Krankheiten, Anarchie, Lebensgefahr. Allzu fern sind, sowohl an Distanz, als auch an Lebensart. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Jedes Mal nicke ich. Ja. Froh, die Kinder wieder zu haben, froh, gesund geblieben zu sein, nicht abgestürzt, nicht verschleppt, nicht Opfer. Froh über saubere Kleidung, sauberes Bett, heiße Dusche. Froh über Recht und Gesetz, die es in meinem Land gibt.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Doch das Ja ist nur halb wahr. Ich bin zu Hause und fühle mich verloren. Die Erfahrungen, die ich heimbringe und nicht teilen kann, trennen mich von den anderen. Manchmal bin ich wütend: Darauf, dass im Gewohnten alles so blieb wie es war, nur ich finde nicht mehr hinein, bin vom Wege abgekommen, bin wie ein Zug aus der Spur. Und manchmal bin ich neidisch auf die, denen alles so richtig erscheint, ungetrübt und unverbrüchlich, und ich, die nicht hier, nicht da sein kann, verharrt im irgendwie zwanghaften Dazwischen. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Denn heimkommen ist so eine Sache. Das Heim, das ist der Ort aller Sehnsucht, ein unverrückbares Idyll mit warmen Betten und Apfelkuchengeruch, Schnulzenstoff, massiver Fels in allen unruhigen Gewässern des Lebens. Doch der Anspruch an die Geborgenheit ist zugleich ihr Verderben, denn nie erfüllt das Heim, was man ihm an Sehnsucht zumutet. Den Apfelkuchen hat niemand gebacken, die Betten müssten mal neu bezogen werden. Und dann sind da die Rechnungen, der TÜV-Termin, die Buchhaltung, der ganze leidige, schale und ermüdende Alltag. Auch das ist Nach-Hause-kommen.&amp;nbsp; &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Dazu aber passt das eigene Ich nicht mehr in die Form, die zu Hause auf einen wartet. Es fügt sich nicht zurück ins Glied, es ist anders geworden. Kleiner oder größer, je nach Erfahrung, eckiger, launischer, härter. Der Blick auf das Eigene ist getrübt durch die Erinnerung an das Fremde, das jetzt irgendwie vertraut ist und das Vertraute ist fremd. Die Geborgenheit, die dem Begriff Heimat implizit ist, die sich daraus speist, dass man zugehört, fraglos und kritiklos, bekommt Risse. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Das erste, was der Reisende von der Heimat in den Zeiten des Reisens per Flugzeug sieht, ist der Flughafen. Schlimmer kann es kaum kommen: Das Konsumgebaren dieser Orte, die verschwenderische Fülle von unnützen Dingen, die Preise dieser Dinge, die anderswo Familien für Monate ernähren. Da steht man vor einem dieser Duty-Free-Läden und starrt auf Waren, die mehr kosten, als dort, wo man gerade herkommt, ein Mensch. Es riecht nach Chanel und Ciabatta, man kann Cremes kaufen, die Falten mindern und die Haut glätten und noch wenige Stunden zuvor war man an einem Ort, wo man nicht einmal Medikamente kaufen kann, wo Menschen sterben müssen, weil es keine Bluttransfusionen gibt. Und man möchte hysterisch werden vor lauter Verwirrung. Welcher Teil in uns wurde durch all diesen Überfluss so abgetötet, dass wir diese Ungerechtigkeit aushalten. Es ertragen, wenn den einen soviel gegeben und den anderen immer nur genommen wird. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Manchmal komme ich wieder und würde gerne bei jemandem weinen. Aber ich kann nicht. Es bin ja nicht ich, die das Leid erfahren hat. Wenn ich so gläubig wäre, dass ich Gebete hätte, würde ich um Vergebung bitten, für mich und für alle anderen, die so tun, als hätten sie das Privileg eines sicheren und komfortablen Lebens&amp;nbsp; verdient. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Mein Noch-Nicht-Angekommen-Sein wirft mich aus der Zeit. Ich muss nirgends hin, denn ich bin noch nicht da. Wie in Zeitlupe gehe ich durch die geclonten Geschäftsleute mit ihrem hochtrabendem Gebaren, das sie ausweist als Menschen, die am Rad dieser Welt mitdrehen. Die Laufbänder, Gepäckkarussells, die deutsche Effizienz und schließlich der routinierte Passbeamte, der mit einem Blick feststellt, dass man keine Gefahr bedeutet, keine unerlaubten Dinge schmuggelt, all das sind Bilder und Eindrücke, die plötzlich das Herz schwer und die Beine langsam machen. Ja, man ist zurück! Aber ist man heimgekehrt? &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Ich kenne einen Fotografen, mit dem ich öfter mal reiste, dessen Brust sich stets Seufzer entringen, wenn das Flugzeug zur Landung am heimischen Flughafen ansetzt. Der schon nörgelig wird, wenn Europa unter ihm zu sehen ist. Dann schimpft er auf das Kleinkarierte der Topographie und auf die rechteckigen Felder und sauber abgesteckten Neubauviertel, die aus der Luft zu sehen sind. Dieser Mann hat eine Familie, ein schönes Haus und eigentlich freut er sich und eigentlich weiß er sehr wohl, dass die Verachtung für das Eigene nicht fair ist und anmaßend dazu. Denn auch das gehört zum Verhalten der modernen Nomaden: aus der Ferne haben sie die Flecken auf dem heimischen Revers gesehen und sind darüber erschüttert. Zudem haben sie Grenzen gesprengt, zumindest die eigenen, und verachten nun die, die ohne Rebellion und dazu noch freiwillig in ihren Grenzen bleiben. In der Fremde hat man vielleicht den Kopf geschüttelt über die Rechtlosigkeit von Staaten, über Korruption und Kriminalität, Ordnungslosigkeit und Lethargie. Doch zurück, ekelt einen all das Geordnete plötzlich an, sieht man dahinter die Lügen und die Schäbigkeit. Und die Langweile. Nur so ist zu erklären, warum man das Verkehrschaos von Nairobi oder die Unfreundlichkeit der Moskowiten, die dunklen Ecken von Johannesburg oder den Müllgestank von Dhaka zurückhaben will, sobald man in die klimatisierte europäische Flughafenhalle eintritt und von Werbetafeln für Kreditkarten und Cabriolets erschlagen wird. Nur deshalb mag man den Passbeamten und seine freundliche Routine nicht, nur deshalb steht man zwischen fröhlichen Heimkehrern am Kofferlaufband und wünscht sich gleich wieder weit weg.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Immer fürchte ich mich davor, das Erlebte in Artikel fassen zu müssen. Menschen, die viel gelitten haben, ziehen sich zurück auf das Notwendigste, je ungeheuerlicher das Ertragene, desto kühler die Worte dafür. Ich wurde vergewaltigt. Ich habe getötet. Ich habe ein Kind, das ich&amp;nbsp; nicht lieben kann. Sie sagen: meine Eltern wurden getötet. Ich frage: Warst du dabei? Sie nicken. Nicht mehr. Die Ohnmacht, die Angst, der Schmerz kommen in ihren Sätzen nicht vor, ich sehe sie nur in ihrer Atemlosigkeit, an ihrem grauen Blick. Ihre Trauer umarmt mich, das schwarze Entsetzen, das sie in sich tragen, fließt auch in mich hinein. Es ist wie eine Forderung: sie erzählen mir das Nötigste und hoffen, dass ich es bin, die es zum Tönen bringt. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-JrfsWZ5YIwE/Tnozn-qJJoI/AAAAAAAABO8/rcGneRJ6U6g/s1600/Schweden+2007+092.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="300" src="http://2.bp.blogspot.com/-JrfsWZ5YIwE/Tnozn-qJJoI/AAAAAAAABO8/rcGneRJ6U6g/s400/Schweden+2007+092.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Zuhause sitze ich dann vor den Tasten, ich höre die Melodie ihrer Stimmen und ihres Schmerzes, ich höre auch ihre Blicke, ihre Stummheit, doch ich finde keine Metapher, die groß und weit genug ist, die eingesperrte Melodie zu befreien. Manchmal möchte ich dann lieber schweigen und alles in mir verbergen, wo es sicher ist und nicht den kalten Worten ausgeliefert, die es entfremden und verzerren. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: 'Times New Roman', Times, serif;"&gt;Aber doch: &amp;nbsp;heimkommen ist schön, Die Fremdheit vergeht mit jeder Stunde, die das Fremde in den Schatten zurückfällt. Bald hat der Alltag einen wieder so glatt geschliffen, dass man in die Form passt und irgendwie findet man auf den gewohnten Weg zurück. Vielleicht stolpert man darauf mehr als andere. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-3253739931066258462?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/3253739931066258462/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/ferngehen-heimkommen.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3253739931066258462'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3253739931066258462'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/ferngehen-heimkommen.html' title='Ferngehen, heimkommen'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-YPbz-tRYBKI/TnozbHeNcjI/AAAAAAAABO4/UTs_McrOB5s/s72-c/Schweden+2007+274.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-2003094249309063816</id><published>2011-09-18T19:26:00.000+02:00</published><updated>2011-09-18T19:26:20.416+02:00</updated><title type='text'>Ausgeliefert</title><content type='html'>As I am now and here, I was not so. Sadness was around me all the time.&lt;br /&gt;Benedict, 17 Jahre, ehemaliger Kindersoldat, jetzt im Rebound-Projekt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-YbjNY8KKIg0/TnYkTy9iCFI/AAAAAAAABOk/0iGzOxs63Hw/s1600/Beni+2011+429.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-YbjNY8KKIg0/TnYkTy9iCFI/AAAAAAAABOk/0iGzOxs63Hw/s640/Beni+2011+429.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Warum, so kann man fragen, führt man überhaupt Interviews mit Kindern und Jugendlichen, die traumatisiert sind und unter den Erinnerungen leiden? Rechtfertigt der Informationsbedarf es, diesen Kindern so nahe zu treten und Bilder wieder zu beschwören, die sie vielleicht verdrängen wollen? Und interessiert es überhaupt jemanden? Es ist schwierig geworden, Artikel über afrikanisches Elend in die Zeitungen zu bringen. Nicht schon wieder Krieg, Katastrophe, Kindersoldaten, vergewaltigte Frauen, diesen Stoßseufzer höre ich oft. Selbst Freunde winken ab, wenn ich zu viele Einzelheiten aus dem afrikanischen Handbuch der Grausamkeiten erzähle, ja, immer wieder gibt es die gut gemeinten Ratschläge, doch einfach mal was leichtes zu schreiben. Fast bin ich froh, wenn ich wieder an einem Ort wie Beni bin, wo die Leichtigkeit, die unsere Kultur so erstrebt, ein unbekannter Zustand ist und das europäische Lebensgefühl obszön aussehen lässt. &amp;nbsp;Aus der afrikanischen Perspektive gesehen, rücken die Dinge für mich an ihren Platz, wird schal wieder schal, egomanisch wieder egomanisch. Die Wirklichkeit, so bitter sie dort manchmal ist, fühlt sich wenigstens nach Wirklichkeit an, während ich die unsrige oft als künstliche Sphäre empfinde.&lt;br /&gt;Für Wolfgang Niedecken geht es bei diesen Interviews um eine Art „Bedarfsermittlung.“ Rebound ist ein Projekt für Kinder, die vom Krieg entwurzelt wurden. Das gilt für Jungen und Mädchen, die als Kindersoldaten benutzt wurden. Im weiteren Sinne, denn nicht jeder der Jungen hat gekämpft, manche waren Träger für die Waren, mussten Essen beschaffen und Häuser ausrauben. Die Mädchen waren fast ausschließlich „Ehefrauen“, das heißt, sie waren einem Soldaten in den oberen Rängen zugeordnet, dem sie sexuell zu Diensten sein mussten. Manche Kinder blieben einige Monate bei den Rebellen, bis ihnen die Flucht gelang. Manche blieben Jahre.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-m1cHRZprW84/TnYl_j8H0_I/AAAAAAAABOo/tzLCWsHLk-4/s1600/Beni+2011+173.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="320" src="http://2.bp.blogspot.com/-m1cHRZprW84/TnYl_j8H0_I/AAAAAAAABOo/tzLCWsHLk-4/s320/Beni+2011+173.JPG" width="212" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Solch eine Situation gibt es in anderen Ländern auch, das waren die Umstände, die wir in den vergangenen Jahren in Uganda vorfanden. &amp;nbsp;Im Kongo hat das Problem noch eine weitere Spielart: &amp;nbsp;Die Abwesenheit staatlicher Verantwortung in Kombination mit einer zerstörten wirtschaftlichen, sozialen und institutionellen Infrastruktur, &amp;nbsp;dazu massive Armut, haben eine Art Darwinismus hervorgerufen, in dem sich jeder der nächste sein muss und Skrupellosigkeit eine dienliche Eigenschaft ist. Wie immer gilt das nicht für jeden, aber doch für weite Teile der Gesellschaft. Also haben viele Kinder keine Geborgenheit und keinen Schutz, müssen sich in frühen Jahren ihren Lebensunterhalt selber verdienen. Die Optionen sind nicht groß, es bleibt nur die Wahl zwischen kindlichem Söldnertum und Prostitution. Rebound im Kongo bezieht auch diese Kinder als hilfsbedürftig mit ein.&lt;br /&gt;Für mich sind diese Interviews natürlich wichtiges journalistisches Material. Die Kindersoldaten nach der Anzahl der Rebellen- und nach deren Alter zu fragen, vermittelt einen Überblick über die Struktur der Rebellen. Die minderjährigen Prostituierten nach ihren Erfahrungen und Gründen zu fragen, wiederum lässt einen Blick auf den Zustand der Gesellschaft zu.&lt;br /&gt;Hier sind einige der Geschichten in ihrer knappesten Form:&lt;br /&gt;Benedict, heute 17 Jahre, wuchs auf in einem Dorf um Lubero, eine der Gegenden, in denen es die meisten Rebellenbewegungen gibt. Als er 13 Jahre alt war und mit seinem Vater auf dem Feld arbeitete, kamen Mai-Mai-Rebellen und nahmen ihn und seinen Vater gefangen. Benedict kannte etliche der Rebellen, es waren junge Männer, die mit ihm in dem Dorf aufgewachsen waren. Mit den Rebellen kehrten sie ins Dorf zurück, wo sie helfen mussten, die Häuser zu plündern. Benedict nahmen die Rebellen als Träger mit in den Wald. Nach einigen Monaten gelang ihm die Flucht, doch er machte den Fehler, in sein Dorf zurückzukehren, wo die Rebellen ihn aufspürten. Er wurde erneut verschleppt und tagelang verprügelt. Nach eineinhalb weiteren Jahren gelang die Flucht. Der Junge schlug sich zu einem Posten der Monusco, der internationalen Blauhelmtruppen im Ostkongo, durch. Die Monusco brachte ihn in ein Auffanglager für entflohene Kindersoldaten, und als vor einigen Wochen das Rebound-Zentrum eröffnete, kam er dorthin. Jetzt macht er eine Ausbildung zum Tischler. Er sagt, die Perspektive auf eine Zukunft habe einige Wunden geheilt, ihm die Melancholie genommen: „So, wie ich jetzt und hier bin, war ich nicht. Traurigkeit war immer um mich.“&lt;br /&gt;Für Benedict wurde eine Gastfamilie gefunden, die ihn nicht nur bereitwillig aufnahm, sondern sagt, er sei eine Bereicherung. Benedict hat fünf „Gastgeschwister“, drei Jungen, die bereits aus dem Haus sind, und zwei Mädchen, die noch zur Schule gehen. Als wir ihn fragten, wie er seine Gastmutter Veronique nennt, sagte er: „Na, Mama natürlich“. Nach Lubero wird Benedict nicht zurückkehren können, solange das Gebiet nicht befriedet ist. Was aus seinen Eltern wurde, weiß er nicht.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-t9oMlGJFSfw/TnYou4oNPoI/AAAAAAAABOs/WbTATGjXHAA/s1600/Beni+2011+268.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://4.bp.blogspot.com/-t9oMlGJFSfw/TnYou4oNPoI/AAAAAAAABOs/WbTATGjXHAA/s640/Beni+2011+268.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Von Celine erzählte ich schon. Ein zartes 16jähriges Mädchen, das in einer Lehmhütte lebt und dort selbstgebräutes Bier verkauft. Sie sah uns bei dem Gespräch mit riesigen verschreckten Augen an, so dass wir gleich sagten, wir brechen das Interview ab. Celine aber beharrte darauf, sie wolle reden. Sie erzählte uns – und diese Erzählung dauert lange, weil das Mädchen zwischendrin immer wieder lange schwieg, von Scham überwältigt - sie sei mit 12 Jahren von zuhause fortgelaufen. Die Gründe, wir fragten danach, Celine flüsterte von Schlägen und Gewalt. Sie traf auf eine Frau, die ihr ein Quartier bot, es war ein Bordell, und keiner der Kunden hatte etwas dagegen, sich einer 12jährigen zu bedienen. Was sie empfindet, gegenüber diesen Männern? „ Angst.“ Warum sie das erste Bordell verließ, auch das erfuhren wir nicht, nur, dass Celine vor einigen Wochen in dieses Bordell gekommen war, in dem wir sie trafen. Sie antwortete uns nicht mehr, bis es plötzlich aus ihr herausbrach: Sie sei im dritten Monat schwanger. Wir waren entsetzt: Das schutzlose Mädchen sollte auch noch ein Kind haben. Wovon sie leben wolle, fragen wir, wenn die Schwangerschaft fortschreite, wie sie sich das mit dem Baby vorstelle, wie sie das Kind schützen und großziehen wolle? Sie wusste es nicht. Der Vater sei nicht mehr da, sagte sie noch. Wir fragten, ob sie sich einen Ausstieg aus der Prostitution vorstellen könne, bei einer Gastfamilie leben würde? Sie konnte uns wiederum nicht antworten, es war, als habe dieses Mädchen keinen Zugang zu sich selbst, zu ihren Gedanken und Gefühlen. Als trenne sie eine unsichtbare Hülle vom Rest der Welt.&lt;br /&gt;Manche Begegnungen sind nicht zu Ende, wenn man wieder fährt. Sie begleiten einen die Tage danach, sie jagen durch die Träume, sie kommen als Geister und fragen: Was hast du für diesen Menschen getan, als er vor dir saß und kein Leben mehr hatte?&lt;br /&gt;Eine schwierige Frage. Kein Journalist kann die Welt retten. Hier und da lässt sich helfen, aber nicht überall, immer ist das Leid größer als die Möglichkeiten. Auch für Celine haben wir etwas getan, dennoch blieb sie die kommenden Tage als Schrecken in uns, weil das Maß ihres Ausgeliefertseins uns zu groß schien, sie zurückzulassen.&lt;br /&gt;Es war gut, danach Jakob zu treffen, der so groß und muskulös auftrat, wie nur ein 17jöhriger sein kann. Mit offenem Gedicht und breitem Grinsen, und wir mussten alle schmunzeln, als der breitschultrige Kerl zu sprechen begann und ein allerliebstes Lispeln zeigte. Er hatte keine Probleme, uns flüssig und laut genug seine Geschichte zu erzählen. Wir dachten, auch er sei ein Entführungsopfer, doch er schüttelte den Kopf, nein, er sei freiwillig zu den Rebellen gegangen.&lt;br /&gt;Da war er 12 Jahre alt. Ein Jahr zuvor war sein Vater umgebracht worden und seine Mutter heiratete erneut. Der Stiefvater wollte ihn nicht und schlug den Jungen viel. Mit zwei anderen von seiner Schule, denen es zuhause nicht besser ging, beschloss er, sich den Rebellen anzuschließen. „Ich wusste schon damals, es ist dumm, das zu tun, aber ich sah für mich keine andere Möglichkeit.“ Mit den heroischen Vorstellungen, die die Jungen vorher hegten, hatte der Alltag bei den Rebellen nichts zu tun. Weil Jakob stark ist, wurde er zum Kämpfen eingesetzt, nach sieben Monaten konnte er fliehen. Drei Jahre lang schlug er sich selber durch, wohnte mal hier, mal dort, ging aber regelmäßig zur Kirche. Dort traf er auf das junge Ehepaar Deborah und Malesh, deren Tochter Miriam zwei Jahre alt ist. Sie boten ihm an, bei ihnen zu wohnen. „Ich freue mich, auch einen Sohn im Haus zu haben“, sagt Deborah über ihn. Zu seiner Mutter hat Jakob keinen Kontakt. &lt;br /&gt;Anita trafen wir bei ihrer Gastfamilie, und wie Celine war auch sie zunächst kaum in der Lage zu reden, saß schüchtern und mit einem Gesicht voller Schmerz und Trauer, auf ihrem Stuhl. Die Fakten waren schnell geklärt, vielleicht auch deshalb, weil es zu ihnen keine weiteren Worte gibt. Anita war 13 Jahre, als sie mit ansah, wie Rebellen ihre Eltern töteten. Dann mussten sie und ihre zwei Jahre jüngere Schwester &amp;nbsp;den Rebellen folgen, wurden jeweils einem Mann zugeteilt und das ging dann zwei Jahre so, bis die Monuc sie befreiten. Was es bedeute, einem Mann zugeteilt zu sein, fragten wir, in der Hoffnung, es gebe an dieser Beziehung etwas menschliches, würdiges. Anita berichtet, sie sei nur nachts zu diesem Mann geholt worden, tagsüber war sie eingesperrt, angebunden oder sie musste plündern gehen und Essen besorgen. Wie der Mann, der nachts über sie herfiel, hieß, weiß sie nicht, sie durfte ihn nicht anreden. &amp;nbsp;Ob es je ein freundliches Wort für sie gab: sie schüttelt den Kopf. Ob sie geschlagen worden sei? Sie sagt ja, mehrmals in der Woche. Immer gab es einen Fehler, den jemand macht. Ob sie bedroht wurde? Ja, mit der Machete, und mehrmals hätte sie gesehen, wie Kinder, die nicht mehr konnten oder versuchten, zu fliehen, mit Macheten getötet wurden. Ob sie täglich essen gehabt hätten? Sie schüttelt den Kopf. Erst wenn die Rebellen satt waren, durften die Kinder den Rest essen, wenn es den Rebellen aber gefiel, warfen sie das Essen den Tieren vor und die Kinder mussten hungern.&lt;br /&gt;Anita kam nach ihrer Befreiung zu einer Tante, die sie weiter schlug und beschimpfte, weil sie bei den Rebellen war. Die Frau, bei der sie jetzt wohnt, erlebte diese Gewalt gegen das Mädchen und beschloss, sie aufzunehmen. Ein Akt der reinen Barmherzigkeit. Ob das reicht, ein zerstörtes, verängstigtes Mädchen wir Anita wieder ins Leben zu holen oder ob es viel mehr Liebe und Geborgenheit braucht, das wird die Zeit zeigen. Was sie besitze, fragte ich Anita, ich wollte sie gerne mit etwas fotografieren, das ihre Identität untermauert, ihr Wurzeln und Herkunft gibt. Ein Foto? Ein Spielzeug? Einen Eimer, sagte sie, den habe sie von einer Hilfsorganisation bekommen, um ihre Wäsche zu waschen. Aber darüber hinaus gäbe es nichts, was ihres sei.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-2003094249309063816?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/2003094249309063816/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/ausgeliefert.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2003094249309063816'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2003094249309063816'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/ausgeliefert.html' title='Ausgeliefert'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-YbjNY8KKIg0/TnYkTy9iCFI/AAAAAAAABOk/0iGzOxs63Hw/s72-c/Beni+2011+429.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-5863748148383610237</id><published>2011-09-16T16:35:00.001+02:00</published><updated>2012-01-04T21:17:39.399+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Niedecken Beni Kindersoldaten Kongo Krieg Rebellen'/><title type='text'>Für `ne Moment</title><content type='html'>&lt;span class="Apple-style-span" style="background-color: white; font-family: 'Lucida Grande', Arial, Helvetica, Verdana, sans-serif; font-size: 13px; line-height: 15px;"&gt;Für 'ne Moment woor ich ahm dräume.&lt;br /&gt;Für 'ne Moment woor ich wie hypnotisiert.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="background-color: white; font-family: 'Lucida Grande', Arial, Helvetica, Verdana, sans-serif; font-size: 13px; line-height: 15px;"&gt;BAP&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-WsybnSQzHe4/TnNcAZ5aEnI/AAAAAAAABOc/gazXmzwbKzU/s1600/Konzert+mit+Niedecken.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-WsybnSQzHe4/TnNcAZ5aEnI/AAAAAAAABOc/gazXmzwbKzU/s640/Konzert+mit+Niedecken.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Für einen Augenblick war die Welt heute ein einiger Ort, wuchsen Wirklichkeiten zusammen und was uns trennt, verschwand. Die Gegenwart wurde nicht von der Vergangenheit erdrückt. Sie war, und nicht mehr. &amp;nbsp;Auf dem Hof vor dem Rebound-Gebäude tanzten, klatschten und lachten Mädchen und Jungen zu den Takten von Bob Marleys "Redemption Song". Und einen kostbaren und langen Augenblick waren sie nichts anderes als fröhliche Jungen und Mädchen, wie es sie überall auf der Welt gibt. Sorglos und schwerelos.Ja, für einen Moment waren wir am Träumen. Von einer Welt, in der alles gut ist.&lt;br /&gt;Was soll man berichten über einen Reise, die an den Kanten aller menschlichen Abgründe entlang führte, die möglich sind. Eine Reise, auf der wir täglich Wut und Abscheu empfanden. Und Trauer, denn wie sollte man nicht Trauer empfinden, wenn man lernt, dass der Mensch dem Menschen nicht nur Wolf ist, wie Thomas Hobbes es treffend formulierte, sondern schlimmeres noch.&lt;br /&gt;In den Jahren davor, als wir in Uganda waren, schien uns vieles, was wir hörten, schon unerträglich, nicht nur für jene, die es erlebten, sondern ein klein wenig auch für uns, die wir es hörten. Gestern saßen wir zusammen und stellten fest, Uganda war die Aufwärmphase gewesen, für das, was uns in Beni erwartete: Eine brüchige Gesellschaft, die fast alles verlor, was eine Gesellschaft zusammen hält. Eine Nicht-existente soziale Infrastruktur. &amp;nbsp;Kinder in Bordellen. Kinder, die Jahre der Gewalt erlebten und nun schwankend und um Balance rudernd, versuchen, in etwas zurückzukehren, was man als normales Leben bezeichnen könnte. Doch in Beni ist manchmal das abscheulichste, das trostloseste, das einsamste normal.&lt;br /&gt;Wir landeten in Ruandas Kigali, fuhren mit dem Bus durch Ruanda bis an die Grenze des östlichen Kongo. Ruanda ist sauber und grün, die Hütten und Häuser repariert, die meisten Dächer frisch mit funkelndem Wellblech gedeckt, und darüber mag man streiten und auch über die omnipräsenten Polizisten, über Kagames Regierung und die nahe-an-Diktatur-Methoden, &amp;nbsp;aber für mich fühlt sich Ruanda sicher an.Über Goma kann man das nicht sagen, und wie es das aussieht, erzählte ich schon, und dass es besser sei als vor einem Jahr, kann ich nicht berichten. Mit einer Maschine der UN (Vereinte Nationen) flogen wir am anderen Tag nach Beni. Wir bekamen am Abend noch eine intensive Sicherheitsanweisung, die uns nicht beruhigte. Typhus geht in Beni um. Rebellen entführen Hilfsorganisations-Mitarbeiter, sieben Menschen just zwei Tage vor unserem Kommen, wenn auch etliche Kilometer von Beni entfernt. &amp;nbsp;Schon da wird uns klar, dass Beni eine Numemr härter wird als alles, was in Uganda war.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-obsj1WoejXo/TnNd-2dWcZI/AAAAAAAABOg/gRHnvan4_2w/s1600/ehemalige+Kindersprostituierte%252C+die+jetzt+eine+Ausbildung+bei+Rebound+macht.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://3.bp.blogspot.com/-obsj1WoejXo/TnNd-2dWcZI/AAAAAAAABOg/gRHnvan4_2w/s640/ehemalige+Kindersprostituierte%252C+die+jetzt+eine+Ausbildung+bei+Rebound+macht.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;Schön ist der Ostkongo von oben. wir flogen über Vulkankegel und erstarrte Lavaflüsse, über endlose Wälder und das Rwenzori-Gebirge, an mäandernden braunen Flüssen entlang, hinweg über Sümpfe und kleine Seen. Wir sahen wenig Dörfer, manchmal vereinzelte Hütten, und sagten, wie gruselig wir es fänden, wohnten wir dort so allein mit nichts als Wald drumherum. Bis Beni brauchten wir eine Stunde. Wir hatten mit Goma 2 gerechnet, doch Beni war sauber und eingebettet in eine grandiose subtropische Landschaft.&lt;br /&gt;Ein schöner Ort könnte es sein, wäre dies eine gute Zeit.&lt;br /&gt;Offiziell ist der Krieg in den Kivu-Provinzen beendet. Doch Frieden ist mehr als die Abwesenheit von Krieg. Frieden braucht Gewaltlosigkeit, funktionierende Strukturen, in denen Kinder behütet sind, Menschen Bildung und medizinische Versorgung erhalten, ein selbstbestimmtes Leben führen können. Nichts davon fanden wir in Beni vor. Gäbe es eine Skala, auf der die 10 ein Leben ist, wie wir es führen und die O eines, in dem es an allem mangelt, was Menschenwürde und Menschenrecht beinhaltet, dann wäre Beni in der Minuszone.&lt;br /&gt;Wie erzählt man Geschichten von Menschen, die soviel Abscheulichkeiten erlebten, dass es dafür kaum Wort gibt. Wir begannen mit dem Rebound Center. Rebound 2, heißt das Projekt hier, vor ein paar Wochen begann es, und jetzt schon sind in dem Zentrum 80 Kinder. 50 Mädchen und 30 Jungen zwischen 11 und 19 Jahren. Die Jungen - und etliche der Mädchen - waren Kindersoldaten. In einem anderen Post erzählte ich bereits von den Strukturen, die dazu führen, dass Kinder Soldaten sind. Auch der Kongo ist ein Land, in dem Rebellengruppen und die staatliche Armee aus militärischen Überlegungen Kinder rekrutieren: als Träger, als Sexobjekte, dafür, Dörfer zu überfallen und Essen zu besorgen. Sind die Kinder groß und stark genug, dann auch als bewaffnete Kämpfer.&lt;br /&gt;In Uganda trafen wir nur auf Kinder, die verschleppt wurden, doch im Zentrum sprachen wir mit Kindern, die freiwillig zu den Rebellen gingen, manche schon mit 12 Jahren. Die Gründe sind verschieden, doch Gewalt und Ausgeliefertsein, Hunger und Einsamkeit sind dieser Entscheidung, zu den Rebellen zu gehen, immer vorausgegangen. Entweder starben die Eltern - die meisten wurden von den Rebellen umgebracht - und die Verwandten wollten die Kinder nicht aufnehmen. Früher galt für Afrika, es braucht ein Dorf, ein Kind großzuziehen, und wenn alles zerbrach, dann griffen meist noch die familiären Strukturen. Im südlichen Afrika gibt es Tausende von Großmüttern, die ihre Enkel großziehen, weil die Eltern an Aids starben, und tausende von Familien, die Kinder von Verwandten aufnahmen. Wann diese Selbstverständlichkeit verschwand: schwer zu sagen. Vielleicht, als die Zahl der Waisen zu groß wurde, vielleicht, als sich gesellschaftliche Wertvorstellungen veränderten oder wirtschaftlicher Druck zu groß wurde.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-utTAFALPAkA/TnNZVRFHlUI/AAAAAAAABOY/5rmyqLpkNzU/s1600/Schwangere+Kinderprostituierte+in+Ouicha.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="640" src="http://2.bp.blogspot.com/-utTAFALPAkA/TnNZVRFHlUI/AAAAAAAABOY/5rmyqLpkNzU/s640/Schwangere+Kinderprostituierte+in+Ouicha.JPG" width="422" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Im Ostkongo, mit all seinen Kriegen und der daraus folgenden Not, sind diese Strukturen, lange verschwunden. Weil Empathie hinderlich ist, wenn man überleben will. Weil die Not zu groß und zu wenig da ist, was sich noch teilen lässt. Und weil Frauen, die ihre Männer verlieren, kaum eine andere Wahl haben, als sich einen neuen Mann zu suchen, und dieser selten bereits ist, die Kinder aus erster Ehe zu dulden. Die kongolesische Variante der Hänsel- und- Gretel-Geschichte ist kein Märchen, sondern Wirklichkeit und es führt diese Kinder nicht zur Hexe, sondern zu den Rebellen.&lt;br /&gt;It took at time - wir brauchten eine Weile, um zu verstehen, was die Mädchen und Jungen hinter sich hatten, die im Rebound Center an der Nähmaschine, über einer Stickerei, am Hobel oder im Klassenraum saßen und uns wohlerzogen und schüchtern begrüßten. Rund ein Dutzend der Mädchen hatte eigene Kinder auf dem Schoss oder war hochschwanger, und nur das erzählte uns auf den ersten Blick, dass hier nicht einfach ein paar Jugendliche eine Ausbildung machen. Und die Augen. ich mag diesen Satz nicht, aber ich muss ihn schreiben, weil ich keinen anderen finde: Verschreckte Augen, dunkel und tief, jenseits aller Kindlichkeit, hielten sie Erfahrungen, die auch keine der Erzählungen, die wir in den folgenden Tagen hörten, uns vermitteln konnten. Eva fasste es zusammen, als wir uns für einen Augenblick des Durchatmens in eine Ecke zurückzogen: Wenn man das hört, hasst man Männer.&lt;br /&gt;Vielleicht gelingt es mir in den kommenden Tagen wieder zu geben, was wir hörten. Wenig war es eigentlich, denn Scham stand bei jedem Gespräch im Raum: Die der Mädchen über das, was ihnen widerfuhr. Doch sei hier auch von der Pein der Journalistin erzählt, einem halben Kind gegenüber zu sitzen und Fragen zu stellen, die nicht nur an das Intimste rühren, sondern auch den Schrecken wieder lebendig werden lassen. &amp;nbsp;Keine Vorsicht und keine Sensibilität kann die Zumutung einer solchen Situation mildern, kann mildern, dass man gerne einfach aufstehen und fortgehen würde. Natürlich erzählten alle Mädchen freiwillig, waren vorher gefragt worden, ob sie dazu bereit wären, sich das zutrauen, uns vertrauen. Und doch war auch klar, dass die Bejahung dieser Fragen damit zusammen hing, dass sie uns als jene sahen, die ihnen Geld und Hilfe brachten. Aus Dankbarkeit sagten sie ja. Und weil wir weiß sind, und die Weißen das Sagen haben.&lt;br /&gt;Manches kam nur flüsternd. Fixiert von den erschreckten Augen, erstarrten auch wir. Einmal brachen wir ein Gespräch ab, entsetzt über das Entsetzen in dem Gesicht des Mädchens uns gegenüber. Kein Informationsbedürfnis hätte ein weiteres Wort rechtfertigt. Ein zartes Mädchen, ein Gesicht wie ein Renaissance-Gemälde, jedes Wort entrang sich ihr mühsam. eine Erzählung von Männern, an die sie jeden Abend Bier verkauft und dann, wenn sie betrunken sind, auch ihren Körper, und die dann wieder gehen, ohne ihr die vereinbarte Bezahlung zu geben. Männer, vor denen sie Angst hat, weil sie keine Rücksicht kennen, kein Mitleid. Dann kam der Satz, sie sei im dritten Monat schwanger, von einem, der verschwunden ist. Der Abgrund, er war so tief, dass der Blick hinein reichte, um auch uns hineinzuziehen.&lt;br /&gt;Wir organisierten Hilfe, eine Gastfamilie, die das Mädchen aufnehmen wird, sie aus der Prostitution holt. Mehr konnten wir nicht tun. Geborgenheit, Schutz, Trost, Mitleid, wir können nur hoffen, dass es jemanden gibt, der diesem Kind das geben wird. Klein, beschämt fühlten wir uns, als wir wieder davon fuhren.&lt;br /&gt;Es gab auch Licht auf dieser Reise. Wir besuchten Familien, die die Rebound-Kinder aufgenommen haben. &amp;nbsp;Ganz ohne eigenen Profit: aus Barmherzigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Manche hatten selber nicht viel und gaben doch bereitwillig. Ich versuchte mir vorzustellen, welche deutsche Familie ein Kind nehmen würde, das als Kindersoldat gemordet und geplündert hat. Oder jahrelang von Bordell zu Bordell ziehen musste. Ich kenne in meinem Bekanntenkreis keine und ich bezweifle, dass ich mich so einer Aufgabe gewachsen fühlen würde.&lt;br /&gt;Der Abend im Rebound-Center, als Wolfgang Niedecken ein paar Lieder sang und ein einheimischer Kinderchor auftrat, war unser hellster Moment. Er befreite uns von dem nagenden Gefühl, die Situation sei aussichtslos, der ganze Ostkongo ein einziges Konglomerat aus Gewalt und Verzweiflung. Und wenn es nur achtzig Kinder bleiben, die Rebound aus ihrem armen Leben holt, sind das schon achtzig Wunder. Mag sein, dass nicht alle Kinder es schaffen, zurück ins Leben zu finden, manche werden trotz Ausbildung nicht die Kraft haben, die Geister der Vergangenheit zu verjagen. Wir sangen, wir tanzten, wir lachten zusammen mit den Kindern und keines von ihnen war in diesen Momenten noch ein ehemaliger Kindersoldat oder eine ehemalige Prostituierte.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-5863748148383610237?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/5863748148383610237/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/fur-ne-moment.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5863748148383610237'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5863748148383610237'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/fur-ne-moment.html' title='Für `ne Moment'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-WsybnSQzHe4/TnNcAZ5aEnI/AAAAAAAABOc/gazXmzwbKzU/s72-c/Konzert+mit+Niedecken.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-4878268969679639075</id><published>2011-09-08T20:36:00.001+02:00</published><updated>2012-01-04T21:24:34.468+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Uganda Kongo Kindersoldaten Vereinte Nationen Rebellenarmee Zwangsrekrutierung Kinderrechtskonvention'/><title type='text'>Kindersoldaten</title><content type='html'>&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Wenn ich von Reisen zurückkehre und Freunden von dem Phänomen der Kindersoldaten erzähle, dann ist die erste Reaktion Mitleid. Ich zeige Bilder, darauf stehen unterernährte, zerlumpte, schmutzige Jungen. „Die Armen“, sagen die Freunde. Dann sage ich, diese Jungen haben gemordet. Sie waren bis zum Scheitel mit Drogen voll gestopft, sie waren bewaffnet mit Maschinengewehren, Messern, Macheten, Knüppeln und sie sind von Dorf zu Dorf gezogen und haben ein Blutbad anrichteten. Dann schweigen die Freunde, weil sie nicht wissen, was man zu so etwas sagt.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;In Norduganda trafen wir einmal auf ein Mädchen, das erzählte, wie sie in jedem Dorf, durch das sie mit einer Rebellenarmee zog, ein Baby mit dem Mörser zerstampfen musste. In selben Bottich, in dem man im Dorf den Mais und die Hirse zerstampft. Sie zählte 30 Babys, dann hörte sie auf zu zählen. Was sie tat, bescherte ihr auch nach ihrer Befreiung keine bösen Träume. Sie hatte getan, was man ihr sagte, sie hatte einen Befehl befolgt, dessen Nichtbefolgung ihr eigener Tod gewesen wäre. Sie nahm es so hin. Erst als sie ein eigenes Kind gebar, als sie dessen Zerbrechlichkeit begriff und auch, wie sehr das Leben von Mutter und Kind verwoben sind, das ein Baby auf bestialische Weise umzubringen auch bedeutet, seine Mutter zu zerstören, erst da wachte sie nachts auf, weil sie schrie und zitterte tagsüber immer an den Händen. &amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Einmal erzählte uns ein Junge, wie sein Dorf überfallen wurde und man die Kinder aus der Schule trieb, ihnen sagte, sie müssten nun mit in den Busch gehen. Vorher zwangen sie die Jungen, mit den Zähnen Stücke aus dem Fleisch des Lehrers zu reißen, solange, bis dieser tot war. Das ist eine gängige Taktik. Man lässt die Kinder jemanden töten, der ihnen nahe steht. So geht man sicher, dass sie sich schämen und nicht fortlaufen. Manchmal töten sie die eigenen Eltern.&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="background: white; line-height: 150%; mso-margin-bottom-alt: auto; mso-margin-top-alt: auto;"&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Kindersoldaten sind Opfer. Und Täter zugleich. Eine Art Januskopf. Sie töten, um nicht getötet zu werden. Sie sind bar des Mitleids, um ihr eigenes Leid nicht zu spüren. Sie haben unschuldige Gesichter und brutale Augen, sie können die Waffe kaum halten, aber abknallen können sie einen damit. Man möchte ihnen nicht begegnen. Und wenn man es tut, dann möchte man sie mitnehmen und waschen und ein bisschen trösten und ihnen gut zureden, doch das ist ein bescheuerter Gedanke, weil sie einen auch dafür erschießen würden, dass man sie nicht ernst nimmt. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="background: white; line-height: 150%; mso-margin-bottom-alt: auto; mso-margin-top-alt: auto;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;Es gibt auf dieser Welt viele Möglichkeiten, um seine Kindheit gebracht zu werden. Kindersoldat oder Kindersoldatin zu sein, ist vielleicht die verheerendste. Erstens wird der Lebens&lt;/span&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;alltag dieser Kinder ohnehin durch Krieg, Gewalt und Zerstörung geprägt. Und dann werden sie auch noch mitten hinein gerissen in die Kämpfe. Manche werden von den bewaffneten Gruppen als Soldaten zwangsrekrutiert und entführt. Andere werden mit falschen Versprechungen und einem geringen Sold gelockt. In Afghanistan zum Beispiel warben die Taliban vor einigen Jahren, als das Land wirtschaftlich vollkommen am Ende war, junge Männer mit dem Versprechen auf eine warme Mahlzeit täglich. Eltern gaben ihre Söhne nur zu gerne, weil sie dann wenigstens ein Kind mit Nahrung versorgt wussten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="background: white; line-height: 150%; mso-margin-bottom-alt: auto; mso-margin-top-alt: auto;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;Es gibt nur wenige Kindersoldaten, die aus religiöser oder politischer Überzeugung mitkämpfen. Die große Masse hat andere Motive: Angst vor Übergriffen des Gegners, Angst vor Strafen und Misshandlungen durch eine Kriegspartei. Oder die Hoff&lt;/span&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;nung auf Schutz, Sicherheit und Versorgung. Für die meisten Kriege gilt: Je länger er dauert, desto mehr Kinder werden rekrutiert. Je mehr Kinder rekrutiert werden, umso jünger werden die Opfer dieser Praxis. Nicht selten kommt es zum »Wettlauf« der Kriegsparteien bei der (Zwangs-) Rekrutierung von Kindern. Niemand weiß genau, wie viele Kinder heute unter Waffen stehen oder als Träger, als Koch, Handlanger, Prostituierte in Armeen dienen. Man schätzt, es sind 250 000, eventuell 300 000. Niemand vertritt ihre Rechte. Keine Organisation schaltet Videos oder macht mit spektakulären Auftritten auf&amp;nbsp; ihr Schicksal aufmerksam. In unserer Welt gibt es Menschen, die leiden, wenn Tiere leiden, die spucken Gift und Galle gegen Fleischesser und Pelzträger, die unterzeichnen jede Tierschutzpetition, die heulen, wenn im Fernsehen ein Robbenbaby getötet wird. Gegen Kindersoldatenrekrutierer giftet keiner. Kinder sind schnell zu haben, schnell zu töten und durch neue Kinder zu ersetzen. Kein Sender zeigt Dokumentationen, wie diese Kinder gequält werden, kein Zuschauer weint Tränen, wenn sie abgeschlachtet und gefoltert werden. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="background: white; line-height: 150%; mso-margin-bottom-alt: auto; mso-margin-top-alt: auto;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Seit dem 12. Februar 2002 ist gemäß der UN-Kinderrechtskonvention der Missbrauch von Kindern als Soldaten verboten. Die UN-Kinderrechtsresolution ist von den Mitgliedern fast aller Staaten der Welt erstellt worden. Sie alle haben ihre Unterschrift darunter gesetzt, sie alle haben zugestimmt, dass der Einsatz von Kindern in Kriegen einen Missbrauch darstellt. Und doch ist die Kinderrechtskonvention nicht das &amp;nbsp;Papier wert, auf dem sie steht. In der &lt;span style="line-height: 150%;"&gt;Wirklichkeit des Jahres 2011 rekrutieren 86 der unterzeichnenden Staaten Kinder für militärische Zwecke. Kinder kämpfen in Angola, in Äthiopien, in Sri Lanka, in Sierra Leone, Liberia, im Irak, in Palästina, in Afghanistan, im Kongo, Uganda und im Sudan&amp;nbsp; – diese Liste ist lange nicht vollständig. Im Kongo sind zurzeit schätzungsweise 160.000 Kinder bewaffnet.&amp;nbsp; In der Wirklichkeit unterstützen westliche zivile, demokratische Regierungen Regime und Rebellen, die gegen diese Konvention verstoßen. In der Wirklichkeit ist einer der wichtigsten afrikanischen Partner für Deutschland, der ugandische Präsident Yoweni Museveni, ein Kinderrekrutierer, der sich nur mit Hilfe von Minderjährigen an die Macht putschen konnte.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Die meisten Kindersoldaten sind zwischen 8 und 18 Jahren alt. Sie sind fester Bestandteil der militärischen Struktur und müssen die gleichen Aufgaben bewältigen wie erwachsene Soldaten. Sie müssen lange Märsche mit schwerem Gepäck hinter sich bringen, Dschungel- und Buschgelände durchqueren, auf Essen, Trinken und Schlaf verzichten, Kälte, Regen und Moskitos standhalten, im Freien übernachten. Dabei sind die Kinder wesentlich schlechter als die Soldaten ausgerüstet. Sie haben keine Uniformen, keine Schuhe, schlechte Waffen. Weil sie billig und ersetzbar sind, werden sie über Minenfelder geschickt und müssen unübersichtliches Gelände erkunden. Wenn Kinder im Kampf sterben, holt man sich eben neue aus dem nächsten Dorf. Kinder werden in Angola, in Äthiopien, in Sri Lanka, in Sierra Leone, Liberia, im Irak, in Palästina, in Afghanistan,&amp;nbsp; im Kongo, Uganda und im Sudan benutzt – diese Liste ist lange nicht vollständig. Im Kongo sind zur Zeit schätzungsweise 160.000 Kinder bewaffnet, in Kolumbien ist jeder 4. Kämpfer unter 18 Jahren alt.&amp;nbsp; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Erst im Jahr 2002 wurde der Begriff Kindersoldaten im UN-Protokoll zum Kinderrecht offiziell geprägt. In dieser Konvention wird gefordert, dass niemand, der das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, in regulären Streitkräften oder in nicht regulären bewaffneten Gruppen rekrutiert werden darf. Erst mit diesem Zusatz war es möglich, Verstöße international zu ahnden. Erstmals wurde die Rekrutierung von Kindern gegen den nordkongolesischen Rebellenführer Thomas Lubango zur Anklage gebracht. Er steht seit 2006 vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag. Lubango wird vorgeworfen, Tausende von Kindern rekrutiert und mit deren Hilfe 18.000 Menschen umgebracht, 60.000 vertrieben zu haben, weil er ihre Dörfer anzünden ließ. Das sind Zahlen. Was dahinter steckt, sind Banden von Kindern, denen so viele Drogen eingeflösst, so viele Drohungen an den Kopf geworfen wurden, dass sie andere Kinder töteten, Frauen zerhackten, Babys schlachteten. In wenigen Wochen soll das Urteil gegen Lubango fallen, doch kein lebenslang gegen ihn wird den Wahnsinn heilen, den er in die Köpfe der Kinder pflanzte. &amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Heilung? Wenn es sie gäbe, wäre das schön. Aber das, was man ausrichten kann mit Geld und Unterstützung ist höchstens Milderung, ist wie ein Pflaster auf der Wunde. Sie bleibt darunter, aber wenigstens blutet sie nicht weiter. Milderung, das ist Bildung. Genug, damit die Kinder eines Tages eines Beruf erlernen und sich selber ernähren können. Das ist psychologische Unterstützung. In Norduganda hat man mit den Kindern ein einfaches Konzept ausprobiert. Man gab ihnen Steine, kleine und große, und Blumen, auch kleine und große. Und dann bat man sie, chronologisch ihr Leben zu erzählen. Für jedes Ereignis, das schrecklich war, legten sie einen Stein. Je nach empfinden einen kleinen oder großen. Für jedes Ereignis, das schön war, legten sie eine Blume. Beides entlang eines Seils. Am Ende angekommen, konnten sie zurücksehen, noch einmal weinen, schreien, trauern. Und dann Abschied nehmen. Bei manchen funktionierte es. Bei anderen nicht. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div style="background: white; line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Times, 'Times New Roman', serif;"&gt;Ich könnte noch viel erzählen über die Trostlosigkeit dieser Kinder. Doch egal, wie detailliert ich wäre, ich könnte das Ausmaß dieser Trostlosigkeit nicht mit Worten einfangen. Am Ende bleibt es ein fremdes Schicksal, von dem ich erzähle und das Eigene ist doch davon immer weit entfernt. Das ist die Grenze, die Worte haben. Sie bilden ab, sie spiegeln. Aber wie es sich anfühlt, der andere zu sein, das bleibt uns verborgen. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: #1e1e1e;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-4878268969679639075?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/4878268969679639075/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/kindersoldaten.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/4878268969679639075'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/4878268969679639075'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/kindersoldaten.html' title='Kindersoldaten'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-5883351281007057652</id><published>2011-09-07T09:50:00.001+02:00</published><updated>2011-09-07T09:56:20.829+02:00</updated><title type='text'>Verdamp lang her</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="apple-style-span"&gt;&lt;span style="background-attachment: initial; background-clip: initial; background-color: white; background-image: initial; background-origin: initial; color: black; font-family: Verdana; font-size: 9pt; line-height: 150%;"&gt;Nun, es ist sehr schwer für mich, über den Zustand in meinem Heimatland zu reden, und ich benutze immer das Bild einer wunderschönen Frau, die tagsüber Kinder gebärt, Kinder auf die Welt bringt, und sie abends im Fluss Kongo dann wieder ersäuft.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span class="apple-converted-space"&gt;&lt;span style="background-attachment: initial; background-clip: initial; background-color: white; background-image: initial; background-origin: initial; color: black; font-family: Verdana; font-size: 9pt; line-height: 150%;"&gt;&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="apple-converted-space"&gt;&lt;span style="background-attachment: initial; background-clip: initial; background-color: white; background-image: initial; background-origin: initial; color: black; font-family: Verdana; font-size: 9pt; line-height: 150%;"&gt;Fiston Mujila, kongolesischer Schriftsteller über seine Heimat&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;o:p&gt;&amp;nbsp;&lt;/o:p&gt;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-ZUmMTnVs9tg/TmY9e2szFEI/AAAAAAAABOA/avK32CeE3E0/s1600/It+is+because+of+your+age.+Niedecken+als+Respektperson+in+Afrika.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-ZUmMTnVs9tg/TmY9e2szFEI/AAAAAAAABOA/avK32CeE3E0/s640/It+is+because+of+your+age.+Niedecken+als+Respektperson+in+Afrika.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Verdamp lang her, dass wir im Kongo waren. Wenn ich diesen Satz so schreibe, fällt mir auf, wie seltsam er für anderen Ohren klingt. Kongo, da fährt man nicht einfach mal so hin, manche Leute würden nie einen Fuß in dieses Land setzen, aus Mangel an Gelegenheit oder weil es so dunkel klingt. Aber wenn man so eine Afrika-Nomadin ist wie ich, wenn es einen immer wieder auf diesen Kontinent treibt, right or wrong, my country, dann ist der Kongo nicht exotisch, sondern eher wie eine Fremde, die einen hineinzieht und nie wieder richtig ausspuckt.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-Pfjlu9oEZFc/TmY-eIqq5GI/AAAAAAAABOE/AvF1fvvW5_I/s1600/from+Pader+to+Goma+09.2010+184.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="211" src="http://1.bp.blogspot.com/-Pfjlu9oEZFc/TmY-eIqq5GI/AAAAAAAABOE/AvF1fvvW5_I/s320/from+Pader+to+Goma+09.2010+184.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Ich kann nicht sagen, dass ich es dort je besonders gemütlich fand. Bukavu, die Provinzhauptstadt in Ostkivu ist so ein Durcheinander aus allem möglichen- Schlammlöcher und schiefe Hütten, hässliche Betonbauten, zusammenbrechende Autos, schrille Mofas, Müll, tote Tiere am Straßenrand und dazu noch Kriminalität und Vergewaltigung, Rebellen und Mörder und Waffenhändler- und Goma, die Provinzhauptstadt Nordkivus ist so ähnlich, nur noch ein paar Schurken mehr und aller Abschaum, den die Menschheit hervorbringen kann, und über allem liegt die erkaltete schwarze Lava, die der Nyiragono, einer der Virunga-Vulkane, 2002 über die Stadt spuckte, vielleicht aus Abscheu. Jedenfalls kann man nicht sagen, schön ist es da. Goma ist Sodom, Gomorra und die Pechmarie zugleich, und jedes Mal, wenn ich aus dem hübsch geordneten,&amp;nbsp;sauber gefegten Ruanda, aus dem idyllischen Gisenyi mit seinen Gärten voller Bougainvillea und Jacaranden, die wenigen Meter bis zum kongolesischen Schlagbaum gehe, durch den Matsch auf dem Weg hinüberpatsche in die Kivu-Provinzen, ist es wie ein Wechsel von einer Dimension in die andere. Es wäre vernünftig, distanziert zu bleiben, das Land mit seiner Not und Gewalt an sich abprallen zu lassen, es zu nehmen als eines von vielen Zielen, und dann wieder zu gehen, wie man gekommen ist. Aber in Afrika allgemein und im Kongo besonders ist mir das nicht möglich. Es ist der Geruch, der mich jedes Mal um meine innere Ruhe bringt, dieses Holzfeuer-Sonnenwarmeerde-Unrat-Gemisch. Mein&amp;nbsp;Herz flattert, Adrenalin durchfließt meine Adern, und ohne Grund fühle ich mich euphorisch. Ein Flattern im Bauch ist das, &amp;nbsp;so wie ganz oben auf der Achterbahn kurz bevor es steil nach unten und dann in den doppelten Looping geht. Man weiß, es wird furchtbar und wunderbar zugleich.&lt;br /&gt;So ähnlich ist Goma. Eine dreckige Hölle. Aber wenn dann die Musik aus den&amp;nbsp;Bruchbuden kommt, die sie hier Läden nennen, wenn Passanten draußen auf der Straße im Vorbeigehen ihre Hüften schwingen und dazu dieses raue Lachen erklingen lassen. wenn alles Temperament und alle Melancholie, alle Lebendigkeit und alle Schwermut, alle Fröhlichkeit und aller Untergang, die nebeneinander hier existieren, sich Bahn brechen und im Hintergrund, wie eine Postertapetenkulisse, feuchter Dunst über den regenwäldlerischen Bergen steht, dann versteht man, dass die Hölle ein vielschichtiger Ort ist.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;Auch diesmal sind wir unterwegs, um zu sehen, was aus Rebound wurde. Im Oktober 2010 waren wir zuletzt dort. Wir, das waren Mitarbeiter von World Vision, ein paar Journalisten und BAP-Star Wolfgang Niedecken, den wir seit damals ganz offiziell und mit einem breiten Grinsen den Papa des Projekts nennen dürfen. Denn klar ist er Initiator und Ideengeber von und für Rebound, aber ihn deshalb despektierlich auf ein intimeres Namensniveau zu reduzieren, wäre uns nicht in den Sinn gekommen. Bis zu jenem Morgen in Goma, als der Kellner ein Spiegelei zum Frühstück zuviel brachte. Keiner wollte es haben, und schließlich hielt er es mit einer auffordernden Geste und einem fragenden „Papa?“ Wolfgang hin und wir, nun, wir hatten unseren Spaß und einen neuen running gag. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-pAyAjGDugbk/TmY8IlVj8JI/AAAAAAAABN8/PVGZeoZ4Pg4/s1600/Mama+Masika+in+ihrem+Zentrum.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="272" src="http://2.bp.blogspot.com/-pAyAjGDugbk/TmY8IlVj8JI/AAAAAAAABN8/PVGZeoZ4Pg4/s400/Mama+Masika+in+ihrem+Zentrum.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Wir lachen stets viel auf diesen Reisen. Das Lachen ist unser Schutz und unsere Medizin. Mit dem Lachen strömt alles Elend heraus, das wir den Tag über schlucken, aller Ekel und das Entsetzen über die Geschichten, die man uns anträgt und von denen wir oft hinterher sagen, dass wir sie lieber nicht gehört hätten. Wir Journalisten machen uns Notizen, die Hand klammert sich um den Stift und das Gehirn konzentriert sich auf die Buchstaben, die Wörter. Wer nichts aufschreiben muss, der rettet sich darin, Details im Raum zu bemerken, hier ein Bild, dort eine leere Dose. Sich festzuhalten an Dingen, die eine unumstößliche Definition haben, das hilft. Meist kommen wir aus diesen Räumen wieder hinaus mit bleichem Gesicht und hinterher schweigen wir viel und starren aus dem Wagenfenster nach draußen, jeder allein mit sich und seiner Trauer über die bestialischen Abgründe, in die wir gerade geblickt haben. Aber abends, wenn wir dann zusammen sitzen, wollen wir lachen und tun es auch, solange, bis der Druck fort ist, der unter den Brustwirbeln saß und das imaginäre Eis im Bauch geschmolzen. &lt;br /&gt;Damals, als wir nach Goma fuhren, kamen wir aus dem Norden von Uganda, wo Wolfgang Niedecken noch einmal in Paders Girls School saß und sich von den Mädchen umtanzen, noch einmal an die Jungenschule zurück kehrte und sich über den Stand der Ausbildung unterrichten ließ. &lt;b&gt;Rebound Uganda&lt;/b&gt; war im Oktober 2010 ein Projekt, das seinem Ende entgegen ging. Sechs Jahre lang wurde entkommenen oder befreiten Kindersoldaten geholfen, in der Gesellschaft wieder Fuß zu fassen. Im Buschkrieg war ihnen Kindheit und Seele geraubt worden, dann kamen sie zurück in ihre Dörfer, wo sie niemand wollte und niemand Mitleid mit den „Mördern“ hatte. Ohne Schulbildung, versehrt an Geist und Körper, gab es für sie keine Zukunft.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-9S61LObgCms/TmZBQR2EGCI/AAAAAAAABOI/X7a6brckMIc/s1600/from+Pader+to+Goma+09.2010+105.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://3.bp.blogspot.com/-9S61LObgCms/TmZBQR2EGCI/AAAAAAAABOI/X7a6brckMIc/s320/from+Pader+to+Goma+09.2010+105.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Die Vorgeschichte von Rebound ist eine lange. Begonnen hat das Projekt mit Wolfgang Niedecken, der einst einem kleinen Mädchen in Uganda versprach, die Geschichten, die sie ihm erzählte, nicht zu vergessen. Niedecken holte Jack Wolfskin als Mitfinancier ins Boot und die Hilfsorganisation World Vision als Umsetzer und Koordinator des Hilfsprojekts. Schulen wurden gebaut, Stipendien vergeben, Schulmaterial gestellt, Friedenserziehung finanziert. Inzwischen sind die ehemaligen Kindersoldaten des Joseph Kony Männer geworden. Es war seltsam, die schlaksigen Kerle, die wir vor ein paar Jahren kennen gelernt hatten, und die damals nicht wussten, wohin mit ihren Händen und ihren Augen, nun als „selbstständige“ Geschäftsmänner zu sehen. Einige hatten es geschafft, sich eine eigene Werkstatt aufzubauen, bescheidene kleine Hüttchen mit ein paar Möbelstücken davor, je nachdem für wie viel Holz das Geld reicht. Andere waren dem Wahnsinn in ihren Köpfen ausgeliefert geblieben und hatten es trotz ihrer guten Ausbildung nicht geschafft, dem Leben wieder gewachsen zu sein. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;Auch unter den Mädchen gab es solche, die die Erinnerungen an die Jahre im Busch abgestreift hatten, die sich auf die Zukunft besannen, und andere, die lethargisch und zurückgezogen blieben. Die schönste Erfolgsgeschichte war die von Christine, eine 21jährige Absolventin der Mädchenschule, die ihr eigenes Restaurant eröffnet hatte. Ein bescheidenes Etablissement, das wohl, aber es gab der jungen Frau finanzielle Freiheit und Selbstbewusstsein. &amp;nbsp;Wie Christine den ganzen Vormittag für uns mit Hilfe ihrer zwei Schwestern in einer winzigen Hütte im Garten ihres Restaurants für uns kochte, wie über dem wirklich, wirklich heißen Feuer alles gebraten und geschmort wurde, wie die Frauen riesige Töpfe wuchteten und in Windeseile noch Brot buken, wie sie all das erledigten und zwischendrin lachten und Albernheiten machten, das war schön und fröhlich. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;Goma war weniger fröhlich. Dort trafen wir Mama Masika und „ihre“ Mädchen. Eine mehrfach vergewaltigte Frau, die sich für andere vergewaltigte Frauen einsetzt. Das Problem der Vergewaltigungen wird gerne als Folge der kongolesischen Kriege gesehen. Rebellen, die Frauen vergewaltigen, in Massen vergewaltigen, um die gesellschaftliche Struktur zu schädigen. Es ist eine perverse Logik, die dahinter steckt: Seelisch verwundete, ihrer Würde und ihres Selbstwertgefühls beraubte Frauen mit schweren Verwundungen im Genitalbereich eignen sich nicht mehr als Trägerin und Hüterin einer Familie. Diese Massenvergewaltigungen, die mit einer unbegreiflichen Brutalität ausgeübt werden, als reine Kriegswaffe zu sehen, ist allerdings schon so etwas wie eine Absolution und deshalb eine umstrittene These. Ärzte und Menschenrechtler betrachten die Bestialitäten gegen Frauen eher als Verrohung einer Gesellschaft, die seit Jahrzehnten nichts anderes als Unterdrückung, Gewalt und Aggressionen, als Hunger, Vertreibung und Hoffnungslosigkeit kennen gelernt hat. Die Täter sind zunehmend junge Männer, so berichtet Lyn Lusi, die mit ihrem Mann in Goma die Organisation Heal Africa begründete, in deren Krankenhaus die im Inneren zerfetzten Frauen wieder zusammengenäht werden. Junge Männer, die nicht mehr die traditionelle Achtung vor Frauen haben, die nichts mehr wissen vom Wert einer Familie und denen jegliches Gespür für soziale Strukturen fehlt, weil es ihnen nicht beigebracht wurde. Auch die Opfer werden immer jünger, manche sind erst zwei Jahre alt – um so etwas zu tun, muss man schon jenseits jeglicher Menschlichkeit und bar jedes Mitgefühls sein.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="line-height: normal;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 24px;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="line-height: normal;"&gt;Dieses Mal reisen wir zu viert. Wolfgang Niedecken und sein Sohn. Eva Martin von World Vision und ich. Schon im Vorfeld dieser Reise gibt es einige Probleme, die gelöst werden müssen. Die Fluglinie, die uns von Goma nach Beni bringen sollte, existiert plötzlich nicht mehr. Die, die es noch gibt, erfüllt nicht die Mindestanforderungen an Sicherheit. Straßen? Im Kongo nicht vorhanden oder so schlecht, so voller Schlaglöcher, in denen ein ganzes Auto versinken kann, dass sie unbefahrbar sind.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 24px;"&gt;&lt;/div&gt;Rebound im Kongo ist auch wieder ein Projekt, mit dem Kindersoldaten geholfen wird. Wieder geht es um &amp;nbsp;Ausbildung, mehr als in Uganda aber auch darum, die Folgen von sexueller Gewalt zu mildern. In Beni, wo Rebound Kongo, im vergangenen Jahr initiiert wurde, sind die Verhältnisse vielleicht noch eine Nummer schlimmer als in Pader und Gulu in Norduganda. Man sollte glauben, ein Martyrium als junges Mädchen in den Händen von Rebellen sollte reichen an Schmerz und Demütigung für ein ganzes Leben. Man wünscht sich, es gäbe einen Gott, der einsieht, das Mass ist voll und fortan Glück schickt. Oder zumindest kein Unglück mehr. Doch für viele dieser Mädchen ist der Leidensweg noch lange nicht beendet. Aus Mangel an Perspektiven, aus Armut und weil niemand da war, der sie auffing, landen sie in der Prostitution und das ist sicherlich kein großer Unterschied zu ihrem Dasein als sexuelles Opfer der Rebellen. Für ihre Dienste an den Männern bekommen sie kein Geld, nur Essen, nur einen Platz zum Schlafen. Noch immer Gewalt und Demütigung, noch immer benutzt und beschmutzt werden.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;Mama Masika erzählte uns im vergangenen Jahr ihre Geschichte, die so grausam ist, dass wir sie zunächst bezweifelten. Nicht, weil diese Frau unglaubwürdig war, sondern aus reinem Selbstschutz. Es schien uns nicht möglich, dass ein Mensch so etwas ertragen kann und weiterlebt. Nicht nur das, sondern auch noch die Kraft und die Menschlichkeit findet, anderen zu helfen. Oft bleibt bei denen, die litten, das Mitleid auf der Strecke. Die Vergangenheit mit ihrem Schmerz beherrscht alles. Die Gegenwart ist unerheblich, die Zukunft gibt es nicht, höchstens als Projektion einer Sehnsucht, an deren Erfüllung niemand glaubt. Manchmal scheint es mir, alles, was getan wird, die ganzen Hilfsprojekte, die ganzen Gelder, die ganzen Mahnungen, so doppelmoralisch sie oft auch sind, nützen nichts. Und dann sieht man Masikas Mädchen, die nicht viel brauchen: nur ein bisschen Bildung, ein Heim für sich und die Kinder, nur ein Stück Land, das sie beackern und von dem sie leben können. &amp;nbsp;Nur ein bisschen Hoffnung, die den Blick fortlenkt von der Vergangenheit und ihn in die Zukunft richtet.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-5883351281007057652?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/5883351281007057652/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/verdamp-lang-her.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5883351281007057652'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5883351281007057652'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/09/verdamp-lang-her.html' title='Verdamp lang her'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-ZUmMTnVs9tg/TmY9e2szFEI/AAAAAAAABOA/avK32CeE3E0/s72-c/It+is+because+of+your+age.+Niedecken+als+Respektperson+in+Afrika.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-5305855169799115057</id><published>2011-08-24T09:40:00.000+02:00</published><updated>2011-08-25T09:31:57.698+02:00</updated><title type='text'>Liberté toujours</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Verdana, sans-serif; font-size: x-small;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="line-height: 18px;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="background-color: white;"&gt;&lt;b&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Verdana, sans-serif; font-size: 13px; line-height: 18px;"&gt;A&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Verdana, sans-serif; font-size: 13px; line-height: 18px;"&gt;nd there are times like these when you come back to haunt the geography of my face … frayed frayed moments of you confronting me in the mirror: jut of cheekbone, glare of eye, bared teeth, this is you in me and I’m neither beautiful nor ugly; I’m just you, brother, you remembering yourself on me so that I hold the sad, sad epitaph that is my face and grieve all over, so that I relieve the long nights again, so that its pain and pain again, so that we are back there again, there, where you were Lazarus lying there lifeless but wasn’t no Jesus around to raise you—&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/b&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;-NoViolet Bulawayo-&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-_ZTCPfYNRHs/TlSpsmxlEFI/AAAAAAAABM4/1npjM2391iE/s1600/dadaab+august+2011+278.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://1.bp.blogspot.com/-_ZTCPfYNRHs/TlSpsmxlEFI/AAAAAAAABM4/1npjM2391iE/s640/dadaab+august+2011+278.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Doch, ich habe ein schlechtes Gewissen. Nicht wegen der Dusche und nicht wegen des kalten Biers. Sondern weil ich nicht schreibe, was ich schreiben sollte. Über das, was sich da draußen abspielt, nur wenige Kilometer von meinem Safari-Abenteurer-Camp entfernt. Ich sollte Worte finden für all das. Den Staub, der sich in jede Pore setzt. Die Hitze, die die Haut zusammen zieht und sich auf die Zunge legt als pelziger Belag. Der Wind, der den Sand aufwirbelt und von sich wirft wie ein trotziges Kind sein Spielzeug. Ich sollte erzählen können von den überfüllten Lagern, in denen sich 60 bis 100 Menschen eine Toilette teilen und drei Familien ein Zelt. Von den Lebensmitteln, die zweimal in der Woche verteilt werden und doch kaum reichen, um jemals satt zu werden. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich muss an dieser Stelle etwas klar stellen. Eine Kritik von Jürgen aufnehmen an dem, was ich gestern schrieb. Die Entwicklungshelfer leben natürlich nicht im Luxus, während nebenan die Menschen hungern. Sie leben vernünftig, so, wie man leben muss, wenn man diesen Job anständig machen will. Die Kritik an den Parallelwelten, die dort draußen existieren, wenn es eine war, gilt ja schließlich auch für mich, die auch nicht hungert und mit 50 anderen oder noch mehr eine Latrine teilt. Parallelwelten wie die in Dadaab gibt es überall, wahrscheinlich sogar in meinem 800-Seelen-Heimatdorf, nur werden sie da nicht so offensichtlich. Und klar kommt von der Hilfe oft wenig an, weil die Strukturen hierarchisch sind, die ganze Logistik schon ein Schweinegeld kostet, weil im Korruptionssystem der jeweiligen Länder zuviel hängen bleibt. Weil sich mit dem Elend überall Geschäfte machen lassen, schließlich machen auch wir Journalisten nichts anderes.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Das bringt mich wieder zurück zu dem, warum ich nicht schreiben mag über dieses Elend, warum mir jeder Satz so kurzatmig platitüdenhaft erscheint. &amp;nbsp;Ich kann natürlich sagen, was die Somalis hierher treibt. Der endlose Bürgerkrieg, der Terror von Al Schabaab. Ich könnte Geschichten erzählen. Von der Frau, der gerade gestern ihr Baby starb. Oder der anderen Frau, ja, in Afrika sind es immer die Frauen, deren Mann die Al-Schabaab vor ihren Augen in Stücke hackte. Von der jungen Mutter, die ein Wasserkopfkind hat und nach Dadaab kam, weil sie hörte, dort gibt es Ärzte, und die nun kaum noch Hoffnung hat auf Hilfe, weil es Ärzte gibt und auch Krankenhäuser, aber ein Kind mit einem Wasserkopf als zu behandelnder Fall ganz unten auf der Liste steht. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Von Vergewaltigungen und verhungerten Kindern wird hier im Lager erzählt, davon, dass viele ihre Kinder auf dem Weg zurück lassen mussten. Wenn ich nun genügend Frauen interviewen würde, ich bin mir sicher, so eine würde ich auch finden. Eine, die innerlich erstorben und äußerlich geschändet ist. Die ein flaches Grab für ihr Kind schaufelte und ein paar Handvoll Sand zu einem Grabhügel aufhäufte oder die ihr Kind einfach am Wegesrand absetzte, noch lebendig, aber zu schwach für den weiteren Weg, und dann selber weiter ging, weil sie keine andere Wahl hatte. &amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Aber ich will nicht. Ich bin trotzig und verweigere mich, Geschichten zu erzählen, die zu Tränen rühren und dann wieder vergessen werden. Nächste Katastrophe bitte. Ich will nicht, und ich finde die Worte nicht. Die, die mir einfallen, klingen so abgenutzt, dass sie billig sind. Elend. Hoffnungslosigkeit. Mutlosigkeit. Sie haben lange ihren Sinn verloren, jeder ist heute irgendwie mutlos und elend, und sei es nur, weil die Aktienkurse fallen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-RQwKt3LaGgg/TlSnU1SajcI/AAAAAAAABMw/3Eg_d2aLwh8/s1600/dadaab+august+2011+480.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://2.bp.blogspot.com/-RQwKt3LaGgg/TlSnU1SajcI/AAAAAAAABMw/3Eg_d2aLwh8/s400/dadaab+august+2011+480.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Ich finde die Worte auch deshalb nicht, weil die Geschichten, die ich höre, unvollständig bleiben. Entweder erfahre ich keine Einzelheiten oder diese gehen in der Übersetzung verloren. Ich weiß nicht, wie die Menschen lebten, bevor sie hierher kamen, unter dem zerschossenen Somalia kann ich mir nichts vorstellen. Es bleibt ein Land ohne Bilder. Ich wünsche mir, ich könnte dorthin fahren, jetzt sofort. Könnte sehen, was der Ausgangspunkt dessen ist, was die Menschen an diesen Ort brachte, der für die meisten der Endpunkt ist. Ich möchte begreifen, wie sie den Weg fanden in dieser Unwirtlichkeit der Halbwüste da draußen, wo doch kein Schild den Weg weist und es kein Wasser gibt. Ich möchte hören, was sie zurückließen. Im Camp gibt es einige Hilfsorganisationen, die auch in Mogadischu arbeiten, ich sitze mit ihnen und verschlinge ihre Erzählungen, aber sie fügen sich nicht zu einer Vorstellung, zu einem Tragenden.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich finde die Worte nicht, weil ich verloren bin in all der Verlorenheit um mich herum. Ich finde es zu heiß, ich verstehe die Strukturen nicht, ich verstehe nicht, wie sich die Welt drehen kann, wo sie doch eigentlich eiern sollte, Beulen und Dellen haben müsste von all dem Unglück, dass sich auf ihr abspielt. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich bin heute so müde. Dreiviertel des Tages habe ich mit einem jungen Mann namens Aden draußen im Erweiterungscamp zugebracht und Menschen interviewt. Die Sonne war wohl ziemlich gnadenlos, obwohl ich sie nicht sah, weil der Wind soviel Sand aufwehte, immer waren wir in einer Wolke. Aden ist angehender Journalist. Gemeinsam mit ein paar anderen jungen Männern gibt er eine Flüchtlingszeitung heraus, die heißt REFUGEE. Ein gutes Blatt, journalistisch vielleicht nicht First Class, aber mit notwenigen und guten Geschichten. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Aden fuhr ins Erweiterungscamp, weil ein paar Jugendorganisationen in Nairobi Geld gespendet hatten, und das wollte Aden nun an die bedürftigsten Neuankömmlinge verteilen und ich sollte mit entscheiden. Kaum angekommen, baute sich ein stolzer Somali vor mir auf, vielleicht 50 Jahre alt, mit einem respektheischenden Gehstock, und blaffte mich an. Warum ich kein Suaheli könne, wieso er denn mit mir Englisch sprechen solle. Ich war so überrascht, dass ich eine Entschuldigung stammelte und den Kopf senkte. Nun war mein Gegenüber versöhnt und führte mich von da an sorgsam durch das Lager, eine erstaunlich kühle Hand an meinem Arm, und seltsamerweise fühlte ich mich unter dieser Hand geborgen und wurde ganz froh. &amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Wir interviewten vielleicht dreißig Leute. Keiner von denen hatte eine glückliche Geschichte zu erzählen. Die meisten waren Frauen, die mit einer Schar von Kindern gekommen waren und so erstaunlich es war, die Kinder hatten noch genügend Kraft, mich anzulachen und um Fotos zu betteln. Aden hatte Geld für 15 Leute. Ich wusste, das würde Chaos und böses Blut geben, und ich behielt Recht. Mit Mühe schafften wir es zum Auto, umringt und auseinandergezerrt, schließlich wütend beschimpft von jenen, die nichts abbekommen hatten. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Später sprach ich mit einem anderen Kollegen von Aden, ein junger Mann namens Abdullah, von dem ich einen Text gelesen hatte und beeindruckt war von der sprachlichen Kraft und poetischen Art seiner Schreibe. Abdullah war im Lager aufgewachsen, Vater und Mutter waren von Al Schabaab getötet worden, ein Bruder, eine Schwester auch, ihn und zwei weitere Schwestern brachten Nachbarn nach Dadaab. Die eine der beiden Schwestern wurde dort vergewaltigt, so sehr, dass sie an den Folgen starb. Die andere Schwester erhielt eine Emigrationserlaubnis für die USA. Abdullah nicht.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich sah vor mir einen Mann mit einem sensiblen Gesicht, langen Fingern, klugen Augen. Ich dachte, was so einer werden könnte in meinem Land, mit dem Schreibtalent, das er besitzt. Einmal hat er einen Essay-Preis gewonnen, da durfte er nach Nairobi reisen, die anderen über 20 Jahre seines Lebens hat er das Lager nie verlassen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-IghIxiK0vnE/TlSom9UlFlI/AAAAAAAABM0/8ttt5UpyZ4Q/s1600/dadaab+august+2011+236.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://2.bp.blogspot.com/-IghIxiK0vnE/TlSom9UlFlI/AAAAAAAABM0/8ttt5UpyZ4Q/s400/dadaab+august+2011+236.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Ja, es empört mich, diese Internierung der Flüchtlinge, ich verlasse an dem Tag meine neuen Journalistenfreunde und bemitleide sie, weil sie immer nur weiter ihre Flüchtlingszeitung schreiben werden, ihnen die Möglichkeiten für anderes nicht offen stehen. Aber zugleich denke ich an den Satz des deutschen Entwicklungsministers, er könne sich in Europa kein Land vorstellen, dass so klaglos 400.000 Flüchtlinge aufgenommen hätte. Und das, obwohl Kenia auch ein armes Land ist und viele der Menschen dort nicht mehr haben, als die Flüchtlinge, vielleicht sogar weniger, weil sie keine Lebensmittel und andere Hilfe erhalten. Man stelle sich den Aufstand vor, wenn 400.000 Balkanbewohner zu uns fliehen würden, selbst wenn wir sie in der Weite, sagen wir Mecklenburgs, unterbrächten, würde sich an ihnen die Nation spalten, beherrschten die Apologeten die Diskussion. &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Nach dem Besuch saß ich im Camp zwei Stunden auf einem Plastikstuhl. Mein Kopf sagte, beweg dich, Andrea, tu was, aber mein Körper wollte nicht. Ich muss nicht ausprobieren, so ein Flüchtlingsleben zu leben, ich weiß genau, ich hielte keine Woche durch. Heimatlosigkeit, Hitze, Hunger würden mich stumpf und müde machen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Was ein Wort taugt, zeigt sich an den Bruchlinien der Existenz. Auf dem Tisch vor mir lag eine Zigarettenpackung, darauf stand: liberté toujours. Wie sinnlos ein Wort wie Freiheit sein kann!&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-5305855169799115057?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/5305855169799115057/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/liberte-toujours.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5305855169799115057'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5305855169799115057'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/liberte-toujours.html' title='Liberté toujours'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-_ZTCPfYNRHs/TlSpsmxlEFI/AAAAAAAABM4/1npjM2391iE/s72-c/dadaab+august+2011+278.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-5128273762116685147</id><published>2011-08-23T14:50:00.002+02:00</published><updated>2012-01-04T10:42:01.107+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dadaab Welthungerhilfe NGO Hungerkatastrophe Kenia Somalia Al-Shabaab Dennis Fisch Hatton Zeltlager'/><title type='text'>Sex und Not</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;Dadaaber Nächte sind himmlisch, da kann man nicht meckern. Gut, ich hatte genügend Essen im Bauch und zu trinken ein kühles Bier. Wir haben abends noch draußen gesessen und gequatscht, das war wie Camping oder, wenn man sich die anderen Zelte wegdachte, auch ein bisschen wie Safari. Fehlten nur noch Lagerfeuer, Löwe und Dennis Finch Hatton. Geschlafen habe ich auf einer sauberen Matratze in einem sauberen Zelt. Ich besitze auch eine gute Taschenlampe, die mir ein Licht wies, als ich nachts das Bier wieder loswerden musste. Nur wenige Kilometer weiter, in der Agglomeration aus überfüllten Zelten, werden die meisten weniger gut geschlafen haben.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-wspJQl7V2I0/TlOLBUsjqlI/AAAAAAAABMk/3N3NKGga0I8/s1600/dadaab+august+2011+288.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-wspJQl7V2I0/TlOLBUsjqlI/AAAAAAAABMk/3N3NKGga0I8/s640/dadaab+august+2011+288.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Dadaaber Nächte sind afrikanische Nächte, die Sterne fallen einem auf den Kopf, gegen 3 Uhr heulte irgendwo eine Hyäne und war darin sehr ausdauernd. Ein heftiger Wind rüttelte an den Zeltplanen, die machten Flap, Flap, derselbe Wind strich über mein bescheidenes Lager und es roch nach warmem Sand. Über allem stand der Mond, als hätte ihn jemand da noch hingeklebt als letztes Tüpfelchen für die Afrika-Folklore. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich muss ein wenig über das Camp erzählen, eigentlich sollte man darüber ein Buch schreiben oder eine Reality-Show machen. Den Dschungel hatten wir schon, die Auswanderer hatten wir, jede andere Form von ungewöhnlichen Existenzen, warum nicht auch mal die Entwicklungshelfer und ihre Parallelwelt, in der die Hilfesuchenden wie Staffage sind, Verschiebemasse im Rennen um Spendengelder und Zuschüsse von der EU.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Das Camp ist viele Kilometer lang und breit. Es gibt verschiedene Sektoren, einen für den UNHCR (UN Flüchtlingskommissariat), eine für das Welternährungsprogramm, einen für CARE, die mit am längsten dort sind etc. Die kleineren Organisationen sind bei den größeren untergekommen. Es gibt einen Außenzaun, der steht da wohl schon ziemlich lange, denn darüber ranken sich Pflanzen. Man kommt hinein durch ein Tor, das ist bewacht und man muss eine Karte vortragen, die man um den Hals tragen sollte, auf der steht, ob man Mitarbeiter, Besucher oder Freiwilliger ist. Dann gibt es weitere Zäune und Tore, alles prima gesichert gegen wilde Tiere, Kriminelle und wohl auch Flüchtlinge, die es wagen wollen, die ihnen gesetzten Grenzen zu überschreiten. Doch auch innerhalb es Zaunes ist das Camp eine andere Welt als die der Lager, ist die Trennung noch&amp;nbsp;zynischer, schmerzhafter, bitterer durch den relativen Komfort und die Reste von westlicher Zivilisation:&amp;nbsp;Kaltes Bier. Kaffeemaschinen. Bürostühle mit Rollen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Der UNHCR, das Welternährungsprogramm, Care, sind wie gesagt, schon ziemlich lange hier, genauer gesagt seit Anbeginn dieser Katastrophe, die mit dem Sturz von Siad Barre und dem daraufhin ausbrechenden Bürgerkrieg begann. Das war 1991 und damals wohnten auch diese Organisationen in Zelten, inzwischen aber haben sie feste Häuser, kleine Büros und Wohnungen für die Mitarbeiter. Außerdem feste Wege, der UNHCR sogar Straßennamen. Und eine Bar.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-hNutxrMaPHQ/TlOM9_5PGHI/AAAAAAAABMs/_cDCIbMgVHo/s1600/dadaab+august+2011+214.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://4.bp.blogspot.com/-hNutxrMaPHQ/TlOM9_5PGHI/AAAAAAAABMs/_cDCIbMgVHo/s400/dadaab+august+2011+214.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Für meine Unterkunft hat Jürgen Mika gesorgt, er ist &amp;nbsp;Koordinator für Nothilfe bei der Welthungerhilfe. Das heißt, er ist immer dort, wo es brennt: eine Art Indianer Jones der Entwicklungshilfe. Er reist an Orte, die man nicht kennen würde, hätte sich dort nicht eine Katastrophe ereignet, und dort ist er der Mann der ersten Stunde, der ins Chaos Basisstruktur bringt. Ich kenne ihn aus Simbabwe, er hat spontan seine Hilfe für mich hier vor Ort angeboten.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Entwicklungshilfe ist eigentlich nicht sexy. Das meiste ist bürokratischer Kram, Verwaltung, Buchhaltung, Anträge. Das ist der Grund, warum die Pressemitteilungen von Hilfsorganisationen und auch die Berichte auf deren Webseiten entweder verklemmt und trocken klingen oder schmalztriefend sind. Warum sie das Elend so lange Elend nennen, bis einem das Wort zum Halse heraushängt. Das arme kulleräugige und blitzblank geputzte Schokokind als Werbebild ist von den Plakaten nicht wegzukriegen und der Betroffenheitston sowie die Moralappelle irgendwie auch nicht. Wer den logistischen Aufwand in Dadaab sieht, die vielen, viel zu teuren Geländewagen in Luxusausführung, die täglich in langen Kolonnen aus dem Camp raus und ins Lager hineinfahren, der empfindet Bedauern für die Rentnerin mit dem Patenkind, die monatlich 30 Euro gibt und glaubt, die kämen 1 zu 1 an. Aber das ist der falsche Faden für diesen Post, da sei lieber auf den Kollegen Horand Knaup vom Spiegel und sein Buch „Hilfe, die Helfer kommen“, verwiesen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Zurück also zum Sexappeal des Helfens. Man könnte an dieser Stelle darüber philosophieren, ob Sex und Not Gemeinsamkeiten haben, aber da würde ich mich wahrscheinlich verrennen. Fest steht: beides verkauft sich gut. Charlotte Roche darf sich gerade überall medial ausbreiten und über die befreiende Wirkung von Sex blubbern. Und auch Dadaab bleibt auf den vorderen Seiten, wenn man nur genug Fotos von leidenden Kindern zeigt und genügend kommende Horrorszenarien malt.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ja, Dadaab ist sexy. Viele Jahre war es das nicht, krähte genau genommen kein Hahn danach, obwohl auch vor der Dürrekatastrophe hier schon über 300.00 Menschen in Staub und Hitze wohnten. Auch Minister Dirk Niebel nicht, der jetzt großzügige Summen versprach. Als die Bundesregierung Gelder zur Vorbeugung geben sollte, weil die Katastrophe absehbar war, waren die Taschen zu. Sexy wurde die Geldverteilung erst, als aus Richtung Westen die Organisationskarawane rollte und aus Richtung Osten am Horizont die Scharen von Hungrigen auftauchten, in ihrem bunten Kleidern, die im Wüstenwind wehten. &lt;br /&gt;Dadaab ist sexy, weil der tägliche Ablauf in diesem humanitären Chaos Adrenalin freisetzt. Weil ständig Besucher kommen, Delegationen, weil die Hilfsorganisationen um Einfluss wetteifern, weil die ganze Situation so weit von der Alltagsrealität entfernt ist wie Ecstacy von Homöopathie. Jagdfieber herrscht, auch unter den Journalisten, den Politikern. An Dadaab kann man sich profilieren, im staubigen, dornigen Lager wunderbare Bilder schießen, jene von der Art, die so nach Afrika und Hunger aussehen und zu Hause Anerkennung bringen. Oder die Spendenbereitschaft erhöhen.&lt;br /&gt;Die Welthungerhilfe als Newcomer in Dadaab &amp;nbsp;-„new kid on the block“ nennt Jürgen es - &amp;nbsp;muss etwas bieten. Bieten heißt in diesem Fall, Geld oder Güter auf den Markt der Bedürftigen zu werfen, die noch fehlen. Die Welthungerhilfe entdeckte für sich den „Wash-Gap in NFI“ und über diesen Ausdruck habe ich mich sehr amüsiert. NFI, Non-Food-Items, ist alles, was nicht essbar ist. Töpfe, Waschschüsseln, Eimer, Decken etc. Wash-Gap bezieht sich auf die Lücke in der Versorgung bei Waschutensilien, sprich große Plastikschüsseln. Klar macht die Welthungerhilfe in Dadaab auch noch anderes, vor allem bringt sie Geld ein zur Versorgung der Flüchtlinge, aber &lt;i&gt;Wash-Gap in NFI&lt;/i&gt; wird mein Lieblingsausdruck aus der Entwicklungshilfe bleiben, vielleicht mach ich mal ein Buch draus.&lt;br /&gt;Sexy ist hier auch das Setting. Eine ganze Stadt aus Zelten, hingeworfen in die Halbwüste, in Gesellschaft von Hyänen, Schlangen und Skorpionen. Dazu der wahnsinnige Zustrom von Menschen, die Versorgungsprobleme die damit einhergehen, das Laufen gegen die Zeit. 30.000 bereits verhungert Kinder, das ist die Zahl, die Hilfsorganisationen bekannt geben, wer diese Kinder aber gezählt haben will, das weiß ich nicht. Und auch nicht, warum Herzen immer erst zu erweichen sind, wenn die Kinder sterben, wenn es zu spät ist, der Zug abgefahren. Dünne Kinder, das reicht doch schon. Schwache Kinder. Traurige Kinder, heimatlose Kinder, zukunftslose Kinder. Nein, auch das ist nicht sexy. Kinder, deren Haut sich über Knochen spannt, die schon eher. Es gibt übrigens immer mal wieder Touristen, die in Dadaab aufschlagen, Einlass ins Camp begehren, Fotos machen wollen im Lager: Sterbendes Kind als Highlight der nachurlaublichen Diashow vor Freunden.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Den Staub des Ministerbesuchs jedenfalls habe ich gestern Abend unter einer lauwarmen Dusche abgespült. Ich bin ganz froh, dass ich die idealistische Phase, in der ich mich dabei schuldig gefühlt hätte, hinter mir habe. Ich bemühte mich einfach, nicht allzu viel Wasser zu verschwenden. Nach Essen war mir nicht, der Tag zu heiß, zu anstrengend, also tranken Jürgen und ich Bier in der Bar beim Welternährungsprogramm. Die heißt „The Zoo“ und ist denkbar ungemütlich. Aber das kalte Tuskers war eines der besten Biere, die ich je hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PS: Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, das flitzen schon die ersten Jogger um das Camp. Sicher zwischen Innen- und Außenzaun. Es gibt im Camp auch einen Tennisplatz und zwei Fitnessstudios.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-5128273762116685147?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/5128273762116685147/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/sex-und-not.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5128273762116685147'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5128273762116685147'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/sex-und-not.html' title='Sex und Not'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-wspJQl7V2I0/TlOLBUsjqlI/AAAAAAAABMk/3N3NKGga0I8/s72-c/dadaab+august+2011+288.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-3471226632982793968</id><published>2011-08-22T18:06:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T15:15:47.625+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Dadaab Kenia Minister Niebel UN Somalia Mwai Kibaki'/><title type='text'>Kenianische Internierung</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-Bv4tRdpppew/TlJ9YN52F_I/AAAAAAAABMc/_4Y8uVytKF0/s1600/dadaab+august+2011+277.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-Bv4tRdpppew/TlJ9YN52F_I/AAAAAAAABMc/_4Y8uVytKF0/s640/dadaab+august+2011+277.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Ich habe keine Ahnung, wie viele „Gott-verlassene-und verdammte-Orte“ es auf diesem Planeten gibt. Ich habe schon einige gesehen, Goma im Kongo ist so einer, die Genozidgedenkstätte Murambi in Ruanda, Grozny – weiß der Himmel, die Liste ist lang. Dadaab gehört in puncto Verdammnis ganz nach oben, seine Bewohner tun es auch.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Das inzwischen größte Flüchtlingslager der Welt (eigentlich sind es drei Lager: Dagahaley, IFO und Hagadera) ist so groß wie eine Stadt. 400.000 Menschen leben dort, das ist eine Zählung vom August 2011, und täglich kommen über tausend Menschen mehr an. Wenn es für Somalia keine politische Lösung gibt oder wenn das Ende der Dürrezeit nicht genügend Regen und Hoffnung bringt, wenn im selben Maße wie gerade jetzt jeden Tag weitere Menschen vor dem Hunger und dem humanitären Elend in ihrer Heimat fliehen, wenn die Terrororganisation Al-Schabaab doch wieder nach Mogadischu kommt, könnten es bis zum Ende des Jahres 100.00 Menschen sein, die in Dadaab Zuflucht suchen. Das ist bislang das Katastrophenszenario für die nahe Zukunft. Was aber geschieht, wenn der Regen nicht kommt, wenn die Dürre bleibt, sich womöglich regional weiter ausbreitet, wenn in Somalia Cholera und Hunger es unmöglich machen, weiter zu überleben, wenn für lange Zeit die Flucht die einzige Hoffnung bleibt, das ist eine Situation, die man sich in Dadaab zurzeit nicht ausmalen möchte, nicht einmal die Hilfsorganisationen, die sonst schnell bei der Hand sind mit Horrormeldungen, schon um ihre Spendenkassen klingeln zu lassen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Denn Spenden braucht Dadaab, möglichst viele Millionen. Meine Reise beginnt im Tross des Ministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel. Bereits in Nairobi hat er dem kenianischen Staatspräsidenten Mwai Kibaki mehr Geld zur Hilfe zugesichert, 118 Millionen will die Bundesregierung für die ostafrikanische Dürreregion ausgeben, 50 Millionen davon für Kenia. In Dadaab – der heiße Wind rüttelt an den Flüchtlingszelten, die Hitze lässt Minister und Entourage schwitzen, der Sand sitzt in jeder Pore - &amp;nbsp;erzählt er von den 118 Millionen noch mal in die Kameras und Mikrofone, nicht ohne klarzustellen, dass dies ein Verdienst seiner Regierung, seiner Partei, seines Amtes ist. Auch Seitenhiebe auf die Opposition, die Vorgängerpartei müssen sein, selbst an dieser Stelle, auch wenn es die Flüchtlinge nicht interessiert, woher das Geld kommt, nur dass es kommt und zwar schnell, zählt. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Für andere Sätze als die üblichen, die mahnenden - auch die ostafrikanische Gemeinschaft müsse sich um eine Lösung bemühen -die moralischen – die Welt dürfe vor der Not nicht die Augen verschließen -, die besorgten - die Ausbreitung von Epidemien in Folge von Unterernährung müsse vermieden werden -, blieb keine Zeit. Sehen, wie die Neuankömmlinge registriert werden, ein paar Sätze des Woher und Wieso, Dabei-Sein, wenn Lebensmittel verteilt werden, Erschütterung im Krankenhaus, die dünnen Kinder, die siechenden Mütter, die vergewaltigten, die zu Tode erschöpften geben Anlass, nochmals stolz auf die eigene Hilfe zu verweisen und die der anderen einzufordern. Dazwischen, dabei wollen die Vertreter der Hilfsorganisationen noch Beachtung, schließlich bringt ein Foto mit dem Logo ihrer Organisation neben dem Minister neue Spenden, viele Spenden womöglich. Und eine Erwähnung ihrer Tätigkeit in einem Artikel mit dem Ministerbesuch ersetzt die beste Werbekampagne. Dazwischen immer wieder in die Wagen, Kolonne Marsch, Staub hoch, Hop-on, Hop-off, Handshake, schon viel zu oft gehörte Worte. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Keine Zeit, aus der Wahrnehmung vor Ort, für die die Delegation ja gekommen ist, einen Gedanken zu entwickeln, der weit und groß genug ist, zu verbinden. Jenen, die am Rande des Weges in der Staubwolke des Konvois stehen, die ihre Bündel aus Holz und letzter Habe schleppen, ihren müden Kinder hinter sich her ziehen, mit der Quintessenz der Humanität zu laben: Ein wahres Wort des Mitgefühl. Ein Blick von Auge zu Auge, eine Ahnung von Brüderlichkeit. Zwischen uns, die wir mit Polizeieskorte in gut klimatisierten weißen Toyotas fahren und jenen Durstigen, Erschöpften, die dornige Äste zu einem Dom biegen und diesen mit Tüten und Tüchern abdecken, bleiben Welten und Räume, unüberbrückbar.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Hier das gemeinsame Mittagessen auf dem Terminplan, dort der leere Magen von solchen, die dem Hungertod, nicht aber dem Hunger entkamen und nun warten müssen, bis sie registriert sind und damit befugt, an den Lebensmittelverteilungen zu partizipieren. Gerettet sind sie, geborgen keinesfalls.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-kG_P8T5s7XE/TlJ7ni4c-CI/AAAAAAAABMU/Ckba_oJXpVE/s1600/dadaab+august+2011+249.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-kG_P8T5s7XE/TlJ7ni4c-CI/AAAAAAAABMU/Ckba_oJXpVE/s320/dadaab+august+2011+249.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;90.00 Menschen besiedelten in den 90er Jahren diese von (fast) allen guten Geistern verlassene Halbwüste. Wohl ist besiedeln das falsche Wort ist: sie flohen vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat über die Grenze, schlugen sich fast 100 Kilometer durch lebensfeindliche Landschaft und kamen nach Dadaab, ein heruntergekommenes winziges Dorf in einer Gegend, in der kaum etwas wächst. Zu Geld gekommene Nomaden, solche waren es vielleicht, die in Dadaab ein paar bescheidenen Läden eröffnet und ein Haus, dass mehr war als nur ein flüchtiges Konstrukt aus Ast und Tuch. Um diese herum, vielleicht waren es schon Somalis, vielleicht auch kenianische Hirten, ließen sich die Flüchtlinge nieder, vermeintlich für eine kurze Zeit. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Zwanzig Jahre sind seither ins Land gegangen. Dadaab war vergessen, nur ein paar Organisationen hielten aus, keine Weltöffentlichkeit mehr für das Lager in der Wüste, also auch kein Geld. Kein hungerndes Negerkind als Titelfoto, in Dadaab wurde nicht groß gestorben, groß gelebt aber auch nicht. Die kenianische Regierung sorgte für Internierungszustände, weit weg von der Hauptstadt sollten die Flüchtlinge bleiben, fort von jeglicher Beachtung. Stacheldraht um die einzelnen Lager, dreifacher Stacheldraht um das Camp der Hilfsorganisationen. &amp;nbsp;Wer im Lager lebte, durfte nicht außerhalb arbeiten, anbauen, reisen. Kinder wurden geboren, Schulen entstanden, doch Universitätsausbildung, überhaupt eine Ausbildung, blieb für die Mehrheit der Somalis in Dadaab ein unerfüllbarer Traum. Amerika nahm Tausende aus, Australien, Schweden und so war Emigration die einzige Hoffnung. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Erst als im Juni die Dürre, die alle Flüsse austrocknete und das Vieh verenden ließ, die jeden Baum, selbst die genügsamen Dornbüsche in braunes Gestrüpp verwandelte, über Ostafrika kam, war die Stadt, die es eigentlich gar nicht gibt, plötzlich die einzige Zuflucht. Wie sie den Weg finden, die Familien, die Frauen mit ihren Kindern, ist mir ein Rätsel. Kein Schild weist ihn, keine Markierung ragt aus der Landschaft, Tagesmärsche lang nur immer der gleiche Sand, die gleichen dornigen Büsche. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Längst also sind die drei Lager überfüllt, es fehlt an allem: Wasser, Essen, Toiletten. IFO hat eine Erweiterung erfahren, doch viele der Zelte stehen noch leer, die kenianische Regierung ist über die neue Welle von Flüchtlingen so besorgt, dass sie die Lebensumstände der Flüchtlinge nicht wirtlich haben möchte, so unbequem wie möglich soll es sein, vielleicht gehen die Neuen dann ja wieder schnell. Mit den Flüchtlingen, so argumentiert Kenya, kommen auch die islamischen Radikalen, kommen Banditen. Und was, wenn auch diese, die jetzt kommen, nicht wieder gehen, wenn über Generationen womöglich 100.000 Menschen ernährt werden müssen? Schon jetzt gibt es Gewalt im Lager, drei radikale Piratensender, die niemand findet und so schließen kann. Schon jetzt sind die Langzeitsiedler mit der Situation überfordert, ist ihre Hilfsbereitschaft für die Neuen erschöpft, fordern auch sie Essen und neue Decken, Zelte, Kleider. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Und so siedeln bereits über zehntausend Menschen außerhalb der Lager, dort, wo es weder Klos noch Wasser gibt, wo nachts die Hyänen streifen und heulen. Die Epidemiegefahr wächst mit jedem Tag. 21 Tage dauert der Prozess der Registrierung, 21 Tage, in den die Flüchtlinge weiter mit dem Notwendigsten auskommen müssen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Um 16 Uhr ist der Besuch des Ministers zu Ende. Mit Tross steigt er in ein Flugzeug des Welternährungsprogramms, eineinhalb Stunden bis Nairobi, dann duschen, noch eine kurze Pressekonferenz und Rückflug nach Deutschland. &lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-LJmdCxd03rY/TlJ8ayYqqLI/AAAAAAAABMY/BqHDChwDZpM/s1600/dadaab+august+2011+264.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://3.bp.blogspot.com/-LJmdCxd03rY/TlJ8ayYqqLI/AAAAAAAABMY/BqHDChwDZpM/s320/dadaab+august+2011+264.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich bleibe und winke froh. Ich habe einen Schlafplatz im Zelt bei der Welthungerhilfe. Ich trage für alle Fälle drei Müsliriegel im Gepäck. Ich weiß, es gibt auch Duschen im Camp. Und kaltes Bier. Für den Moment sehe ich wenig Gründe, Dadaab schnell wieder zu verlassen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-3471226632982793968?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/3471226632982793968/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/kenianische-internierung.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3471226632982793968'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3471226632982793968'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/kenianische-internierung.html' title='Kenianische Internierung'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-Bv4tRdpppew/TlJ9YN52F_I/AAAAAAAABMc/_4Y8uVytKF0/s72-c/dadaab+august+2011+277.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-3207296681958834551</id><published>2011-08-10T16:44:00.000+02:00</published><updated>2011-08-10T16:44:38.416+02:00</updated><title type='text'>Armutsgelübde in Assisi</title><content type='html'>&lt;br /&gt;Es gibt Verhaltensregeln, die findet man in keinem Reiseführer. Nach Rom solle man nur am Sonntag, nach Assisi nur mitten in der Woche fahren, zum Beispiel. Am Sonntag sind nämlich die Römer außerhalb von Rom. Von wegen also: When in Rome, do as the Romans do.&lt;br /&gt;Dafür sind in der Woche die Pilgergruppen noch nicht in Assisi. Angeblich ist der Mittwoch der beste Tag, um die Stadt des Heiligen Franz zu besuchen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-ehf5-XpYlhs/TkKVnmDnwII/AAAAAAAABK8/uThzKhKHHl8/s1600/Umbrien+August+2011+472.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-ehf5-XpYlhs/TkKVnmDnwII/AAAAAAAABK8/uThzKhKHHl8/s320/Umbrien+August+2011+472.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Nach Venedig sollte man um diese Zeit zu keiner Zeit fahren.&lt;br /&gt;Nichts tun Touristen ja lieber, als sich über andere Touristen zu ärgern. Tatsächlich hat man in Italien im Sommer genügend Gelegenheit dazu. Wo zum Teufel kommen die alle her? Und was wollen die da? Fragen, die umso dringlicher werden, je mehr die tägliche Schlagzeile der Bildzeitung, die einzige deutsche Zeitung die man an den Kiosken von Umbrien erstehen kann, die finanzielle Krise Italiens im Speziellen und Europas im Allgemeinen in düstersten Schlagzeilen beschreibt. Die Armut greift mit ihren schmutzigen Fingern nach Europa, der Absturz zu einem Entwicklungskontinent steht &amp;nbsp;unmittelbar bevor. Eigentlich also &amp;nbsp;müssten die Touristen aus Kostengründen zu Hause bleiben und die Italiener bettelnd auf der Straße sitzen. Statt dessen sind die Cafés, Trattorien, Pizzerien ziemlich voll, Weinkaraffen stehen auf den Tischen, nirgends ragen Knochen über hohle Wangen hinaus. Gelächter allerorten. Ja, ist es denn nur Galgenhumor?&lt;br /&gt;Dies irae dies illa, silvet saeclum in favilla. Tag des Zorns, jener Tag löst die Welt in Glut auf. Thomas von Celano war laut Geschichtsschreibung ein Kumpel von Franz von Assisi. Angeblich, aber nicht erwiesen, ist die Sequenz dies irae von ihm. Quantus tremor est futurus, quando iudex est venturus. Das Börsenzittern jedenfalls ist schon da, just am Besuchstag von Assisi stürzt der Dax in die Tiefe und das von FvA geforderte Armutsgelübde bekommt plötzlich einen tiefen Sinn.&lt;br /&gt;&lt;table border="0" cellpadding="0" style="-webkit-border-horizontal-spacing: 5px; -webkit-border-vertical-spacing: 5px; color: #6c5b5b; font-family: 'Times New Roman', Times, sans-serif; width: 518px;"&gt;&lt;tbody&gt;&lt;tr&gt;&lt;td valign="top"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-GyVarOGrP8M/TkKWdKRo1vI/AAAAAAAABLA/24_N_-73GTg/s1600/Umbrien+August+2011+434.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://3.bp.blogspot.com/-GyVarOGrP8M/TkKWdKRo1vI/AAAAAAAABLA/24_N_-73GTg/s320/Umbrien+August+2011+434.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="-webkit-border-horizontal-spacing: 0px; -webkit-border-vertical-spacing: 0px; color: black; font-family: 'Times New Roman';"&gt;Assisi ist nicht so voll, wie einem prophezeit wird. Die Pilger sind am späten Nachmittag schon wieder weg. Nur ein paar Jugendliche mit Gitarren singen noch Friedenslieder durch die Straßen. Die im Ramsch verloren gegangenen Magie des Ortes wird dadurch nicht wieder größer. Vielleicht sollte man doch am Sonntag zur Messe kommen, wenn gregorianische Gesänge durch den Weihrauch dringen. Im Winter, wenn die Andenkenläden geschlossen haben, Touristen und Pilger gleichermaßen. &amp;nbsp;In Assisi lässt sich die Krise vielleicht wegbeten. Dort kann man das T-förmige Franziskaner-Kreuz an Ketten, Armbändern, Schlüsselanhängern, Lederbändern kaufen oder gleich solche, die man sich an die Wand nagelt. Im Bildungsfundus findet sich keine Erklärung für die Form des Franziskanerkreuzes, google offenbart, dass es nach dem letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets, dem Tau, geformt ist.&lt;br /&gt;Auf den verkauften Heiligenbilder sieht der Franzl aus wie der Zwillingsbruder von Jesus in den Darstellungen im "Wachturm". Weichlich. Jedenfalls nicht wie der Outdoor-Typ der er ja war. Man kann den Franzl auch geschnitzt oder als Plastikfigur erstehen, genauso wie Madonnen, die die Augen zum Himmel verdrehen. Wenn man eine ganze Plastiktüte mit Devotionalienkitsch erstanden hat, kann man diesen &amp;nbsp;segnen lassen. In der Tüte!&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/td&gt;&lt;td valign="top"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/td&gt;&lt;/tr&gt;&lt;/tbody&gt;&lt;/table&gt;An der Piazza gibt es einen wunderschönen Buchladen mit Notizbüchern, die in dickes Leder gebunden sind. Hermann Hesses Biographie des Franz von Assisi kann man hier in Leinen und in Papier kaufen, die Fresken des Giotto bebildern sie. Der Buchladen mit einer Atmosphäre tröstet über den Konsumtourismus hinweg.&lt;br /&gt;Den Sonnengesang für Portemonnaie, das gönnt man sich noch. Lesezeichenformat, laminiert. Ein paar Blümchen und Vögelchen als Verzierung. "Gelobest seist du Herr, du hast alle Wesen erschaffen." Und, weil die kindliche Hoffnung mit Glauben Unheil abwenden zu können, eben doch nicht mit dem Verstand zum Schweigen zu bringen ist, auch noch das schlichte Gebet des heiligen Franz. Auch in Portemonnaie-Größe: &amp;nbsp;Hingabe, Selbstlosigkeit, Liebe, Bescheidenheit und Gottesfurcht sind die Ingredienzien dieses Appells an den Meister. Sollte man mal an der Börse verteilen.&lt;br /&gt;Im Sonnenuntergang ist Assisi fast leer. Jetzt in die Kirchen gehen! Leider sind die schon geschlossen. Wieder kommen. Im Winter!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-3207296681958834551?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/3207296681958834551/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/armutsgelubde-in-assisi.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3207296681958834551'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3207296681958834551'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/08/armutsgelubde-in-assisi.html' title='Armutsgelübde in Assisi'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-ehf5-XpYlhs/TkKVnmDnwII/AAAAAAAABK8/uThzKhKHHl8/s72-c/Umbrien+August+2011+472.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-3440796183353931767</id><published>2011-07-18T14:03:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T15:13:31.687+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Bremerhaven Auswandererhaus Auswanderung'/><title type='text'>Das Streben nach Glück</title><content type='html'>Die Bordwand der Lahn ist beängstigend hoch. Möwen kreischen, das Wasser schwappt an die Kaimauer, dunkle Regenwolken ziehen am Himmel entlang. Mich fröstelt und im Gemurmel der anderen höre ich meine eigenen Sorgen, ihre Gesichter spiegeln meine Angst. Manche haben riesige Koffer dabei, Seesäcke und Kisten. Meine Tasche ist klein. Hemden, zwei Bücher, ein Foto meiner Familie. In meiner Hose eingenäht sind ein paar Scheine, die mir mein Vater zum Abschied gab.&lt;br /&gt;Ich bin Carl Lämmle, 17 Jahre alt, Sohn eines jüdischen Viehhändlers. Meine Mutter ist seit ein paar Monaten tot, ich habe wenig Chancen, Arbeit zu finden, noch weniger Chancen, mit dieser Arbeit mich auf die Dauer ernähren zu können. Die Hoffnungen, Deutschland könne zu einem demokratischen Staat zusammen wachsen, sind zerstoben. Die Herren sind noch immer Herren und die Knechte Knechte. Man darf nicht reden, nicht glauben wie man will, und wenn ich je mehr sein möchte, als ein armer Handwerker, dann muss ich dorthin gehen, wo das Streben nach Glück ein Menschenrecht ist: nach Amerika.&lt;br /&gt;Die Lahn ist ein Dampfschiff für Auswanderer und in ein paar Minuten werde ich an Bord gehen und in einer Stunde werden die Silhouette Bremerhavens und die Weser für immer aus meinem Blick verschwinden. Viele Jahre später werde ich die Filmindustrie -Hollywoods mitbegründen und Produzent so berühmter Filme wie "Ben Hur", "Im Westen nichts Neues" werden. Man wird mir einen Oscar verleihen, viele Artikel über mich verfassen und meinen Namen in Nachschlagewerke schreiben. Doch hier und jetzt in der "Stadt des Abschieds" zieht sich mir der Magen zusammen und die Endgültigkeit meines Schritts messe ich an der schier unüberwindlichen Größe, die von der Schiffsbordwand ausgeht.&lt;br /&gt;Mit einer echten Auswanderer-Identität wird jeder Besucher bedacht, der das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven besucht. Der mulitmediale Rundgang führt von der Wartehalle des Norddeutschen Lloyds über die Abschiedssequenz an der Kaimauer über die Galerie der 7 Millionen - so viele sind von Bremerhaven in die Ferne aufgebrochen - &amp;nbsp;hinein in das beengte Innere des Schiffs und endet schließlich an der Einwanderungsstation von Ellis Island, wo sich Besucher dem Einwanderungstest unterziehen können. Es ist eine emotionale Reise, auf der einem klar wird, wie viel Mut es braucht, das Bekannte hinter sich zu lassen und darauf zu vertrauen, in einem anderen Land glücklicher, reicher, zufriedener zu werden. Das Auswandererhaus erzählt daher nicht nur die Erfolgsgeschichten wie die von Carl Lämmle, sondern porträtiert auch Menschen, deren Träume unerfüllt blieben, die scheiterten, verzweifelten, manchmal zurückkehrten.&lt;br /&gt;Bremerhaven ist meine Geburtsstadt. An die Schiffe, die zu meiner Zeit schon lange nicht mehr vom Neuen Hafen mitten in der Stadt sondern von der auswärtigen Columbuskaje ablegten, kann ich mich noch gut erinnern. Meine Großmutter nahm mich mit, wenn wieder ein Schiff in Richtung New York abfuhr. 1974 verließ das letzte Auswanderschiff Bremerhaven.&lt;br /&gt;Zu denen, die ihr Glück in Amerika finden wollten, gehörte auch meine Großtante Auguste, die mit ihrem Mann Heinrich nach dem 1. Weltkrieg Deutschland verließ und in New York eine Bäckerei aufbaute. Augustes Heimweh war so gewaltig, dass man in meiner Familie noch heute erzählt, sie sei auf das Dach des Empire State Buildings gefahren, in der Hoffnung, von dort aus die Küste Europas sehen zu können. Die Bäckerei soll gut gelaufen sein, doch die seelische Gesundheit meiner Großtante war schließlich so ruiniert, dass sie mit ihrem Mann nach Deutschland zurück ging und fortan in Bremerhaven buk.&lt;br /&gt;Dass Bremerhaven und auch das Auswanderermuseum in Hamburg sich vor dem Mut der Emigranten verneigen, ist angemessen. Trotz der Bemühungen, die Realität dazustellen - die Wucht des Abschieds, die beengten und nicht hygienisch einwandfreien Verhältnisse im Schiffsinneren, die Kälte des Ankommens und die Unsicherheit der Zukunft- bleibt dennoch das Gefühl zurück, beim Auswandern handle es sich um ein großes Abenteuer, an dessen Ende ein besseres Leben steht.&lt;br /&gt;Auch heute verlassen Menschen Europa, Deutschland, vielleicht nicht mehr auf der Suche nach neuen Reichtümern, sondern nach einem anderen Leben. 12.500 sollen es im Jahr 2002 gewesen sein, wohl als verspätete Reaktion auf den IT-Crash der 90er. Die Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär-Zeiten sind zwar vorbei, mancher möchte heute gar eher vom Millionär wieder zum Tellerwäscher werden. Kein Land empfängt die Gestrauchelten, Gestrandeten, Verzweifelten, Verarmten, Unterdrückten dieser Welt heute noch mit offenen Armen wie es damals die Vereinigten Staaten taten. Europa zu verlassen, gibt es inzwischen wenig Gründe, außer man hat die Nase voll von der Konsum-Egotrip-Gesellschaft, dem Überfluss, dem Jugendwahn, den Privilegien-Hütern und der Chancenlosigkeit von Randgruppen. Umso begehrter ist Europa als Einwanderungskontinent. Doch mir scheint, wenn wir von jenen sprechen, die ihre Heimat, Freunde, Familie verlassen, um bei uns ihr Glück und ihr Auskommen zu finden, sprechen wir nicht von Mut und Hoffnung, von unglaublicher Zähigkeit und Pioniergeist. Statt dessen bangen wir ums unsere Pfründe, kategorisieren die meisten als "bloße" Wirtschaftsflüchtlinge und wollen das angeblich volle Boot nicht weiter beschweren. Die Geschichten der Einwanderer werden nur flüchtig erzählt, natürlich wissen wir von der Todesangst jener, die über das Meer von Afrika an Europas Küsten kamen. Aber hören wir diese Geschichten mit Hochachtung, werden die Ursachen und Beweggründe vermittelt?&lt;br /&gt;Das Deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven erweitert sein Gebäude und damit seine Ausstellung. Demnächst wird dort Forschung über die Einwanderer nach Europa betreiben, werden endlich auch deren Geschichten erzählt und wird ebenso mulitmedial die Emotionslage erzeugt, in der sich diese Menschen befinden. Statt Carl Lämmle, der gewiefte und später erfolgreiche junge Mann, werde ich dann vielleicht eine Libyerin im mittleren Alter sein, die sich das Geld für eine Überfahrt von ihren Familienmitgliedern erbettelt hat und dann irgendwo in Europa als illegale Putzfrau landet. Gut werde ich mich bei diesem Identitätswechsel bestimmt nicht fühlen.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-3440796183353931767?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/3440796183353931767/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/07/das-streben-nach-gluck.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3440796183353931767'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/3440796183353931767'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/07/das-streben-nach-gluck.html' title='Das Streben nach Glück'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-724562417293057400</id><published>2011-07-06T10:58:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T15:09:09.371+01:00</updated><title type='text'>Lesungen mit Nackideis</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Gerade las ich mal wieder über Nacktlesungen. Diese, über die ich las, fand in Skandinavien statt. Da erinnerte ich mich, dass schon zum Besuch von Barack Obama in Berlin dort der Heilige Gral der Literatur der Nacktheit preisgegeben wurde. Irgendein Ramschverlag von schlechter Pornoliteratur, die er Erotica nannte, hatte in der Nähe der Siegessäule, wo Obama große Worte fand, die Schauspielerin Ludmilla von Hanfstengel (welch ein Name!) und einen Autor namens Holger Nielson (der Bruder von Nils Holgersson?) &amp;nbsp;aus der Nielson‘schen Neuerscheinung „Porno Royal“ lesen lassen. Das Internetvideo dieser Lesung zeigt zwei nackte Menschlein, die mit dünnen Stimmchen gegen Obama anlesen. &amp;nbsp;Der Ton ist schlecht, und alles, was zu hören ist, sind gelegentlich umgangssprachliche Begriffe für Geschlechtsteile und Satzfetzen, die nicht einmal meiner Oma die Schamröte ins Gesicht treiben würden. Spießer-Schweinkram, allerhöchstens.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Auch Sharon da Vale, Pornodarstellerin, liest gerne splitternackt vor dem Brandenburger Tor. Und das so frierend und talentfrei, dass man ihr wünscht, sie bekäme demnächst genügend Filmangebote, sich diesem Nebenverdienst nicht mehr widmen zu müssen. &lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Dass die Menschheit immer mehr dem Irrsinn verfällt und das Dümmste immer noch nicht dumm, das Peinlichste nicht peinlich genug &amp;nbsp;ist, ist nicht neu. Aber öffentliche Hotspot (übersetzt: heißer Fleck – haha, wie erotisch)-Nacktlesungen erwecken in mir den Wunsch, wie der Held aus Martin Sutters Roman „Die dunkle Seite des Mondes“&amp;nbsp; künftig allein im Wald zu leben.&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Schlimm ist, dass Menschen wie ich, die um keinen Preis der Welt jemals versehentlich in eine Nacktlesung geraten möchten – nicht aus Prüderie, sondern aus Respekt vor dem geschriebenen Wort – in der Auswahl ihrer Reiseziele eingeschränkt werden. Nacktleser, so las ich, suchen sich nämlich gerne Orte aus, die einen Phallus symbolisieren. Und: sie beschränken sich nicht mehr auf „Erotica“, sondern vergreifen sich an „Weltliteratur“. Sollte diesem Wahnsinn nicht bald per Gesetz zum Schutze der Literatur und der Ästhetik Einhalt geboten werden, sind Siegessäule und Funkturm in Berlin, der Pariser Obelisk, das Empire State Building, jedwede griechisch-antike Säule mir als Reiseziel versagt. Ich stelle mir vor, ich spaziere unschuldig durch New York und plötzlich wehen Brüste und Schniedel im Wind und dünne Stimmchen rezitieren Walt Whitman. Oder ich gehe an einem spitzen &amp;nbsp;Hochhaus in Frankfurt vorbei und ein bekloppter Nackter haucht mir Goethe entgegen. &amp;nbsp;In Athen muss man Ovid, in London Shakespeare, &amp;nbsp;in Rom Homer von Unbekleideten erdulden. Um solches nicht ertragen zu müssen, bleiben nur noch Orte ohne ragende Dinge. Dänemark. Das Wattenmeer. Die Lüneburger Heide. Das ostfriesische Flachland. Oder gelten Windräder als Phallussymbol?&amp;nbsp;&amp;nbsp; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoPlainText" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-724562417293057400?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/724562417293057400/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/07/lesungen-mit-nackideis.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/724562417293057400'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/724562417293057400'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/07/lesungen-mit-nackideis.html' title='Lesungen mit Nackideis'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-7594322691750396014</id><published>2011-06-26T17:50:00.000+02:00</published><updated>2011-06-26T17:50:32.597+02:00</updated><title type='text'>Wasserleichen im Keller - Nachtrag zum Fall Davina Seyfried</title><content type='html'>Als ich Kind war, galt es noch als Mutprobe, "Polizei, faules Ei" zu rufen. Nun ist das ein paar Jahre her, und auch das damals dreiste Wort "Bulle" ist inzwischen so umgangssprachlich, dass nicht einmal die damit bezeichneten es noch schlimm finden.&lt;br /&gt;Bedenklicher ist da schon das Aussterben dieser Bullen, nämlich der Personlabbau bei der Polizei. In den vergangenen 11 Jahren sind 10.000 Sellen gestrichen worden, das sind 3,4 Prozent aller Beamten. Und erst vor ein paar Tagen hat Sachsens Innenminister einen weiteren Abbau angekündigt. In seinem Bundesland kommt nämlich noch ein Polizist auf 359 Bewohner, während der Bundesdurchschnitt bei 433 Bewohnern liegt. Wahrscheinlich hat der Innenminister die im vergangenen Jahr erstellte Studie der Uni Potsdam zur Belastung der Polizei im Land Brandenburg nicht gelesen. In dieser steht geschrieben, die Folge von Personalabbau seien &amp;nbsp;Überalterung und ein hoher Krankenstand. Bei der Kriminalpolizei beispielsweise, ist ein Beamter 35 Tage im Jahr krank, was bedeutet, er ist über einen Monat nicht im Dienst.&lt;br /&gt;Nun wird, sagen wir mal, in Brunsbüttel eine Wasserleiche gefunden. Jung, weiblich, gut angezogen. Hat vermutlich zum Zeitpunkt ihres Auffindens zwei Wochen im Wasser gelegen, so genau lässt sich das nicht feststellen, weil die Tote im November angespült wird, und da ist das Wasser schon konservierend kalt.&lt;br /&gt;Zuständig für diesen Fall ist die Polizei in Heide, eine Bezirksdienststelle, die dem Landeskriminalamt Schleswig-Holstein untergeordnet ist. Wie der Krankheitsstand zu jenem Zeitpunkt auf dem Heider Revier war, darüber ist nichts bekannt. Bekannt ist nur, dass die Beamten pflichtgemäß eine Beschreibung der Toten und ihrer Bekleidung an alle Landeskriminalämter sandten. Niemand reagierte, und nun ist strittig, ob die Beschreibung der Schleswig-Holsteiner falsch war oder die, die die Bremer Polizei von der seit dem 13. Oktober vermissten Davina Seyfried heraus gab.&lt;br /&gt;Bekannt ist nur das Ergebnis dieses Versäumnisses. Sieben Monate hat es danach gedauert, bis die Vermisste aus Bremen und die Tote aus Brunsbüttel zusammenfanden und die Polizei einen Ermittlungserfolg bekannt gab. Zunächst. Denn schon wenig Tage später war sie in Erklärungsnot, nicht zuletzt, weil Davinas Eltern, Ute Seyfried und Lüder de Boer, nicht in stiller Trauer versanken, sondern kämpferisch nachhakten, was denn schief gelaufen sei.&lt;br /&gt;Bereits seit Januar war im Datensystem ein DNA-Muster der Vermissten, auch von der Toten gab es ein DNA-Muster. Das landete jedoch an der falschen Stelle, die Daten wurden nicht eingespeist und der Fall der Brunsbütteler Wasserleiche dümpelte in Schubladen dahin, womöglich waren die Schubladenbesitzer krank geschrieben. Was, wer, warum am 7. Juni jemand noch einmal auf den Fall schaute, das DNA-Muster endlich in den Computer gab und bereits wenige Minuten später sehen konnte, dass die Tote die langvermisste Davina Seyfried ist, weiß man nicht. In Kiel tagte ein Ausschuss zum Fall Davina Seyfried, der Innenminister entschuldigte sich bei Lüder de Boer für die vielen Versäumnisse, der Sprecher für Polizeiangelegenheiten im Ministerium zählte die Pannen detailliert auf. In der Haut der jeweiligen Sachbearbeiter, die nun disziplinarisch belangt werden, möchte man nicht stecken, noch weniger aber in der Haut von Eltern, die sieben Monate lang engagiert und mit vielen Aktionen nach ihrer Tochter suchten und aus jedem neuen Hinweis, jemand habe Davina gesehen, neue Hoffnungen schöpften. Dabei war ihre Tochter lange verbrannt, die Asche in einer Urne stand in einer Friedhofskapelle im Regal, versehen mit einer Nummer. Wo, das musste man bei der Polizei erst nachforschen, zum Glück hatte jemand eine Aktennotiz gemacht, sonst hätte Davinas Familie sich vielleicht unter den unbekannten Toten und ihren Urnen eine aussuchen dürfen.&lt;br /&gt;Der Sprecher des LKA in Kiel hat das Wort Ermittlungserfolg übrigens zurück genommen. Gegenüber Lüder de Boer sagte er, er habe anfangs nicht genügend Informationen über den Fall gehabt. Bei dem Krankheitsstand kann ihm zu Gute gehalten werden, dass der eine oder andere Informationszulieferer nicht anwesend war. Deshalb wäre es gemein, den Kinderspruch vom faulen Ei zu zitieren. Besser ist da schon die Empfehlung: Wenn man nichts weiß, einfach mal den Mund halten.&lt;br /&gt;In den Pressemitteilungen der Heider Polizei taucht die Brunsbütteler Wasserleiche gar nicht erst auf. An den fraglichen Tagen wird über eine Sachbeschädigung, einen Einbruch und eine Klopperei berichtet. Verheimlicht die Heider Polizei also ihre Leichen? Versteckt sie im Keller? Lohnt es sich, nachzufragen, wie viele unidentifizierte Leichen es denn dort noch gibt. Oder auch: wie viele Bürger auf einen Beamten kommen? Es dürften deutlich weniger als im Durchschnitt sein. In Heide! Echt mal.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-7594322691750396014?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/7594322691750396014/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/wasserleichen-im-keller-nachtrag-zum.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7594322691750396014'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/7594322691750396014'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/wasserleichen-im-keller-nachtrag-zum.html' title='Wasserleichen im Keller - Nachtrag zum Fall Davina Seyfried'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-8625169204266140769</id><published>2011-06-11T09:58:00.000+02:00</published><updated>2011-06-12T17:34:22.708+02:00</updated><title type='text'>Von Scheindemokratie zu Militärdiktatur?</title><content type='html'>&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-FdctWzIcw-I/TfDBhhA2erI/AAAAAAAAAxM/fAwOZ2UuEU8/s1600/%25C3%2584gypten2011+022.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-FdctWzIcw-I/TfDBhhA2erI/AAAAAAAAAxM/fAwOZ2UuEU8/s320/%25C3%2584gypten2011+022.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;Kairo, Ägypten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mushi ist in Ägypten kein Kosename für Katzen und Frauen und auch kein Ausdruck für die weibliche Anatomie, sondern das arabische Wort für „alles klar.“&lt;br /&gt;Mushi ist natürlich in diesen Tagen gar nichts in Kairo. Kaum setzt man sich ins Taxi, erzählt einem der Fahrer all seine Not, als sei man die Sozialfürsorge und die psychiatrische Nothilfe in einem. Kein Geld, die Wohnung müsste renoviert werden, die Frau nörgelt wegen der unbezahlten Rechnungen, die Kinder brauchen neue Schuhe, das Auto neue Reifen, aber wie denn, in einer Stadt ohne Touristen, und was ich denn glaube, wann die Europäer wohl zurückkämen. Ich tröste. Bestimmt bald. Wären die Wahlen erst mal vorüber und die normale Ordnung wieder hergestellt, sei bestimmt alles wieder gut.&lt;br /&gt;Mushi fühlt sich auch der Inhaber einer großen Reiseagentur nicht, der außerhalb der Stadt in einem schicken neuen und bewachten Wohnviertel wohnt, viele teure Villen und dazwischen riesige Grünflächen, die Luft ist gut dort, die Sichel des Mondes nicht durch den Smog verwischt, und man kann unbesorgt mitten in der Nacht spazieren gehen, weil an jeder Ecke ein Wächter auf einem Plastikstuhl sitzt.&lt;br /&gt;Der Geschäftsmann ist Kopte, seine Frau auch. Er hat zwei Kinder, die an einer guten Uni studieren, in seinem Garten hat er 20 verschiedene und seltene Palmen stehen, die einige Zehntausend Dollar wert sind. Außerdem sammelt er Whiskysorten und baut zurzeit an einer Luxusyacht, auf der er betuchte Touristen den Nil hinauf fahren will. Sofern nicht die Muslim-Brüderschaft an die Macht kommt, schränkt er ein, denn wenn das geschehe, dann packe er seine Sachen.&lt;br /&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-xEG3kfGL2Hg/TfDBep2zDxI/AAAAAAAAAxI/mcYTKwF5mno/s1600/%25C3%2584gypten2011+008.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-xEG3kfGL2Hg/TfDBep2zDxI/AAAAAAAAAxI/mcYTKwF5mno/s320/%25C3%2584gypten2011+008.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Die Muslimbrüder sind in der Tat Ägyptens meist diskutiertes Thema. Die einen, das sind jene, die Geld und Privilegien zu verlieren haben, hoffen, niemals erhalten diese eine Mehrheit, die anderen wiegen zweifelnd den Kopf und werfen ein, immerhin sei das die bislang bestaufgestellteste Partei und bekannt für viele Sozialprojekte. Angesichts der großen Anzahl armer Ägypter sicherlich ein wichtiger Punkt. Ohne eine soziale Umverteilung von Kapital wird Ägypten kaum Frieden finden, und wenn die Mehrheit der armen Bevölkerung sich bei den Muslimbrüdern da gut vertreten sieht, ist ihre Wahl nicht unwahrscheinlich. Die dritten, das sind die Intellektuellen, sagen, lass sie doch, solange wir eine demokratische Verfassung haben und sie sich daran halten, ist alles gut. Insgesamt aber ist man der Ansicht, der Westen solle sich das raushalten, das sei eine rein ägyptische Angelegenheit.&lt;br /&gt;Ägyptens Zukunft wird zurzeit in den Medien wie ein Lackmus-Test für Revolutionen und die Demokratiefähigkeit in Nordafrika gehandelt. In einer Kolumne für die Süddeutsche Zeitung mokiert sich der Schriftsteller Khaled-al-Khamissi, die Ägypter hätten es mit ihrer Revolution von einer Scheindemokratie zu einer offenen Militärdiktatur gebracht, demnächst würde man mit Hilfe der Großmächte für den alten Clown einen neuen &amp;nbsp;hinstellen, diesmal einen der nett und still sei. &lt;br /&gt;Wie die meisten Ägypter ist dieser Mann, in dessen Haus unter Palmen wir essen, sehr gastfreundlich. Der Tisch ist üppig gedeckt, der Wein ist gut, der Whisky sowieso. Der Mann sagt, er ginge vielleicht nach Kanada oder Australien, und verwundert fragt man, warum denn nicht Europa, aber da winkt er ab: „Europa ist am Ende, das lohnt sich nicht mehr“.&lt;br /&gt;Mushi ist es dagegen im ägyptischen Museum. Klar ist nachvollziehbar, dass die Ägypter ihren Massentourismus wieder haben wollen, sich besser fühlen, wenn Gruppe um Gruppe durch das ägyptische Museum schiebt und Särge und Scherben bestaunt. Doch ohne Touristen ist das Museum viel schöner. Eine ganze halbe Stunde oder wenn man wollte auch noch länger, kann man bei der Maske von Tutanchamun stehen, kann ganz allein, mit an den Schaukasten gedrückter Nase, seinen Schmuck und die Spielsachen bestaunen, die er als Kind hatte, mit eben solchem Staunen kann man vor den großen Statuen stehen, die goldenen Särge besehen, die Mumien, einfach alles. Kein russisches Großmaul, deutscher Klugscheißer, britische Hysterikerin, französischer Nasaltourist stört die Intimität, schubst einen von den Schaukästen fort. Ungeordnet die Exponate, alles kreuz und quer, zu viel in einem Raum, so klagt man in Kairo schon lange über den Zustand des Museums. Doch wer in diesen Tagen dort durchgeht, fühlt sich wie Indianer Jones, möchte Schurken durch die Räume jagen und Geheimschriften entziffern.&lt;br /&gt;Eine der neueren Attraktionen des alten Kairoer Museums ist eine Blutspur, die von einem der Plünderer stammt. Dieser hat einen Schaukasten eingeschlagen und sich dabei verletzt. Nun ist der Diebstahl altertümlicher Relikte wirklich unfein und deshalb hat der Minister für Altertum geschworen, die DNA untersuchen zu lassen und an alle Besucher einer Erklärung zu reichen, die den Dieb an den Pranger stellt. Leider ist diese ministerliche Anordnung wohl nicht an das Museumspersonal weiter gereicht worden, denn als wir heute die Blutspur zu sehen wünschten, wurde uns mitgeteilt, man habe gerade alles geputzt, auch das Blut. Mushi?&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-8625169204266140769?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/8625169204266140769/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/kairo-agypten-mushi-ist-in-agypten-kein.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8625169204266140769'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/8625169204266140769'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/kairo-agypten-mushi-ist-in-agypten-kein.html' title='Von Scheindemokratie zu Militärdiktatur?'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-FdctWzIcw-I/TfDBhhA2erI/AAAAAAAAAxM/fAwOZ2UuEU8/s72-c/%25C3%2584gypten2011+022.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-746705434643780668</id><published>2011-06-10T09:56:00.001+02:00</published><updated>2012-01-11T10:04:06.130+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Davina Seyfried vermisste Frau Depressionen Polizeiversagen'/><title type='text'>Kleines Gebet für Davina Seyfried</title><content type='html'>Hier sollte heute eine weitere Geschichte aus Kairo stehen. Vom Preis der Revolution. Doch manchmal wird die journalistische Distanz von persönlicher Betroffenheit überlagert. Gestern Abend kam eine Mail, in der stand, Davina Seyfried sei tot. "Unser Winnchen hat es geschafft", schrieb die Mutter.&lt;br /&gt;Über Davina, eine 26jährige Referendarin, hatte ich einen Artikel für die Brigitte geschrieben. Die junge Frau, hübsch, ehrgeizig, talentiert und lebenslustig, fiel im vergangen Jahr in eine tiefe Depression. Sie magerte ab, kam in eine psychiatrische Klinik und verschwand aus dieser am 23. Oktober 2010. Seither haben die Eltern nichts unversucht gelassen , ihre Tochter zu finden. Sie durchkämmten Wälder, verteilten Flugblätter, initiierten Aktionen, um die Aufmerksamkeit auf den Fall zu lenken. Sie kooperierten mit der Presse, gingen jedem Hinweis nach und hofften immer, ihrer Tochter ginge es gut, sie habe in ihrer Depression Zuflucht bei jemandem gefunden. Davinas Schwester erwartet ein Baby, die Nachricht, wenn über die Presse verbreitet, würde die Verschwundene vielleicht nach Hause bringen, so dachte die Familie bislang. Noch vor einigen Wochen durchsuchten die Seyfrieds mit Freiwilligen das Gelände der Klinik, aus der Davina verschwand und fanden dort tatsächlich das mobile Telefon. Neue Hoffnung, die daraus entstand, ebenso wie aus jüngsten Hinweisen, Davina sei in Rostock gesehen worden. Ein Mann behauptete, sich dort auf dem Bahnhof lange mit ihr unterhalten zu haben. Dann gab es vor einigen Tagen den Anruf eines sogenannten Mediums in der Brigitte-Redaktion, die Frau erzählte eine wahre Räuberpistole, in der ein Verschlag im Wald, ein gefährlicher Mann und viele andere Spukelemente vorkamen. Und nun stellt sich heraus, dass Davinas Leiche bereits zwei Wochen nach ihrem Verschwinden in Brunsbüttel angespült wurde, als unbekannte und aufgrund ihres Zustands auch nicht mehr identifizierbare Wasserleiche. Zuständig: das LKA in Schleswig-Holstein. Dort erstellte man eine DNA-Analyse, bevor man die junge Frau verbrennen ließ. Eine DNA-Analyse hat auch die Bremer Polizei, die mit dem Fall Davina betraut war, erstellen lassen. Einen Abgleich hat das LKA Kiel jedoch erst vor einigen Tagen vorgenommen und das auch nur, weil sich offenbar ein Kollege aus Magdeburg mit dem Fall beschäftigte und Spuren verglich. Die bisherige Erklärung des LKA lautet, solche Dinge dauerten eben lange. &lt;br /&gt;Bei welchem Bestatter die Urne ihrer Tochter steht, wissen die Seyfrieds noch nicht. "Fremdverschulden ausgeschlossen" heißt es im Polizeibericht. Davina ging freiwillig ins Meer. Seit ich die Seyfrieds interviewte, blieb Davina, blieb ihre Familie in meinem Kopf. Die Seyfrieds mit ihrem bürgerlich-wertebewussten Lebensentwurf, mit dem Idyll, welches sie sich auf dem Lande geschaffen hatten, mit ihrer engen Bindung aneinender und dem liebevollen Umgang miteinander, boten Identifizierungspotential. Ich sah in ihnen meine Familie. Davinas Verschwinden rührte an meine eigenen Verlustängste.Ich hatte gehofft, es könne ein glückliches Ende geben. Geschichten sollten eine Meta-Ebene haben. Diese hat keine. Sie ist nur ein kleines Gebet für Davina, der das Leben soviel gab und die es doch nicht ertrug.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-746705434643780668?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/746705434643780668/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/kleines-gebet-fur-davina-seyfried.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/746705434643780668'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/746705434643780668'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/kleines-gebet-fur-davina-seyfried.html' title='Kleines Gebet für Davina Seyfried'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-1851919940874565644</id><published>2011-06-09T15:00:00.002+02:00</published><updated>2012-02-26T15:06:39.914+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tahrir Platz Ägypten Social Media Freiheit Revolution'/><title type='text'>Methods of freedom</title><content type='html'>&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-dbGUcLCvXwo/TfDB4TzlaDI/AAAAAAAAAxk/uVsTYtpOdQw/s1600/%25C3%2584gypten2011+066.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://3.bp.blogspot.com/-dbGUcLCvXwo/TfDB4TzlaDI/AAAAAAAAAxk/uVsTYtpOdQw/s640/%25C3%2584gypten2011+066.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;Kairo,Ägypten&lt;br /&gt;Wie sich aus jeder Krise eine Geschäftsidee machen lässt, zeigen die Souvenirverkäufer am Tahrir Platz. Neben den übliche „I love Egypt“ Aufdrucken auf den Andenken-T-Shirts gibt es jetzt den griffigen Slogan&lt;br /&gt;„Methods of freedom: Youtube, twitter, facebook, google.“ Knackiger lässt sich die Rolle der Social Media für die ägyptische Revolution kaum zusammenfassen. Leider bringt die Slogan-Findigkeit wenig fürs Geschäft. 60 Prozent der Touristen, die noch im vergangen Jahr kamen, bleiben Kairo in diesen Tagen fern.&lt;br /&gt;Dabei ist es wirklich nett hier, nicht nur ruhiger als sonst - &amp;nbsp;sofern man in einer Stadt, in der der Durchschnittsautofahrer siebenmal pro Minute auf die Hupe geht, überhaupt von ruhig sprechen kann - &amp;nbsp;sondern auch freundlich, fröhlich. Smile, rufen die Bewohner den schlendernden Touristen entgegen, und gehen mit gutem Beispiel voran. Das erzeugt eine heitere Atmosphäre, und wer sich mitreißen lässt, hat ein wenig den Eindruck, auf einer andauernden Revolutionsparty zu sein.&lt;br /&gt;Und tatsächlich ist das Revolutionäre noch nicht vorbei, vielleicht fängt es erst ein. Eine Art Freiheitstaumel liegt über der Stadt, der sich unter anderem darin manifestiert, dass entlang des Nil-Ufers Tee und Falafel-Verkäufer ohne Lizenz stehen, und das mag nur eine Kleinigkeit sein, doch es zeigt, dass dies eine Zeit ist, in der alles möglich erscheint. Auch die Demokratie.&lt;br /&gt;Eine gewichtige Rolle in der Entwicklung wie auch in der Erzeugung heiterer Stimmung übernimmt die ägyptische Jugend. Fast 70 Prozent der Bevölkerung besteht aus unter 30jährigen. Dass sie die Beherrscher der neuen Medien sind, die Master von twitter und facebook, und damit ein festgefahrenes Regime unterhöhlen konnten, macht sie stolz. Ihre Eltern, so erzählen sie es, hatten lange resigniert und sich arrangiert. Und nun auf einmal haben diese jungen Wilden aufgebrochen, was unaufbrechbar erschien. Und strahlen vor Zuversicht, allen Problemen zum Trotz.&lt;br /&gt;An der deutschen Schule der Borromäerinnen gibt es in diesem Jahr keine einzige deutsche Schülerin. Was nur äußerlich auffällt, denn das Deutsch der ägyptischen Schülerinnen dort ist bestens. Unterricht findet nach dem Lehrplan Baden-Württembergs statt, gerade hat die Theatergruppe den Hauptmann von Köpenick inszeniert und die Mädchen der 10b können Kafka nicht ausstehen. 35 Prozent der Schülerinnen kommen aus koptischen Familien, die anderen sind muslemisch. Alle aber stammen aus der Oberschicht und manche dieser Familien fürchten nun um ihre Privilegien. Oder hatten sich so eng mit dem Mubarak-Regime verbandelt, dass dessen Fall nun auch ihrer ist. Einige Stühle in den Reihen sind bereits leer. Die jungen Schülerinnen wissen um die Furcht ihrer Eltern vor der Instabilität, ihrem Enthusiasmus für die Revolution tut das keinen Abbruch. Politisiert seien sie nun, erwachsener, mit einem Gefühl für Verantwortung. Wir sind dankbar für die Freiheit, &amp;nbsp; solche Sätze kommen aus den jungen Mündern. &lt;br /&gt;Klar macht eine Revolution noch keine Demokratie, dieser Illusion gibt man sich hier nicht hin. Noch immer wird gestreikt, sich versammelt, öffentlich gefordert. Ab dem späten Nachmittag muss man in Kairo Umwege fahren, um überhaupt irgendwo wieder anzukommen. Grüppchen und Gruppen von Demonstranten legen den Verkehr auf manchen Straßen lahm. Nicht nur der Tahrir-Platz ist Revolutionsort geblieben, auch vor der Fernsehstation campieren die Menschen am Rande des ohrenbetäubenden Verkehrs mit Kind und Kegel. So ernst manche der Anliegen sind – Gerechtigkeit für die Ermordeten, höhere Löhne, ein besseres Rechtssystem - so sehr hat man dennoch den Eindruck, es handle sich um ein Freizeitvergnügen. Wären da nicht die Mannschaftswagen der Polizei, deren Anblick furchteinflößend ist. Nur der Anblick, sagen die Ägypter indes, und rühmen, wie sich die Polizei von einem Instrument der Macht Mubaraks zu einer Truppe von freundlichen Menschen wandelte. &amp;nbsp;Ja, so schnell kann’s gehen, dass man nicht mehr des einen Knecht ist.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-g-VVJuLkbOw/TfDBoZqAPxI/AAAAAAAAAxY/KnpTdr_ZJcA/s1600/%25C3%2584gypten2011+053.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://4.bp.blogspot.com/-g-VVJuLkbOw/TfDBoZqAPxI/AAAAAAAAAxY/KnpTdr_ZJcA/s320/%25C3%2584gypten2011+053.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Am Tahrir-Platz sieht man keine Polizei. Dort hat man der Jugend die die Verantwortung dafür übertragen, eventuelle Quertreiber und solche, die durch Gewalt dem Anliegen schaden wollen, in den Griff zu bekommen. Überhaupt dreht sich in diesen Tagen fast alles um die Jugend, will jeder die Facebook-Generation motivieren. Am Kairoer Goethe-Institut hat man jugendlichen Bloggern einen leerstehenden Raum gegeben, dessen Verwendung sie selber bestimmten. Tahrir-Lounge heißt dieser Ort, der vom namensgebenden Platz nur einige Dutzend Meter entfernt liegt. Geschätzte 300 Blogger gibt es zurzeit in Kairo, ein halbes Dutzend davon mit prominenten Namen und nach wie vor von Repressalien bedroht. Längst hat der anfängliche Freiheitsrausch auch Dämpfer erhalten, sind die ersten Blogger auch von der neuen Regierung verhaftet worden und die Erkenntnis, dass es lange brauchen wird, im neuen Ägypten Meinungsfreiheit zu etablieren, kam schnell und war bitter. Von Enttäuschung aber kann keine Rede sein. „Je mehr sie uns unterdrücken, desto stärker werden wir“, sagt der Leiter eines Blogger-Workshops und erntet dafür Beifall.&lt;br /&gt;Einer von denen, die die Möglichkeiten der Lounge nutzen, ist der junge Fotograf Bashoy Fayze, dessen Fotos von der Revolution die Wände schmücken. Und im doppelten Sinne nachdenklich machen. Zum einen durch ihre ganz eigene Aussage. Für den europäischen Betrachter auch deshalb, weil es stille Fotos sind, auf denen entschlossene, aber gefasste Menschen abgebildet sind. Diese Fotos unterscheiden sich so sehr von den Bildern wütender, hysterischer, schreiender Menschen in den deutschen Magazinen, dass einem ganz schwindlig wird vor der Manipulation und Angstschürung der deutschen Boulevard-Presse.&lt;br /&gt;Wie diese europäische Paranoia hier in Ägypten wahrgenommen wird, verdeutlich ein Gespräch mit dem Vize-Tourismusminister, dessen begeisterter Elan für einen Ausweg aus der touristischen Krise jeden deutschen Politiker wie eine Schnarchnase erscheinen lässt. Für die Flucht der Ausländer während der Revolutionstage hat er Verständnis, weniger aber für die Reisewarnungen, die manche Länder noch immer für Ägypten ausgeben. Schließlich sei das hier eine politische Angelegenheit, kein Terrorismus, sagt er, und Touristen seien nicht bedroht. Wohl gebrüllt Löwe. &amp;nbsp;Den ausländischen Airlines diese Einstellung schmackhaft zu machen, ist man beim Tourismusministerium dazu übergegangen, bis zu 50 Prozent der leeren Sitze in Flugzeugen zu bezahlen, bis zu 250 Dollar pro Sitz. Eine Investition, die sich der Rechnung des Ministers zufolge lohnt. Bei einem 11prozentigen Anteil der Tourismusindustrie am Bruttosozialprodukt Ägyptens, macht das Sinn.&lt;br /&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-zd1xiZNHDE4/TfDBjVT9dQI/AAAAAAAAAxQ/BFgFZicVQbs/s1600/%25C3%2584gypten2011+031.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-zd1xiZNHDE4/TfDBjVT9dQI/AAAAAAAAAxQ/BFgFZicVQbs/s320/%25C3%2584gypten2011+031.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Dass nicht alle von der Revolution begeistert sind, hörte man ja schon. Mubarak hatte auch seine Fans. Aber wer diese Männer sind, das lernte man nicht. Hier also die Antwort: Es sind die Kameltreiber, die an den Pyramiden und an dem Sphinx ihre Kundschaft für ein paar Dollar auf dem Rücken ihrer Tiere reiten lassen oder manchmal diese auch nur für ein Foto hochhieven. Von diesen Kameltreibern erzählt man, sie seien währende der Revolution eingekauft, in die Stadt gebracht und mit ihren Tieren auf die Demonstranten losgelassen worden. Zusammen mit Mördern und Dieben, die Mubarak aus dem Gefängnis entließ. Keine feine Gesellschaft also, in die sich die Kameltreiber begaben und da möchte man doch gleich doppelt so ungerne eines dieser dümmlichen Fotos machen lassen, wo man verunsichert auf einem Kamelrücken hängt und sich gegen die Hitze eines der Arabertücher (aktueller Preis: 5 Dollar, locker auf die Hälfte runterzuhandeln) über den Kopf legt.&lt;br /&gt;Die ägyptischen Kamele kommen übrigens nicht aus Ägypten, sondern fast alle aus dem Sudan. Das dort gezüchtete Kamel gilt als stark und widerstandsfähig und erbringt zurzeit gut 1000 Dollar. Als Zahlungsmittel für Frauen ist es nicht mehr en vogue, jetzt nach der Revolution schon gar nicht mehr.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-1851919940874565644?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/1851919940874565644/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/methods-of-freedom.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1851919940874565644'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1851919940874565644'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/methods-of-freedom.html' title='Methods of freedom'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-dbGUcLCvXwo/TfDB4TzlaDI/AAAAAAAAAxk/uVsTYtpOdQw/s72-c/%25C3%2584gypten2011+066.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-1816657777297743817</id><published>2011-06-01T13:37:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T14:32:27.545+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tepco Hopkins Tokio Tokyo Gambaroo'/><title type='text'>Talking about Tokyo</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal"&gt;Tokyo, Japan&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Heute sah ich einen Film mit dem wundervollen Anthony Hopkins, dessen faltiger Sexappeal den aller androgynen Sixpack-Jungstars in den Schatten stellt. In der Wildnis Alaskas gestrandet, nimmt er es persönlich mit einem Bären, seinen Lebenslügen und einem Rivalen um seine Frau auf. Keinen Moment weicht dabei die Contenance aus seinen Augen, für deren Farbe ich gerne ein Wort finden würde, ein anderes als das blöde stahlblau. Was ein Mensch kann, kann auch ein anderer, sagt Hopkins, als er dazu übergeht, mit einem angespitzten Ast einen blutrünstigen Bären nach Indianerart anzugreifen, und ich war begeistert. Denn dieser Spruch scheint mir so weise, so nützlich. Ich will ihn mir für die Notfälle des Lebens merken, will in Zukunft auch furchtlos Bären töten, allein weil ich weiß, es ist schon anderen gelungen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Was ein Land kann, kann auch ein anderes, ist eigentlich die logische Folge einer solchen Weisheit. In einer deutschen Zeitung schreiben sie, die Koalition wolle nun den totalen Atomausstieg, 2020 solle das Licht im letzten Kraftwerk ausgehen. Ich glaube, es ist stahlblaues Licht, aber das tut nichts zur Sache. In derselben Zeitung - es ist die FAZ - deren Politikteil man ebenfalls nur in Notsituationen lesen sollte und den bei klarem Verstand zu überstehen ein wenig wie Bären töten ist, schreiben sie, im Atomkraftwerk Fukushima sei schon wieder eine Pumpe ausgefallen, was Tepco schon länger bekannt sei als der Öffentlichkeit. Sie schreiben auch, Tepco mache sich Sorgen um den Taifun, denn ehrlicherweise müsste der Konzern zugeben, dass die Abdeckung des Kraftwerks gegen Wind und Regen ihnen nicht gelungen sei. Soll heißen, der atomare Regen ist kein Gespinst meines Taxifahrers und der Jugendlichen auf dem Sendai-Bahnhof, sondern Wirklichkeit. Zugleich schreibt die FAZ - die in ihrer Kommentarspalte den geplanten deutschen Atomausstieg so madig macht, dass man den Kommentator gerne mal ein paar Tage in Fukushima aussetzen würde - &amp;nbsp;der Meeresboden um Sendai herum sei inzwischen radioaktiv verseucht. Verseuchter, als bislang zugegeben, und während ich noch grüble, ob es logisch und sprachlich richtig ist, "verseucht" zu steigern, bleiben mir die getrockneten Lachsstreifen, auf denen ich so gerne kaue, im Hals stecken. Ein Blick auf die Tüte zeigt zwar, ab wann diese Fischstreifen nicht mehr genießbar sind, aber nicht, ob sie von vorneherein ungenießbar waren. Möglich also, dass ich nun auf Cäsium und Plutonium und sonstwelchen -Ums kaue und mir in Zukunft die Biokost zu Hause sparen kann. Und das ist eigentlich nur deshalb zumindest ein bisschen witzig, weil die Diskrepanz zwischen der japanischen Ach-Wirklich-Gelassenheit und der deutschen Ach-Du-Schreck-Hysterie so groß ist, dass man in dem Zwischenraum ziemlich wie atomaren Müll lagern könnte.&amp;nbsp; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Im Independant lese ich (ich lese viel, um meinen europäischen Besorgtheits- und Betroffenheitslevel aufrecht zu halten, was nicht gut ist, denn läse ich nicht, schmeckten mir die Fischstreifen viel besser), Mütter mit Babys verließen Tokyo in Richtung Süden, wollten erst einmal bei dortigen Verwandten leben.&amp;nbsp;Im Süden der&amp;nbsp;&amp;nbsp;Hauptinsel Honshu liegt auch Hiroshima. Dass ausgerechnet dort mehr Sicherheit vor Radioaktivität bestehen soll, ist in meinen Augen weniger eine Absurdität, als eine versöhnliche Geste der Geschichte. Frappierender ist da schon, dass Hiroshima breite Insel und Fukushima &amp;nbsp;- nomen non est omen - glückliche Insel heißt und beide Orte für immer mit dem Horror atomarer Katastrophen verbunden sein werden.&amp;nbsp; &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Talking about Tokyo: Hier ist eigentlich alles normal. Es regnet auch nicht, vom Taifun bleiben die Hauptstädter so verschont, wie bislang von den anderen Katastrophen. Vielleicht gibt es weniger Mütter mit kleinen Kindern, aber dafür noch immer die berüchtigten Salary-Men, die so geschniegelt dynamisch aus den Bankhäusern treten, dass eine japanische Rezession schwer vorstellbar ist. Gerade schlenderte ich über die Ginza und sah, der Konsumwille der Japaner ist ungebrochen, ebenso das Luxusangebot im Mitsukoshi und bei Perlen-Mikomoto. Beeindruckt hatte ich vor Chanel und Burberry, Prada und Apple gestanden und gerne wäre ich hineingegangen, aber eine Mischung aus falscher Ehrfurcht und prophylaktischer Sättigung lenkten meine Schritte weiter und schließlich war ich in einer Studenten-Kneipe unter irgendeiner Bahnlinie gelandet, wo ich mich an Fleisch und Bier hielt und den Fisch mied. Einige Studenten übten an mir ihr Englisch und intellektualisierten ein wenig über Fukushima und Europas Paranoia, nicht ohne sich sofort für eventuell durchklingende Kritik oder Zu-Nahe-Tretung zu entschuldigen und für so viel Höflichkeit revanchierte ich mich, indem ich einfach mal meinen Mund hielt. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ohnehin ist das Zuhören nützlicher. Zumal ich inzwischen den Eindruck habe, über die atomaren Folgen von Fukushima besser informiert zu sein, als die Japaner. Die schimpfen zwar viel auf die Regierung, aber dass es in ihrer Macht stehen könne, Informationen zu verlangen, leuchtet zumindest meinen Gesprächspartnern nicht ein. Ich bin sicher, es gibt auch andere, nur sind die mir nicht über den Weg gelaufen. Wenn es aus diesen Gesprächen sechs Wochen nach den Naturkatastrophen von Tohoku und der durch Gier, Größenwahn, Gleichgültigkeit verursachten Katastrophe von Fukushima für mich eine persönliche Erkenntnis gibt, dann diese: Konsens allein taugt wohl nicht für Demokratie. Bei aller Bewunderung für die Gelassenheit der Japaner und auch der Bewunderung für ihre Sorge füreinander, wie sie die sozialen Folgen meistern, regt mich diese Duldsamkeit auf. Ich gebe es zu: Ich mag das Kämpferische, Störende, Gegen-den-Strom-gerichtete lieber. Die Unbequemen, die dafür sorgen, dass die Politik sich dem Wohl des Volkes verpflichtet fühlt und nicht umgekehrt das Volk dem Wohl des Politikers dient. In Tohoku sind die Folgen des Tsunamis noch immer so gravierend, die Zukunft der Überlebenden so vage, dass wenig Platz für anderes bleibt. Das verstehe ich. Wenn ich kein Zuhause mehr habe und mit meinen Kindern zwischen den Wänden eines Pappkartons lebe, dann ist mögliche Radioaktivität mein kleinstes Problem. Doch unverständlich ist die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz des angeblich Unabänderlichen. Wir würden ja gerne, aber wir können nicht, höre ich in diesen Tagen oft. Gerne wird der Spruch vom Nagel, der, wenn er herausschaut, eingeschlagen werden muss, zitiert, quasi als Erklärung für den Kern aller japanischen Dinge, als Entschuldigung für das kollektive Stillhalten im Angesicht des Schreckens. Gambaroo, "lasst uns durchhalten", ist die überall präsente Parole, die eine argumentative Auseinandersetzung ersetzt. Einerseits. Und andererseits wird das beschworene gemeinsame Durchhaltevermögen gelebt, wird für die Opfer überall gesammelt und gespendet. Kein Gemeindezentrum in diesen Tagen, in dem nicht Charity-Veranstaltungen laufen, kein Sender, nicht einmal der infantilste Belustigungskanal, in dem die Überlebenden nicht zu Wort kommen und um das Verlorene weinen dürfen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich habe keine Ahnung, ob Japan aus der Atomkraft aussteigen könnte, wenn es denn nur wollte, ich weiß ja nicht einmal, ob mein eigenes Land das kann oder ob zukünftig jene, die wenig verdienen, im Dunkeln sitzen werden und nur die Reichen bleiben im Licht? Ich kaue nur appetitloser auf meinen Fischstreifen und denke daran, wie mir noch vorgestern ein paar Fischer berichteten, selbstverständlich würden sie weiter fischen, die an den Fischen gemessenen Werte seien nur ein wenig über den Normalwerten. Weiter fischen würden sie auch deshalb, weil, wenn sie es nicht täten, die kommerziellen Großfangboote kämen und ihnen alles fort nähmen. Da wird es keinen Unterschied machen, wenn die Fischer heute erfahren, dass die Werte geschönt wurden, ihre angeblich unbedenklichen Fische pralle Nuklearhappen sind. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Hopkins hat den Bären übrigens tatsächlich erlegt. Sein Rivale ist an Dämlichkeit gestorben. Den Lebenslügen hat Hopkins ins Auge geblickt und wird sie nicht wiederholen. Das letzte wünscht man Tepco und der japanischen Regierung doch irgendwie auch.&amp;nbsp; &amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-1816657777297743817?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/1816657777297743817/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/talking-about-tokyo.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1816657777297743817'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1816657777297743817'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/06/talking-about-tokyo.html' title='Talking about Tokyo'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-4575058955158335176</id><published>2011-05-30T14:40:00.002+02:00</published><updated>2012-02-26T15:04:51.622+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Shinkansen Atomic Rain nuklearer Regen'/><title type='text'>Atomic Rain</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-VSLM5wI1tvo/T0o38jLQhRI/AAAAAAAABZE/5Ez0JiZluyk/s1600/Japan,+Sendai+2011+030.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="640" src="http://1.bp.blogspot.com/-VSLM5wI1tvo/T0o38jLQhRI/AAAAAAAABZE/5Ez0JiZluyk/s640/Japan,+Sendai+2011+030.JPG" width="424" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sendai, Japan&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Gestern Abend las ich im Internet, ein Taifun bedrohe Fukushima. Eine deutsche Nachrichtenagentur schrieb dies. Der Regen werde die mit chemischen Mitteln gebundenen nuklearen Partikel wieder aufweichen. Die japanischen Nachrichten berichteten ebenfalls vom Nahen des Taifuns, doch ohne eine Verbindung zu Fukushima herzustellen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Als ich heute Morgen aufwachte, war der Taifun schon da, die Wolken hingen schwarz am Himmel und Wasserbäche fielen aus ihnen herab. Ich wäre gerne im Bett geblieben, aber selbst wenn es zeitlich möglich gewesen wäre, war mein Hotelzimmer so klein, dass ich nach spätestens einer Stunde schon allen Sauerstoff verbraucht hätte. Lustlos schlürfte ich die heiße Misosuppe und den grünen Tee in mich hinein, kaute an den Nigiri. Gestern war ich in einem Evakuierungszentrum gewesen, in dem die Leute sich aus Pappkartons Wände für einen Hauch von Privatsphäre geschaffen hatten. Die Aussichten, dieses Zentrum zu verlassen, standen für jene mit Geld und Versicherung nicht schlecht, doch jene, die nichts von beidem hatten, sahen für sich trotz vollmundiger Versprechen der Regierung noch keine Alternative. Die bislang festgesetzte Kompensation der Regierung, so erzählten sie mir, reiche nicht für ein neues Haus, sondern gerade mal für eine Hundehütte. Jene, die vom Fischfang gelebt hatten und ihre Boote verloren, waren nun&lt;br /&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-Sl8wzYUL4ro/T0o6DKiORxI/AAAAAAAABZU/TNCd6T8FcqA/s1600/Japan,+Sendai+2011+089.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;/a&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-Nob-0CVi2Bk/T0o3EAfzSHI/AAAAAAAABY8/GTw0DDa3K8k/s1600/Japan,+Sendai+2011+022.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="132" src="http://3.bp.blogspot.com/-Nob-0CVi2Bk/T0o3EAfzSHI/AAAAAAAABY8/GTw0DDa3K8k/s200/Japan,+Sendai+2011+022.JPG" width="200" /&gt;&lt;/a&gt;auch noch ohne Arbeit, an manchen Orten hatte die Provinzregierung bereits Verträge mit großen Fischfanggesellschaften geschlossen und die Fischer fühlten sich hilflos angesichts des drohenden Ausverkaufs ihrer Fanggründe. Ich wollte noch einmal in das Zentrum zurück, gestern geführte Gespräche fortsetzen, aber das Wettergrau zusammen mit dem Grau der Pappkarton-Existenzen stimmte mich nicht dynamisch.&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Verwunderlich war, dass der Taxifahrer mit großem Aufwand seinen Wagen unter das Dach des Hotel rangierte und der Portier mir auch nicht erlauben wollte, einen Schritt in den Regen zu tun. All das, obwohl man mir bereits einen Schirm aufgenötigt hatte.&amp;nbsp;Am Bahnhof stauten sich die Taxis und ich wollte schon aussteigen, die letzten Schritte durch den Regen gehen, doch wurde vom Fahrer erschrocken daran gehindert. Es sei doch nur Wasser, sagte ich. Ja, aber nukleares Wasser, erwiderte er, und dann, mit viel Nachdruck auf Englisch: atomic rain. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-CgeowCY2rHY/T0o4-FqZiQI/AAAAAAAABZM/oZ3S_NVX5K0/s1600/Japan,+Sendai+2011+052.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; display: inline !important; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="264" src="http://1.bp.blogspot.com/-CgeowCY2rHY/T0o4-FqZiQI/AAAAAAAABZM/oZ3S_NVX5K0/s400/Japan,+Sendai+2011+052.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Den atomaren Regen also meidend, trat ich in den Bahnhof ein und fand ihn überfüllt vor. Wasser lief durch das Dach und wurde von eiligen, beflissenen Mitarbeitern in Eimern aufgefangen, natürlich waren die feuchten Bereiche auch bereits abgesperrt, wiesen vorsorgliche Aufpasser die Passanten darauf hin, dass sie bitte einen Bogen um den abgesperrten Bereich machen sollte. Schlimmer war, dass die Züge wegen des Taifuns nicht mehr fuhren und meine Terminplanung ebenfalls im Eimer war. Nach einigen Minuten des inneren Geschimpfes, erkannte ich in der Situation eine journalistische Chance, denn mit mir gestrandet waren auch Hunderte von Schülern, genug, um einige Interviews zu führen. Und tatsächlich löste sich schon aus der ersten Mädchengruppe, auf die ich zusteuerte, eine hübsche&amp;nbsp;eloquente 16jährige und sagte „klar, ein Interview ist kein Problem.“ Tatsächlich hatte sie einiges zu erzählen. Der Tsunami war gekommen, als sie alleine im Haus war. Als das Wasser in das Erdgeschoss spülte, floh sie in den ersten Stock und sah von dort mit an, wie die Nachbarhäuser mitsamt ihren Bewohnern von den Fluten fortgerissen wurden. Ihr eigenes Zuhause ächzte und wankte, alles im Erdgeschoss wurde fortgewaschen, aber es hielt stand. Ohne Wissen über das Schicksal ihrer Eltern blieb das Mädchen drei Tage lang in seinem Zimmer gefangen, dann kam seine Mutter: schwimmend. Gemeinsam harrten sie weitere zwei Tage im Haus aus, bis sie gerettet wurden.&lt;br /&gt;Ohne dass ich fragte, sagte sie, wie sehr diese Tage sie verändert hätten. Das Sterben ihrer Nachbarn zu sehen, die Angst um das eigene Leben, das der Eltern, dann die Hungertage im Anschluss, als Sendai und Umgebung keine Lebensmittel mehr hatten, ja, das sei eine Zäsur für sie, nichts werde mehr so sein wie zuvor. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Und die Zukunft, fragte ich, wie sähen sie die? Sie waren ein wenig verlegen, hatten keine Idee, schließlich sagte eine von ihnen: Mit viel Sonne. Ich dachte, sie meinte, es solle licht und hell sein, aber sie wies auf den Regen und wiederholte, was der Taxifahrer gesagt hatte: Atomic rain. Ob denn die Sonne besser sei? Ja, sagte sie, bei Sonne drohe keine radioaktive Gefahr.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-Sl8wzYUL4ro/T0o6DKiORxI/AAAAAAAABZU/TNCd6T8FcqA/s1600/Japan,+Sendai+2011+089.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="264" src="http://4.bp.blogspot.com/-Sl8wzYUL4ro/T0o6DKiORxI/AAAAAAAABZU/TNCd6T8FcqA/s400/Japan,+Sendai+2011+089.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;In den deutschen Medien war in den Tagen der vielen Tsunami-Toten oft zu lesen, die Japaner seien ziemlich emotionslos oder hätten ihren Emotionen perfekt unter Kontrolle. Die Mädchen aber, die mir von dem Tag, als der Tsunami kam, erzählten, hielten sich dabei gegenseitig fest und wenn eine weinte, weinten auch die anderen. Jede von ihnen hatte auf dem Handy ein Foto vom Tsunami, entweder selber geschossen oder aus dem Internet heruntergeladen. Als ich fragte, warum sie dieses Foto hätten, sagten sie, um nichts zu vergessen. Später, als ich mich von den Schülerrinnen verabschiedet hatte und aus Mangel an Alternativen – die lokalen Züge fuhren noch immer nicht – auf dem Bahnhof von Sendai herumstreunte, sah ich eine Kindergartengruppe und einige Kindergärtnerinnen vor dem Ausgang für die Shinkansen-Züge stehen. Sie hielten ein Transparent hoch, auf welchem stand: Willkommen zurück, Kazu. Neugierig blieb ich stehen, um zu sehen, wer dort so liebevoll empfangen wurde. Schon einige Minuten später kam ein kleiner Junge mit einem riesigen Eisbären im Arm durch die Sperre und wurde von den anderen Kindern stürmisch begrüßt. Die Kindergärtnerinnen weinten, die Kinder lagen sich in den Armen und wie sich dann aus einer kurzen Rede des Vaters des Jungen ergab, war Kazu für eine&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;komplizierte Herzoperation in den Staaten gewesen, und es waren die Eltern der anderen Kinder, die dafür gesammelt hatten. In der Tat eine bewegende Szene, die mich über die angebliche Emotionslosigkeit nachdenken ließ. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Später hatte ich Gelegenheit, auch über das japanische Schulsystem zu grübeln. Ganz spontan ergab sich am Nachmittag die Gelegenheit, eine private Oberschule zu besuchen und mit den Kindern zu plaudern. Diese Schule hat ein Partnergymnasium in Stade und man erzählte mir, die Stader hätten nach dem Tsunami viel Geld gesendet, um den betroffenen Schülern zu helfen. Eine Geste, die so sehr überraschte wie rührte. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Was ich vorfand, war ein Klassenzimmer mit ordentlich in Reihen sitzenden Schülern und einem Katheder, welches noch zusätzlich auf einem Podest stand. Somit weit die Schüler überragend, ermunterte ich sie, ihre Gedanken zur augenblicklichen Situation zu äußern. Als niemand antwortete, fragte ich nach persönlichem Erleben mit dem Tsunami und wie sich dann herausstellte, hatten drei der Schülerinnen ihr Zuhause verloren, ein halbes Dutzend von ihnen Verwandte, Nachbarn oder Freunde. Für weitere dreißig Minuten verlief die Konversation als Frage-Antwort-Spiel. Fukushima als Thema ließe sich nur über die Frage durchdrücken, wer denn nun gegen Atomkraft sei. Von 25 Schülerinnen meldeten sich drei, sieben waren dafür, die anderen sagten, sie wüssten zu wenig, um eine Meinung zu haben. &amp;nbsp;Weil alles so zäh blieb, wollte ich mich schon verabschieden, als eines der Mädchen wissen wollte, wie man in Deutschland das Thema Fukushima erlebe. Ich erzählte, schamlos übertreibend, von den Demonstrationen gegen Atomkraft und behauptete frech, daraufhin habe die Regierung einige Atomkraftwerke vom Netz genommen.&amp;nbsp; Was für eine Aufregung ich damit auslöste. Ich schob noch hinterher, es sei größtenteils die Jugend gewesen, die auf die Straße gegangen wäre, und erzielte damit den erwünschten Effekt. Die Vorstellung, es könne gelingen, eine Regierung zum Einlenken zu bringen, wenn man nur protestiere, war den jungen Menschen nie in den Sinn gekommen.&amp;nbsp; „So viel Macht hätten wir auch gerne“, sagte eines der Mädchen, und danach war endlich das Eis gebrochen.&amp;nbsp; Als ich die Schule verließ, hatten sich die Himmelsgüsse in normalen Regen verwandelt und zumindest der Shinkansen fuhr wieder nach Plan.&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-4575058955158335176?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/4575058955158335176/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/atomic-rain.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/4575058955158335176'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/4575058955158335176'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/atomic-rain.html' title='Atomic Rain'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://1.bp.blogspot.com/-VSLM5wI1tvo/T0o38jLQhRI/AAAAAAAABZE/5Ez0JiZluyk/s72-c/Japan,+Sendai+2011+030.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-2344677768562267025</id><published>2011-05-29T11:48:00.003+02:00</published><updated>2012-02-26T14:37:42.716+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Sendai Fukushima Atomkatastrophe'/><title type='text'>Was vom Tsunami übrig blieb</title><content type='html'>&lt;w:sdt contentlocked="t" id="89512093" sdtgroup="t"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri, sans-serif; font-size: 1pt;"&gt;&lt;w:sdtpr&gt;&lt;/w:sdtpr&gt;&lt;w:sdt docpart="8DF01D75C5EF401188BAAC30541B7DC3" id="89512082" storeitemid="X_3BE72FE1-EEBE-44BE-8000-D0BBB302D853" text="t" title="Titel des Beitrags" xpath="/ns0:BlogPostInfo/ns0:PostTitle"&gt;&lt;/w:sdt&gt;&lt;/span&gt;   &lt;/w:sdt&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="Publishwithline"&gt;&lt;div style="background-attachment: initial; background-clip: initial; background-color: white; background-image: initial; background-origin: initial; color: black; margin-bottom: 8px; margin-left: 8px; margin-right: 8px; margin-top: 8px;"&gt;&lt;div class="Publishwithline"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Sendai, Japan.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-x_Y0Jx0Bzqs/T0oxfo_DN6I/AAAAAAAABY0/68RBVzjhbMY/s1600/Japan,+Sendai+2011+045.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://3.bp.blogspot.com/-x_Y0Jx0Bzqs/T0oxfo_DN6I/AAAAAAAABY0/68RBVzjhbMY/s640/Japan,+Sendai+2011+045.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Heute stand ich lange am Meer und sah auf die Brandung. Es gab außer den Wellen nichts zu sehen, kein Schiff fuhr am Horizont, kein Vogel schwamm auf dem Wasser. Irgendwo da draußen war ein Taifun im Anwehen und schickte schon mal eine Regenfront voraus. Der einzige Grund, dort zu stehen, war, begreifen zu wollen, wie alles, was an Zerstörung hinter mir lag, aus dem Meer gekommen war. Dieses Meer roch gut, nach Wind, Salz, es warf wilde Wellen auf und wirkte alles in allem wie ein romantisches Gemälde.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Doch genau hinter mir türmte sich ein etwa sieben Meter hoher Haufen aus Büchern, Porzellan, Kontoauszügen, Windeln, Spielzeug, Kommoden, Futons, Tatami-Matten und Vorhängen. Bagger schoben diese Masse zusammen, unter ihren Rädern wurde zermalmt, was für die Schaufeln zu groß war.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Am Rande dieses Haufens stand ein Kinderrasenmäher, lag eine wunderschöne alte Teekiste, hatte jemand auf ein Brett sieben buddhistische Götter aus Gips gestellt, gerade so, als wäre der Schutt weniger Schutt, wenn man ihm einen Hauch von Ästhetik zufügt. Denn was dort lag, waren vernichtete Existenzen, verlorene Zuhause. Alles, was Menschen gekauft und gesammelt hatten, was ihre Zimmer schmückte, was sie gelesen,&amp;nbsp;&amp;nbsp;niedergeschrieben, fotografiert hatten, alles, was sie an Außenhülle um ihr Leben gewoben, war nun reduziert auf ein Holzschild, welches auf diesen Haufen wies. Darauf stand&amp;nbsp;&amp;nbsp;Gomi, das japanische Wort für Müll.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Ich betrachtete&amp;nbsp;&amp;nbsp;diesen Haufen und schämte mich fast, das private Eigentum fremder Menschen so genau in Augenschein zu nehmen. Nackt und verwundbar schienen mir diese Dinge, die hinter Wände gehörten, in den Schutz des Eigenen. Und nun vom Regen getränkt wurden. Schließlich hob ich eine hölzerne japanische Puppe auf, die einmal einen Regenschirm hielt, der jetzt abgebrochen war. Dieselbe Gewalt, die all diese aufgetürmten Dinge von ihrem Platz gerissen, hatte ihr den Kopf gespalten. Ich beschloss, dieser Puppe ein zweites Leben zu geben, nahm sie und ging über den Sand, der mit Bojen und Netzen, Seilen und Müll bedeckt war, zum Wasser, um den Schlamm von ihr zu waschen. Ganz dicht am Ufer stand ein Stuhl. Jemand musste ihn aufgehoben und wieder auf seine Beine gestellt haben, mit der Sitzfläche zum Meer. So stand er, als warte er auf jemanden, der aus dem Wasser kommen und sich auf ihn setzen würde. Links von mir lagen Tetrapoden, sie waren aus der Ufereinfassung gerissen und einige Meter weiter in den Sand geschleudert worden. Rechts lag halb vergraben im Sand ein riesiger Container, den es von einem Schiff gespült hatte, vielleicht jenem, welches ich einen Kilometer landeinwärts gesehen hatte, mit der Längsseite gegen eine Hauswand gedrückt.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-__ARMjcC-iY/T0ows2vsYiI/AAAAAAAABYs/fbPEH08_Y58/s1600/Japan,+Sendai+2011+075.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://1.bp.blogspot.com/-__ARMjcC-iY/T0ows2vsYiI/AAAAAAAABYs/fbPEH08_Y58/s640/Japan,+Sendai+2011+075.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Gestern bin ich angekommen und der Feigling in mir, der sich vor Elend und Not fürchtet, war sehr zufrieden, als ich in Sendai aus dem Bahnhof trat und alles aussah, als habe es keine Katastrophe gegeben. Kein Zeichen von Zerstörung, im Gegenteil, was sich vor dem Bahnhof abspielte, sah nach Leichtigkeit und gutem Leben aus. Junge Mädchen strömten ins Parco, ein großes Kaufhaus für Modefreundinnen, auf dem Gebäude gegenüber lief auf einem großen Bildschirm erst Werbung für japanische Golfplätze und dann trällerte ein Girlie-Star ein Liedchen. Sendais Jugend qualmte im Raucherbereich, in Reih und Glied warteten die Taxis vor dem Bahnhof und wohin ich sah, stand ein Stein auf dem anderen.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Innerlich grummelte ich über die europäische Hysterie, deren Schuld es ist, dass ich glaubte, an einen Ort der tiefsten Verzweiflung zu kommen und alles was ich nun sah, war ganz normales japanisches Stadtleben.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Am Abend, als ich auf der Suche nach einem kleinen Restaurant durch die Seitenstraßen schlenderte, waren die Bars gut gefüllt, stöckelten kichernde Mädchen über den Asphalt und es sah nicht so aus, als würde irgendjemand die Fischrestaurants meiden. Der Convenience-Store neben meinem Hotel war ebenfalls gut ausgerüstet, kein Regal wies Lücken auf und hinterließ so den Eindruck, es könne an irgendetwas fehlen. Auch gab es wenig Leute, die eine Maske trugen, Fukushima sei schließlich über einhundert Kilometer entfernt, sage man mir, und ich wunderte mich über diesen sorglosen Umgang mit möglicher Radioaktivität ein wenig.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Die Welt teilte sich erst heute morgen. Erst als es wieder hell wurde und ich mich mit einem Taxi ans Meer bringen ließ, zerfiel sie in zwei Hälften. Die intakte, in der Menschen einfach leben und kaufen und essen. Die zerstörte, in der Leichen unter Schlammschichten liegen, Menschenhab und Menschengut zerrissen, zerfetzt, fortgeschwemmt wurde. Denn abrupt hörte die Stadt auf und vor mir tat lag eine schwarze Ebene, aus der vereinzelt ein paar schiefe Bäume ragten und in der Häuser standen, deren unteres Stockwerk ein Gerippe war. Nur mühsam schien dieses Gerippe die oberen Zimmer und das Dach zu halten. Andere Häuser waren in sich verdreht worden, wie ausgewrungen standen sie, wieder andere wie Wurzeln aus dem Boden gerissen und nun auf einer Kante balancierend. Zu Knäueln zerdrückte Autos lagen herum, Boote, Fahrräder, alles sah aus, als sei es aus dem Himmel voller Wut auf die Erde geschleudert worden. Wer hier einst wohnte, hatte vermutlich hohe Immobilienpreise bezahlt, denn in Sichtweite ist das Meer und neben den Grundstücken schon beginnen die Dünen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Man konnte sehen, wo die Welle ins Land gegangen war, bis auf die einzelnen Häuser, bei denen sich der Grund für ihre Verschonung mir nicht erschloss, war alles bis auf die Grundmauern fortgerissen worden, und das über ein Gebiet von mehreren Kilometern Länge und Breite. Männer in Blauhelmen stocherten in der Erde, offiziell, sagten sie, suche man zwar nicht mehr nach den über 10.000 Vermissten, aber inoffiziell nutzten sie die Aufräumarbeiten, um im Sand und unter dem Schutt doch noch zu suchen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Am Rande dieses Wohngebiets standen Autos ordentlich in zehn Reihen gestellt, als sei dort ein Parkplatz für Strandbesucher. Doch den Wagen fehlten Fenster, Türen, manchmal das Dach, manchmal die Reifen.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Sie waren gestaucht und flach gedrückt, Sand, Äste, Steine waren ins Innere gepresst worden. Doch weil diese Gewalt, die über all das gekommen war, unfassbar und unvorstellbar blieb, waren es nicht die zerstörten Dinge, die mich bedrückten, sondern das Bewahrte, welches ein Stück Identität seiner Besitzer preisgab:&amp;nbsp;Ein am&amp;nbsp;&amp;nbsp;Rückspiegel eines Wagens hängender Duftbaum. Das Wort Zeder für seinen Duft war noch zu lesen. Das Auto hatte keine Räder, keine Türen mehr und wie der Duftbaum es geschafft hatte, sich am Rückspiegel zu halten, war mir rätselhaft. Manchmal waren die Kindersitze ordentlich angeschnallt auf den Rücksitzen geblieben, in einem Kofferraum lagen ein Picknickkorb und zwei zusammenklappbare Strandstühle, auf einem Beifahrersitz ein Magazin mit nackten Frauen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Auch aus den Ruinen der Häuser, meist schon halb vom Sand verdeckt, ragten intakte Dinge. Auf einer Grundmauer lag eine Blockflöte, zerbeult, aber daneben, ein Notenständer. Unter einen Stein hatte jemand ein paar Fotos gelegt, die herum geflogen waren und dann gesichert wurden, für einen Besitzer, der sie wohl nicht mehr abholen würde. Ein kleiner Friedhof war restlos zerstört worden, doch ein sitzender Buddha hatte dem Wasser widerstanden und man hatte ihn auf ein Podest aus Steinen gesetzt und ihm ein Taschentuch über den Kopf gelegt, vielleicht gegen den Regen. Lilien waren seit dem Erdbeben aus ihren Knollen gewachsen und in aller Unschuld zierten sie Gärten, die es nicht mehr gab. Neben einem zerstörten Toyota stand auf einem kleinen Sandhaufen ein Spielzeugauto ohne eine einzige Schramme. Und überall lagen einzelne Schuhe herum, Gummistiefel, Pumps, Turnschuhe, immer nur einer, niemals zwei.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Ich hatte den Taxifahrer gefragt, ob es Überlebende gegeben hätte, so unmöglich schien es mir, dass so etwas zerbrechliches wie ein Mensch diesem Wasserinferno entkommen konnte, wenn doch die Mauern nicht standhielten. Er sagte, zwanzig Minuten vor dem Anrollen des Tsunamis sei eine Warnung über Radio gekommen und viele hätten sich in die Schule geflüchtet (die standhielt), doch einige hätten versucht mit dem Auto zu fliehen, es habe einen Stau gegeben und… Er beendet den Satz nicht. Nach einigen Minuten fügt er hinzu, in dieser Gegend habe es in den vergangenen Jahren so viele Tsunami-Warnungen gegeben, dass niemand sie mehr allzu ernst nahm. Das Beben selber habe kaum etwas zerstört und erleichtert und lachend hätten die Menschen dann auf die Tsunami-Warnung reagiert. Sie lachten, sagt er nochmal.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Wir waren erst an den Rand von Sendai gefahren, dann nach Natori, die Nachbarstadt von Sendai. Natori gilt als schwerst betroffen, und das ist schon fast eine zynische Steigerung&amp;nbsp;&amp;nbsp;von schwer betroffen wie Sendai. Tatsächlich war die Leere dort noch gespenstischer und als wir über den Natorigawa, den Fluss wollten, gab es nur noch eine Brücke, die intakt geblieben war. Außer den Arbeitern war dort niemand, ich wollte wissen, ob die Leute nicht mehr kommen, um nach ihren Sachen zu suchen, und er wies auf den riesigen Schuttberg und sagte, dort seien die letzten Sachen, niemand wolle an diesen toten Ort noch zurück.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;/div&gt;&lt;span style="font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span"&gt;Als ich vom Strand zum Wagen zurückgehe, kommt mir eine Frau entgegen, den Arm voller Pflanzen. Sie seien aus ihrem Garten, sagt sie. Wo sie diese wieder einpflanzen wolle, frage ich, ob sie schon ein neues Zuhause habe. Sie schüttelt den Kopf. Nein, aber die Pflanzen wolle sie hier nicht lassen, nicht in dieser Erde, in der doch nach ihrem Ermessen nichts mehr recht gedeihen könne.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white;"&gt;Sendai, Japan.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Heute stand ich lange am Meer und sah auf die Brandung. Es gab außer den Wellen nichts zu sehen, kein Schiff fuhr am Horizont, kein Vogel schwamm auf dem Wasser. Irgendwo da draußen war ein Taifun im Anwehen und schickte schon mal eine Regenfront voraus. Der einzige Grund, dort zu stehen, war, irgendwie begreifen zu wollen, wie alles, was an Zerstörung hinter mir lag, aus dem Meer gekommen war. Dieses Meer roch gut, nach Wind, Salz, es warf wilde Wellen auf und wirkte alles in allem wie ein romantisches Gemälde.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Doch genau hinter mir türmte sich ein etwa sieben Meter hoher Haufen aus Büchern, Porzellan, Kontoauszügen, Windeln, Spielzeug, Kommoden, Futons, Tatami-Matten und Vorhängen. Bagger schoben diese Masse zusammen, unter ihren Rädern wurde zermalmt, was für die Schaufeln zu groß war.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Am Rande dieses Haufens stand ein Kinderrasenmäher, lag eine wunderschöne alte Teekiste, hatte jemand auf ein Brett sieben buddhistische Götter aus Gips gestellt, gerade so, als wäre der Schutt weniger Schutt, wenn man ihm einen Hauch von Ästhetik zufügt. Denn was dort lag, waren vernichtete Existenzen, verlorene Zuhause. Alles, was Menschen gekauft und gesammelt hatten, was ihre Zimmer schmückte, was sie gelesen,&amp;nbsp;&amp;nbsp;niedergeschrieben, fotografiert hatten, alles, was sie an Außenhülle um ihr Leben gewoben hatten, war nun reduziert auf ein Holzschild, welches auf diesen Haufen wies. Darauf stand&amp;nbsp;&amp;nbsp;Gomi, das japanische Wort für Müll.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Ich betrachtete&amp;nbsp;&amp;nbsp;diesen Haufen und schämte mich fast, das private Eigentum fremder Menschen so genau in Augenschein zu nehmen, nackt und verwundbar schienen mir diese Dinge, die hinter Wände gehörten, in den Schutz des Eigenen. Und nun vom Regen getränkt wurden. Schließlich hatte ich eine hölzerne japanische Puppe aufgehoben, die einmal einen Regenschirm hielt, der jetzt abgebrochen war, und dieselbe Gewalt, die all diese aufgetürmten Dinge von ihrem Platz gerissen, hatte ihr den Kopf gespalten. Ich beschloss, dieser Puppe ein zweites Leben zu geben, nahm sie und ging über den Sand, der mit Bojen und Netzen, Seilen und Müll bedeckt war, zum Wasser, um den Schlamm von ihr zu waschen. Ganz dicht am Ufer stand ein Stuhl. Jemand musste ihn aufgehoben und wieder auf seine Beine gestellt haben, mit der Sitzfläche zum Meer. So stand er, als&amp;nbsp;&amp;nbsp;warte er auf jemanden, der aus dem Wasser kommen und sich auf ihn setzen würde. Links von mir lagen Tetrapoden, sie waren aus der Ufereinfassung gerissen und einige Meter weiter in den Sand geschleudert worden. Rechts lag halb vergraben im Sand ein riesiger Container, den es von einem Schiff gespült hatte, vielleicht jenem, welches ich einen Kilometer landeinwärts gesehen hatte, mit der Längsseite gegen eine Hauswand gedrückt.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Gestern bin ich angekommen und der Feigling in mir, der sich vor Elend und Not fürchtet, war sehr zufrieden, als ich in Sendai aus dem Bahnhof trat und alles aussah, als habe es keine Katastrophe gegeben. Kein Zeichen von Zerstörung, im Gegenteil, was sich vor dem Bahnhof abspielte, sah nach Leichtigkeit und gutem Leben aus. Junge Mädchen strömten ins Parco, ein großes Kaufhaus für Modefreundinnen, auf dem Gebäude gegenüber lief auf einem großen Bildschirm erst Werbung für japanische Golfplätze und dann trällerte ein Girlie-Star ein Liedchen. Sendais Jugend qualmte im Raucherbereich, in Reih und Glied warteten die Taxis vor dem Bahnhof und wohin ich sah, stand ein Stein auf dem anderen.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Innerlich grummelte ich über die europäische Hysterie, deren Schuld es ist, dass ich glaubte, an einen Ort der tiefsten Verzweiflung zu kommen und alles was ich nun sah, war ganz normales japanisches Stadtleben.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Am Abend, als ich auf der Suche nach einem kleinen Restaurant durch die Seitenstraßen schlenderte, waren die Bars gut gefüllt, stöckelten kichernde Mädchen über den Asphalt und es sah nicht so aus, als würde irgendjemand die Fischrestaurants meiden. Der Convenience-Store neben meinem Hotel war ebenfalls gut ausgerüstet, kein Regal wies Lücken auf und hinterließ so den Eindruck, es könne an irgendetwas fehlen. Auch gab es wenig Leute, die eine Maske trugen, Fukushima sei schließlich über einhundert Kilometer entfernt, sage man mir, und ich wunderte mich über diesen sorglosen Umgang mit möglicher Radioaktivität ein wenig.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Heute Morgen nahm ich mir ein Taxi und bat den Fahrer, mich ans Meer zu bringen. Abrupt hörte die intakte Stadt auf, und vor mir tat sich eine Ebene auf, aus der vereinzelt ein paar schiefe Bäume ragten und in der Häuser standen, deren unteres Stockwerk ein Gerippe war. Nur mühsam schien dieses Gerippe die oberen Zimmer und das Dach zu halten. Andere Häuser waren in sich verdreht worden, wie ausgewrungen standen sie, wieder andere wie Wurzeln aus dem Boden gerissen und nun auf einer Kante balancierend. Zu Knäueln zerdrückte Autos lagen herum, Boote, Fahrräder, alles sah aus, als sei es aus dem Himmel voller Wut auf die Erde geschleudert worden. Wer hier einst wohnte, hatte vermutlich hohe Immobilienpreise bezahlt, denn in Sichtweite ist das Meer und neben den Grundstücken schon beginnen die Dünen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Man konnte sehen, wo die Welle ins Land gegangen war, bis auf die einzelnen Häuser, bei denen sich der Grund für ihre Verschonung mir nicht erschloss, war alles bis auf die Grundmauern fortgerissen worden, und das über ein Gebiet von mehreren Kilometern Länge und Breite. Männer in Blauhelmen stocherten in der Erde, offiziell, sagten sie, suche man zwar nicht mehr nach den über 10.000 Vermissten, aber inoffiziell nutzten sie die Aufräumarbeiten, um im Sand und unter dem Schutt doch noch zu suchen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Am Rande dieses Wohngebiets standen Autos ordentlich in zehn Reihen gestellt, als sei dort ein Parkplatz für Strandbesucher. Doch den Wagen fehlten Fenster, Türen, manchmal das Dach, manchmal die Reifen.&amp;nbsp;&amp;nbsp;Sie waren gestaucht und flach gedrückt, Sand, Äste, Steine waren ins Innere gepresst worden. Doch weil diese Gewalt, die über all das gekommen war, unfassbar und unvorstellbar blieb, waren es nicht die zerstörten Dinge, die mich bedrückten, sondern das Bewahrte, welches ein Stück Identität seiner Besitzer preisgab:&amp;nbsp;Ein am&amp;nbsp;&amp;nbsp;Rückspiegel eines Wagens hängender Duftbaum. Das Wort Zeder für seinen Duft war noch zu lesen. Das Auto hatte keine Räder, keine Türen mehr und wie der Duftbaum es geschafft hatte, sich am Rückspiegel zu halten, war mir rätselhaft. Manchmal waren die Kindersitze ordentlich angeschnallt auf den Rücksitzen geblieben, in einem Kofferraum lagen ein Picknickkorb und zwei zusammenklappbare Strandstühle, auf einem Beifahrersitz ein Magazin mit nackten Frauen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Auch aus den Ruinen der Häuser, meist schon halb vom Sand verdeckt, ragten intakte Dinge. Auf einer Grundmauer lag eine Blockflöte, zerbeult, aber daneben, ein Notenständer. Unter einen Stein hatte jemand ein paar Fotos gelegt, die herum geflogen waren und dann gesichert wurden, für einen Besitzer, der sie wohl nicht mehr abholen würde. Ein kleiner Friedhof war restlos zerstört worden, doch ein sitzender Buddha hatte dem Wasser widerstanden und man hatte ihn auf ein Podest aus Steinen gesetzt und ihm ein Taschentuch über den Kopf gelegt, vielleicht gegen den Regen. Lilien waren seit dem Erdbeben aus ihren Knollen gewachsen und in aller Unschuld zierten sie Gärten, die es nicht mehr gab. Neben einem zerstörten Toyota stand auf einem kleinen Sandhaufen ein Spielzeugauto ohne eine einzige Schramme. Und überall lagen einzelne Schuhe herum, Gummistiefel, Pumps, Turnschuhe, immer nur einer, niemals zwei.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Ich hatte den Taxifahrer gefragt, ob es Überlebende gegeben hätte, so unmöglich schien es mir, dass so etwas zerbrechliches wie ein Mensch diesem Wasserinferno entkommen konnte, wenn doch die Mauern nicht standhielten. Er sagte, zwanzig Minuten vor dem Anrollen des Tsunamis sei eine Warnung über Radio gekommen und viele hätten sich in die Schule geflüchtet (die standhielt), doch einige hätten versucht mit dem Auto zu fliehen, es habe einen Stau gegeben und… Er beendet den Satz nicht. Nach einigen Minuten fügt er hinzu, in dieser Gegend habe es in den vergangenen Jahren so viele Tsunami-Warnungen gegeben, dass niemand sie mehr allzu ernst nahm. Das Beben selber habe kaum etwas zerstört und erleichtert und lachend hätten die Menschen dann auf die Tsunami-Warnung reagiert. Sie lachten, sagt er nochmal.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Wir waren erst an den Rand von Sendai gefahren, dann nach Natori, die Nachbarstadt von Sendai. Natori gilt als schwerst betroffen, und das ist schon fast eine zynische Steigerung&amp;nbsp;&amp;nbsp;von schwer betroffen wie Sendai. Tatsächlich war die Leere dort noch gespenstischer und als wir über den Natorigawa, den Fluss wollten, gab es nur noch eine Brücke, die intakt geblieben war. Außer den Arbeitern war dort niemand, ich wollte wissen, ob die Leute nicht mehr kommen, um nach ihren Sachen zu suchen, und er wies auf den riesigen Schuttberg und sagte, dort seien die letzten Sachen, niemand wolle an diesen toten Ort noch zurück.&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: .0001pt; margin-bottom: 0cm;"&gt;&lt;span style="color: white; font-family: Georgia, 'Times New Roman', serif;"&gt;Als ich vom Strand zum Wagen zurückgehe, kommt mir eine Frau entgegen, den Arm voller Pflanzen. Sie seien aus ihrem Garten, sagt sie. Wo sie diese wieder einpflanzen wolle, frage ich, ob sie schon ein neues Zuhause habe. Sie schüttelt den Kopf. Nein, aber die Pflanzen wolle sie hier nicht lassen, nicht in dieser Erde, in der doch nach ihrem Ermessen nichts mehr recht gedeihen könne.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-family: 'Times New Roman', serif; font-size: 12pt;"&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-2344677768562267025?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/2344677768562267025/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/was-vom-tsunami-ubrig-bllieb.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2344677768562267025'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/2344677768562267025'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/was-vom-tsunami-ubrig-bllieb.html' title='Was vom Tsunami übrig blieb'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-x_Y0Jx0Bzqs/T0oxfo_DN6I/AAAAAAAABY0/68RBVzjhbMY/s72-c/Japan,+Sendai+2011+045.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-6336686118107703917</id><published>2011-05-25T10:19:00.003+02:00</published><updated>2012-02-26T13:59:07.521+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Georgien Pankisi-Tal Terrorismus Gelajew Osama bin Laden Terrorismusbekämpfung'/><title type='text'>Kopfschuss</title><content type='html'>&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-_4K-N94EXUE/TdZIV4j_dNI/AAAAAAAAAqg/d6uW9_teGm4/s1600/Georgien+Mai+2011+090.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-_4K-N94EXUE/TdZIV4j_dNI/AAAAAAAAAqg/d6uW9_teGm4/s640/Georgien+Mai+2011+090.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Der Abschied von den Hirten war deshalb leicht, weil wir vom Schafsgeblöke und den kalten Nächten im Zelt, vom Rhythmus des Wanderns, von der Gesellschaft rauer Männer, vom abendlichen Schlachtritual für einen anständigen Schafseintopf, von der Lagerfeuerromantik und der Landschaft so hypnotisiert, infiziert, indoktriniert und lauter weitere –ierts waren, das Gela nicht lange insistieren musste, als er zum Abschied sagte: Beim Abtrieb im Herbst seid ihr doch wieder dabei? Wir also gleich begeistert nickten, bei der Vorstellung, all die Strapazen zu verdoppeln. Weil der Abstieg aus dem Großen Kaukasus erfolgt, über den Pass. Überall wird schon Schnee liegt. Und weil wir dann wirklich mitten im wilden Tuschetien mit noch wilderen Typen sind. Kurzum, Schafe treiben macht süchtig, und so vereinbarten wir ein baldiges Wiedersehen und nahmen leicht Abschied. Nicht ohne noch gemeinsam einen kräftigen Schluck im Stehen auf die Brüderschaft aller Menschen getrunken zu haben. Gaumartschos, ihr lieben Hirten!&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Und dann also nach Pankisi. Ich bin schier aus dem Häuschen, dass die Gegend wirklich noch so schön ist, wie ich sie in Erinnerung habe. Als sich plötzlich die schneebedeckte Gipfelkette des Großen Kaukasus aus den Wolken schält, ist meine angeschlagene Liebe zu Georgien wieder frisch und enthusiastisch. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Bevor wir ins Tal fahren, machen wir bei Sasa in Alwani halt. Wir stinken nämlich. Nicht nur nach Schaf, sondern auch nach Schweiß und Dreck. Aber es ist gut, ein paar Tage nicht zu duschen. Man freut sich wir ein Schneider auf einige Strahlen warmes Wasser und ein Stück Seife. Sich die Haare waschen zu können, welch ein Glücksgefühl!&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Sasas Frau empfängt uns, wie man im Kaukasus Gäste empfängt: freudig, fröhlich und ohne den geheimsten Gedanken, dass sie wenig Lust auf zwei ungewaschene Fremde im Haus hat. Sasas Töchter sind schön wie die Sonne, hinter seinem Haus wachsen die Berge, im Garten lauter wohlduftende Kräuter und in seinem Badezimmer gibt es neben der Dusche auch eine Wanne. Frisch gewaschen und mit sauberer Kleidung, der verschlammten Wanderstiefel entledigt, waren wir schon selig. Als Sasas Frau noch dampfende Chatschapuri auf den Tisch stellt, gibt es eigentlich wenig Grund, diesen Ort zu verlassen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Aber Pankisi. Immer ist es mir wie ein seltsamer Traum in meiner Erinnerung geblieben. Die Schönheit dieses Tals, die großen alten Häusern mit ihren Veranden, die sich auf geschnitzte Säulen stützen, die Gärten, die blühenden Apfelbäume. Die üppigen Wiesen, auf denen die Pferde laufen, das Murmeln des Alasani, der erst dunkel zwischen den Bergen liegt und dann von Sonne beschienen, funkelnd in das Tal fließt. Die Familie, in der ich damals war, die bildschöne Nasran und ihr aufgezwungener Ehemann, die Großmutter, die sich mir abends auf dem Sofa in den Arm legte, als sei ich ihr nicht fremd, sondern vertraut. Immer erinnerte ich mich an die klare Luft und wie über allem die Berggipfel lagen, wie zum Ende das Tal schmal wurde und die Wälder aus dem Boden wuchsen, als wollten sie ein Geheimnis beschirmen. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Der andere Teil meiner Erinnerungen waren die Flüchtlingswohnungen, die auf der Lunge keuchenden Kinder in viel zu dünner Kleidung, blasse Gesichter und alte Augen, die lethargischen oder laut lamentierenden Mütter und die zornigen Väter, die nur zwei Möglichkeiten hatten: die Hilflosigkeit und Mittellosigkeit ertragen. Oder sich den Kämpfern anzuschließen. Und die Frauen, die in Burkas gehüllt gingen, den Staub der Wege hinter sich herschleiften, die bärtigen Männer, die mir so finster schienen, nicht, weil sie etwas finsteres taten, sondern weil allein der Ruf, den Pankisi damals hatte, ausreichte, um so etwas wie Furcht zu empfinden.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Alles in allem schien mir Pankisi damals tragisch verwunschen, als sei ich durch eine Tür gegangen und stünde in einem Land vor der Zeit.&amp;nbsp; &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-UHV2n9naH3I/TdY_9TxR8FI/AAAAAAAAAn0/rGAqe4mmb64/s1600/georgien3+340.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-UHV2n9naH3I/TdY_9TxR8FI/AAAAAAAAAn0/rGAqe4mmb64/s320/georgien3+340.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;In einer Reportage über Pankisi schrieb ich damals: Die Grenzen sind nur gedachte Linien. In Wellen und Zickzackform laufen sie um die Wälder, scheiteln die Wiesen voller Wildblumen, durchqueren den mildmurmelnden Fluss, verlieren sich im Schnee der Berge mit ihren hochmütigen Gipfeln. Hastvoll und rastlos teilen sie die Welt in, ach, in was? Wenn man Wörter finden könnte, die das atemlose Hinwegducken unter dem Griff des Todes beschreiben. Wenn es Bilder für den Zorn und die Härte der Gesichter gäbe, wenn man die Schönheit dieses Tals im Norden Georgiens mit den Schreien auf der anderen Seite verbinden könnte. Wenn es Sprache gäbe für die verschleppten Männer, die man ohne Kopf und mit verrenkten Körpern fand, für die Qualen derjenigen, die in Erdlöchern gefoltert, für die Angst derer, die mit Draht aneinandergefesselt und mit Handgranaten in die Luft gejagt werden. Wenn man die Tränen der Mütter und Frauen fangen und wie einen Wassergraben um Pankisi legen könnte..., ja, dann hätten Gut und Böse einen Platz, der sich in der Geografie wiederfände.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-X4elHT34laI/TdZABHQXk2I/AAAAAAAAAn4/et69pbyCpog/s1600/georgien3+344.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://4.bp.blogspot.com/-X4elHT34laI/TdZABHQXk2I/AAAAAAAAAn4/et69pbyCpog/s320/georgien3+344.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;Es ist schon Nachmittag, als wir ankommen, unser Auto abstellen und durch Duisi spazieren gehen. Die Gärten sind noch die Gärten, die Häuser die Häuser und die Gipfel die Gipfel. Aber still ist es, leer, friedlich. Jedenfalls für einen Moment. Und dann sind wir, ich traue meinen Augen nicht, plötzlich von Kindern mit Spielzeuggewehren umringt. Manche einfache Plastikmodelle, andere mit blauen Laserpunkten am Ende des Laufs und als ich die Kamera hebe, um zu fotografieren, halten einige Jungen den Laserpunkt genau auf meinen Kopf, und wäre das jetzt eine echte Waffe, ich würde in dem Augenblick an mindestens drei Kopfschüssen sterben. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Dabei gefällt es mir nicht, das zu fotografieren, weil es bedeutet, zu dokumentieren, was an Vorurteil existiert. Weil ich nach Hause bringe an Bildern, was man erwartet aus Pankisi. Als wir weitergehen tun sich andere Bilder auf. Ein alter Mann vor seinem Haus sitzend, um ihn herum seine Schafe, und er lädt uns freundlich in sein Haus ein. Eine alte Frau auf der Straße, die wissen will, ob wir schon einen Ort zum Schlafen haben. Eine Gruppe von jungen Müttern mit ihren Kindern. So schöne Frauen sind die Kistinnen, daran erinnere ich mich jetzt auch wieder. Dann eine Gruppe von jungen Männern in einem klapprigen Wagen. Sie wollen, dass ich sie fotografiere. Sie posieren angeberisch, spielen sich auf, bis ich nach den Verhältnissen frage, ob es ihnen gut geht, ob sie Arbeit haben, ob sie genug Geld verdienen. Da werden sie still und schütteln bedrückt den Kopf, nein, keine Arbeit, nur ein bisschen Landwirtschaft, nein, keine Perspektive, vielleicht nach Tiflis gehen, aber dafür braucht man heute Geld und ziemlich viel Bildung, sagen sie. Und sie könnten doch nur ein paar Brocken Englisch. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-lOdBe1BH35w/TdZIYuDrnYI/AAAAAAAAAqk/eWFgiglkDiw/s1600/Georgien+Mai+2011+113.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="232" src="http://3.bp.blogspot.com/-lOdBe1BH35w/TdZIYuDrnYI/AAAAAAAAAqk/eWFgiglkDiw/s320/Georgien+Mai+2011+113.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Dann schart sich eine Mädchengruppe um uns, scheu zunächst, dann mutiger, und eine von ihnen parliert in bestem Englisch. Woher sie das könne, will ich wissen, und sie sagt, sie sei Schülerin der Roddy-Scott-Foundation. Später google ich, dass die Eltern des ermordeten Kollegen ein Bildungszentrum in Pankisi finanzieren. &lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Der eigentliche Grund unseres Besuchs aber ist Magvala Margoshvili, die Begründerin der Organisation Marshua Kavkaz (Frieden im Kaukasus). Die 70jährige hat sich vor einigen Jahren zum Ziel gesetzt, die Traditionen des Pankisi-Tals wieder zu beleben und dem Ruf ihrer Heimat und ihres Volks als „Terroristenfreunde“ etwas entgegenzusetzen. Bevor wir mit Magvala sprechen, muss ich ihren Garten bewundern. Er besteht aus üppige Magnolienbäumen und Pfingstrosenbüschen, aus Rosenstöcken, Flieder, blühenden Beeten. Ihr Haus ist groß und voller prachtvoller Räume, eingerichtet mit teuren Möbeln, wenn auch im überbordenden Geschmack des Sozialismus. &amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://1.bp.blogspot.com/-Wyo1gMVdh14/TdZD24b3bQI/AAAAAAAAApA/tUe8Rm0vIAY/s1600/georgien3+404.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://1.bp.blogspot.com/-Wyo1gMVdh14/TdZD24b3bQI/AAAAAAAAApA/tUe8Rm0vIAY/s320/georgien3+404.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Magvala zu folgen, hat Dometscherin Tamuna große Schwierigkeiten, die 70jährige tanzt auf allen Hochzeiten, hat tausend Pläne und Ideen. Magvala will den Tourismus nach Pankisi bringen, organisiert Unterkunft bei &amp;nbsp;Kist-Familien, Folkloreabende, Wanderungen und Kochevents. Vor allem will sie ihre Gesangsgruppe Daimoakh (Mutterland), die in der Sufi-Tradition des Zikr Gebete und Gesichte singt, nach Deutschland bringen. Weil wir uns unter dem Zikr nichts vorstellen können, holt sie eine Gesangsschwester. Draußen dämmert es schon, als die zwei Frauen sich in Trance singen. Und wir uns vor Gänsehaut-Gefühl kaum retten können.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-6336686118107703917?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/6336686118107703917/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/der-abschied-von-den-hirten-war-deshalb.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/6336686118107703917'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/6336686118107703917'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/der-abschied-von-den-hirten-war-deshalb.html' title='Kopfschuss'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-_4K-N94EXUE/TdZIV4j_dNI/AAAAAAAAAqg/d6uW9_teGm4/s72-c/Georgien+Mai+2011+090.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-1853946649708885653</id><published>2011-05-24T09:23:00.002+02:00</published><updated>2012-02-26T13:49:50.646+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Hirten Schafe Georgien Shiraki Tuschetien'/><title type='text'>Schafstage</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-f3mo1GDm5iQ/TdFtcMBjq3I/AAAAAAAAAhM/wmG9iw1NtL0/s1600/georgien+262.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="422" src="http://3.bp.blogspot.com/-f3mo1GDm5iQ/TdFtcMBjq3I/AAAAAAAAAhM/wmG9iw1NtL0/s640/georgien+262.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;In der Dämmerung sind die Schafe auf dem Hügel ein großer weißer Fleck.&amp;nbsp; Mit schwindendem Licht ist es immer stiller geworden, das Gemähe der Mutterschafe nach ihren Lämmern (und umgekehrt), erstirbt langsam. Ich bin froh. Das Gemähe geht einem schnell auf den Geist. Und wir sind doch erst angekommen.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 115%;"&gt;Morgens hatten wir Tiflis verlassen. Jona, meine Tochter, Tamuna, unsere Dolmetscherin , Sasa, unser Fahrer. Viele Stopps auf dem Weg um Dutzende von Broten und Wasserflaschen, riesige Stücke Käse und einige Salamis zu besorgen. Ich wundere mich, dass wir keinen Alkohol kaufen, aber Sasa hat seinen selbst gemachten Chacha und Wein mitgebracht, es ist alles schon im Kofferraum verstaut. &amp;nbsp;Kaum sind wir aus Tiflis hinaus, sieht Georgien endlich wieder so aus wie ich es in Erinnerung habe: Schlaglöcher so groß wie ein halbes Auto, Häuser im Endstadium des malerischen Verfalls. Und Weinreben über Veranden, warmes Licht auf Schindeldächern. &amp;nbsp;Je weiter wir uns vom hauptstädtischen &amp;nbsp;entfernen, desto mehr Maultiere und Maultierkutschen, Schafe und Kühe bevölkern den Wegesrand.&amp;nbsp; Auch die Verkehrsregeln sind hier endlich wieder außer Kraft gesetzt. Sasa überholt in Rechtskurven, brettert mit 90 Stundenkilometer durch die Dörfer – und alle anderen tun es auch. Nur meine Nerven sind nicht mehr so gut wie früher und kalter Schweiß evaporiert auf meinem Rücken. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-Vc0FcTxdd7g/TdFtYzQlJQI/AAAAAAAAAhI/XeJzyHBIlHc/s1600/georgien+249.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://4.bp.blogspot.com/-Vc0FcTxdd7g/TdFtYzQlJQI/AAAAAAAAAhI/XeJzyHBIlHc/s320/georgien+249.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 115%;"&gt;Am frühen Nachmittag sind wir da: Im Winterlager der Hirten in Shiraki. Ein Ort an der Grenze zu Aserbaidschan, aber Ort ist definitiv das falsche Wort. Shiraki liegt in einem Nationalpark, wo niemand mehr wohnt. &amp;nbsp;Halbsteppe, sagt Wikipedia, sei das, und darunter habe ich mir struppsiges, sandiges vorgestellt, aber dort wo die Hirten sind, ist alles grün und mild hügelig. Teletubbie-Land, sagt Jona, und meint damit die Unwirklichkeit. Tatsächlich sieht es nach Fototapete aus. Unberührt.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 115%;"&gt;Die Hütte in der wir landen, gehört Gela, wie auch die 2000 Schafe, die in allen Tonlagen mähen können: einige im Bass, andere im höchsten Sopran, einige schnell, andere langgezogen. Sage noch mal einer, ein Mäh sei ein Mäh, wir wissen es jetzt besser. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Gela hat hier mit seinen Männern den Winter verbracht und wer die zugige, baufällige Hütte sieht, in der sie mehr hausten als wohnten, der möchte nicht tauschen. Wir jedenfalls nicht. Da kann die angebliche Freiheit des Schäferdaseins noch so locken. Die Winter hier draußen in Shiraki müssen arschkalt sein. Und dann immer nur die Schafe zur Gesellschaft, mal ein paar andere Hirten. Wie zugig es sein muss, auf dem offenen Klo. Nur ein Loch mit einer Plane drumherum für ein Minimum an Intimsphäre, aber nichts, um den Hintern vor Wind und Schnee zu schützen. Was einem so durch den Kopf geht!&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-tC-8290kNI0/TdFtRlttVZI/AAAAAAAAAhA/CnMAoEEerjE/s1600/georgien+243.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://3.bp.blogspot.com/-tC-8290kNI0/TdFtRlttVZI/AAAAAAAAAhA/CnMAoEEerjE/s320/georgien+243.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Gela und die anderen Jungs kommen nicht aus Shiraki, sondern aus Alawani. Das macht sie zu Tuschen, Bewohner von Tuschetien. Bergbewohner. Auf dieses Tuschen-Ding sind sie mächtig stolz, irgendwie fühlen sie sich heldenhafter, wilder, gefährlicher, härter etc. als andere Männer.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Der Nationalstolz der Georgier ist ja schon groß. Dem der Tuschen ist offenbar kaum eine Grenze gesetzt.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 115%;"&gt;Von hier sollten die Hirten eigentlich schon vor einer Woche losgezogen sein, aber das schlechte Wetter verhinderte den Aufbruch. N&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;och gestern sagte Sasa, der das alles organisiert hat, es wäre nicht klar, ob sie nun mit uns loszögen. Das Wetter sei vielleicht doch noch zu kalt und ich dachte schon: &amp;nbsp;na klasse, da geht sie dahin, deine Geschichte. Aber Heiners Spruch, in Georgien käme immer alles zu einem guten Ende, bewahrheitete sich. Als wir am Nachmittag ankommen, ist es sonnig und warm, sind die Hirten schon dabei, ihre Habseligkeiten in einem Laster zu verst&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;auen: Töpfe und Säcke mit Gerste, das ist das Futter für die Hunde, Planen, Teller, Tassen, Feuerholz, Dreifuß zum Kochen, Medikamente für die Tiere.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Zunächst aber gibt es einen Schnaps auf unsere Ankunft. Und Essen. Sasa packt das duftende Brot auf den Tisch, Oliven, die Wurst, Fisch aus der Dose, Wein und Chacha, die Hirten bringen Käse und kaltes Schafsfleisch und dann wird geschmaust. Die Holzb&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;änke, der Tisch, alles ist grob gezimmert. Aber auf den Bänken liegen die warmen Schafsfellmäntel der Hirten, und weil wir so eng zusammen rücken müssen (und vom Chacha), ist uns bald heiß. Außerdem haben wir Spaß. Die Hirten freuen sich über weibliche Gesellschaft. Wassili, der nicht glauben wollte, dass wir ab morgen mitwandern, hat einen Kasten Bier gewettet und verloren und ist nun ob seines Unglauben niedlich verlegen. Wano, ein fescher, italienisch aussehender Typ, deklamiert für uns georgische Gedichte, presst dabei seine Hand aufs Herz, verteilt Handküsse an uns und ist voller Traurigkeit, dass wir kein georgisch verstehen. &amp;nbsp;Was er sagt, klingt alles wie Risotto, und da wir seinen Namen noch nicht kennen, hat er gleich einen Spitznamen weg.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Und endlich wieder georgische Trinksprüche. Wie man das vermissen kann, nicht auf die Heimat, die Ahnen, die Liebe, die Frauen, die Brüderschaft aller Menschen zu trinken! &amp;nbsp; Leider ist Gela, der den Tamada, den Trinkspruchausbringer, macht, ein ziemlicher Sabbelkopf und so geraten die Trinksprüche lang, aber das macht nix, weil Risotto die ganze Zeit schmachtend mit dem Kopf wackelt und dieser Augenblick insgesamt so schön ist. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 115%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Anschließend sagt Gela, er wolle uns ein paar Nationalpark-Sehenswürdigkeiten zeigen, aber dazu kommt es gar nicht, weil wir natürlich erstmal alle anderen Hirtenhütten besuchen müssen und überall, oh wunderbare, verfluchte georgische Gastfreundschaft, gibt es Brot und Käse und Wein. Bald sind wir kugelrund und ein wenig beduselt. So, dass wir Mühe haben, nicht die ganze Zeit zu lachen, als Gela an einer Gedenktafel für einen aserbaidschanischen Überfall auf Georgier anhält und pathetische Reden hält, Sasa eine Plastikflasche zerschneidet und als Gläser kreisen lässt. Gela trinkt ein ums andere Mal auf die heldenhaften Tuschen, die diesen Angriff hier abwehrten. Die Sonne geht mit wunderbarem Licht über den Teletubbie-Hügeln unter und alles ist gut.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: 10pt;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-size: 15px; line-height: 17px;"&gt;Als wir zurück zur Hütte kommen, ist es stockfinster und kalt. &amp;nbsp;Die Hirten packen immer noch, wie sie im Dunkeln sehen können, verstehe ich nicht, ich habe Mühe das Klo zu finden. Zum Glück müssen wir das Zelt nicht mehr aufbauen. Die Männer bestehen drauf, dass sie im Pferch schlafen und wir auf den schönen, warmen Mänteln auf den schmalen, wackligen Holzbänken liegen sollen, und wir protestieren nur ganz wenig, denn selbst die windigste Hütte scheint uns in dieser kalten Nacht gemütlich. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-1853946649708885653?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/1853946649708885653/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/schafstage.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1853946649708885653'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/1853946649708885653'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/schafstage.html' title='Schafstage'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-f3mo1GDm5iQ/TdFtcMBjq3I/AAAAAAAAAhM/wmG9iw1NtL0/s72-c/georgien+262.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-786297026720879734</id><published>2011-05-23T09:54:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T13:42:52.870+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Tiflis Georgien Iveria Flüchtlinge Süd-Ossetien Abchasien'/><title type='text'>Chanel und Chatschapuri</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;a href="http://3.bp.blogspot.com/-DQVg8Z3i2w4/T0onj3vo0fI/AAAAAAAABYk/U-ZdkE78CVo/s1600/HaeuservorNarikala.jpg" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="480" src="http://3.bp.blogspot.com/-DQVg8Z3i2w4/T0onj3vo0fI/AAAAAAAABYk/U-ZdkE78CVo/s640/HaeuservorNarikala.jpg" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Wenn man die Anzahl der Verkäufer von Einzelzigaretten als Maßstab für den Wohlstand eines Landes nimmt, dann hat Tiflis sich aus der Armut befreit. Früher hatten diese Zigarettenverkäufer alle paar Meter einen Stand. Heute findet man dem gesamten Rustavelis Gamsiri, Tiflis "Flanierstraße"entlang,&amp;nbsp;&amp;nbsp;nur noch drei oder vier. Die jungen Leute zücken im Restaurant und auf der Straße ganze Packungen – und auch diese sind nicht mehr irgendein Kraut, sondern die Marken der Werbeindustrie.&amp;nbsp; Die Intellektuellen rauchen Gauloise in cremefarbener Verpackung, die coolen jungen Männer weiße Dunhill und die Cowboys von heute greifen wie Cowboys seit eh und je zu Marlboro. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Angekommen sind auch die Chanels, Pradas, Guccis, die Familie Boss, die Adidas und Nikes. Entlang des Rustaveli haben sie ihre gläsernen minimalistischen Paradiese geschaffen, in denen ein paar Turnschuhe ein paar hundert Euros kosten. Der georgische Durchschnittslohn liegt bei 150 Euro, doch wie immer gibt es genug Gewinner auch der georgischen Krise. Die Goldketten- und Rolexuhrenträger gab es schon im Georgien des vergangenen Jahrzehnts. Inzwischen hat man ihnen Stil beigebracht, ihre Ketten sind nicht mehr ganz so dick, die Uhren nicht mehr ganz so funkelnd, nur ihre Autos sind größer geworden. Statt Mercedes fahren sie jetzt Hummer.&amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Der georgische Durchschnittsmann ist seiner Mode treu geblieben. Spitze Eintänzerschuhe, wenn möglich schwarz und auf Hochglanz gebürstet, die obligatorische schwarze Lederjacke, darunter der Rundhalspullover, manchmal ein Jackett. Georgiens Frauen gibt es in zwei Kategorien: die jungen mit den langen Beinen, den schmalen Taillen, der Schneewittchenhaut, den sorgfältig kajalbetonten Augen. Die zweite Gruppe sind die Enddreißiger, Mitvierziger, verheiratet, Mütter. An den Hüften und auch sonst überall in die Breite gegangen. Während es der ersten Kategorie gar nicht eng, gar nicht kurz genug sein kann, schlabbern um die Körper der zweiten knöchellange Röcke, grobe Jacken über brustspannenden Blusen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Zum Glück gibt es von diesem Klischee mehr Ausnahmen als vor ein paar Jahren. Die gepflegte Georgierin in mittlerem Alter mit guter Figur hat Einzug in Tiflis gehalten. Die Stadt hat jetzt Fitnessstudios, wenn auch lange&amp;nbsp; nicht so viele wie Spielcasinos, diese dunklen und verräucherten Höllen des süchtigen Untergangs. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Am Platz der Freiheit, Tavisuplebis Moedani, steht heute statt Lenin, Stalin oder Springbrunnen eine gewaltige goldene Statur des heiligen Georgs, des georgischen Schutzpatrons. So neu und angeberisch glänzend ist sein Gold noch, man wünscht dem Heiligen ein wenig Patina und Korrosionsschäden, um ihm Ernsthaftigkeit zu verleihen. Überhaupt Gold: Viele der Kirchendächer sind wieder mit Blattgold eingelegt, am hellsten aber scheint das Dach der Sameba-Kathedrale. Die in acht Jahren erbaute Kirche ist nicht die größte, aber mit 84 Metern vom Boden bis zum Kreuz eine der höchsten ortho&lt;/span&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 22px;"&gt;doxen Kathedralen der Welt. Erbaut wurde sie vom Geld eines Privatmannes: ein Banker. Wer sollte sonst soviel Kohle haben. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri; font-size: 15px; line-height: 22px;"&gt;Zum Thema Kohle: Tiflis ist teuer geworden. Jetzt denkt man, hätte man doch vor ein paar Jahren eine der schönen Wohnungen in einer der stillen Seitenstraßen gekauft. Eine von denen, die noch Stuck und hohe Decken und jene wunderbaren Balkone haben, von denen aus man Revolutionen ausrufen kann. Dann hätte man jetzt eine sichere Einnahmequelle. Gestiegen sind auch die Preise für Lebensmittel, und das in einem Maße, sagt Murtaz, dass viele Menschen sich die georgische Üppigkeit bei den Mahlzeiten nicht mehr leisten können. Nur das weiße, duftende Brot ist &amp;nbsp;noch günstig, 60 Tetri, das sind 25 Cent, für einen Laib. &amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Ich freue mich, meine Lieblingskneipen wieder zu finden, das bunte PurPur in der Altstadt, das heruntergekommene Beatles, das Dublins. Die Bücherverkäufer am Rustaveli sind nur noch vereinzelt dort, ihr Angebot lange nicht mehr so aufregend wie früher. Auch in Georgien kann man jetzt über das Internet Bücher bestellen. Die Beliebtheit, der sich einmal deutsche Bücher erfreuten, ist zurück gegangen. Die ältere Generation, erzählt einer der Verkäufer, hat nicht mehr genug Geld, die jungen Leute wollten lieber englische Bücher. Dafür ist die Zahl der Souvenirhändler gestiegen, Produkte aus Filz scheinen neben dem üblichen Ölgemälde-Kitsch und den Trinkhörnern ein beliebtes Mitbringsel. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="MsoNormal" style="margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-align: center; text-autospace: none;"&gt;&lt;b style="mso-bidi-font-weight: normal;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt;"&gt;Schatten der Flüchtlinge&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Lange stehe ich vor dem neuen Radisson. Noch vor ein paar Jahren war es das Hotel Iveria, wo Flüchtlinge aus Abchasien untergekommen waren. Von den mit Plastikfolien zu Zimmern ausgebauten Balkonen sprangen damals immer mal wieder junge Männer, weil sie in Georgien keine Zukunft sahen. Die Regierung unter Shevardnadse missbrauchte die Vertriebenen als politische Waffe im propagandistischen Kampf. Sie zu integrieren und ihnen in Georgien neue ökonomische Perspektiven zu bieten, hätte geheißen, den Verlust Abchasiens zumindest ideologisch anzuerkennen.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-NW382ZDqDcM/T0onXD1qmOI/AAAAAAAABYc/sqGbMklPidw/s1600/(UN)Hochhaus.jpg" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="400" src="http://4.bp.blogspot.com/-NW382ZDqDcM/T0onXD1qmOI/AAAAAAAABYc/sqGbMklPidw/s400/(UN)Hochhaus.jpg" width="300" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Damals war das Iveria stinkender Müll in den Fluren und klamme Kälte in den Zimmern, mit Messer spielende Jugendliche im Foyer. &amp;nbsp;Wer dort gelandet war, hatte nur eine Chance: soviel Ellbogen zu beweisen, dass er in der Vertriebenen-Hierarchie und ihren mafiösen Zuständen soweit aufstieg, für seine Familie ein eigenes ungeteiltes Zimmer zu ergattern. Einmal hatte ich eine Familie mit einem geistig behinderten Sohn interviewt, der sich immer wieder öffentlich entblößte und in herum stehende Eimer urinierte. Die anderen Flüchtlinge wollten die Familie nicht unter sich haben, sie beschimpften und schlugen den Jungen, und als ich ging, begleitete mich seine Schwester noch den Flur entlang und gestand mir, sie wäre den Bruder auch am liebsten los, weil zu allen anderen Problemen noch die Schande käme. Ob ich glaube, er werde lange leben? &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Für das Radisson hat man das Gebäude entkernt, aber den äußeren Rahmen stehen lassen und Glasfassaden geschaffen. Wer das alte Iveria kennt, sieht seinen Schatten in dem neuen Bau, gleich einem Geist tritt es aus der gläsernen Form hervor.&amp;nbsp; Ich finde es makaber, dort in Luxus zu schlafen, wo Menschen so viele Jahre fast alles entbehrten: Essen, finanzielle Sicherheit, Zukunft, sondern auch Geborgenheit, Heimat, Zugehörigkeit. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Die größte Veränderung aber hat die Altstadt erfahren. Aus drei ehemaligen Stadtvierteln wurde mit Alt-Tiflis ein neuer Bereich erschaffen, der mit Geldern des Europarats und der Unesco restauriert wird. Ungefähr dreißig Prozent der Bauten sind inzwischen saniert, dass der Rest immer noch in malerischer Heruntergekommenheit vor sich hindümpelt, gibt diesen sanierten Häusern doppelten Glanz. Die Synagoge, die armenische Kirche, die Moschee sind vollständig saniert. Häuser, die nicht mehr zu retten waren, wurden durch Neubauten ersetzt, deren sensible Ästhetik sich dem historischen Ambiente anpasst. Unten, am Ende der Leselidze Straße, kurz bevor diese auf den Fluss Mtkvari trifft, gibt es jetzt Straßencafés und richtige Souvenirläden mit teurem Goldschmuck. Man kann dort Pina Colada und Macchiato trinken, die Flaneure betrachten. Auch den Gemmenschnitzer, der bei meinem letzten Besuch gerade seine Werkstatt einrichtete und auf alten Werkstischen den schönsten Kameeschmuck schuf, gibt es noch. Er beherbergt in seiner Werkstatt inzwischen eine Galerie, Gemmen schnitzt er noch auf Bestellung, aber seine Preise können es mit denen überall auf der Welt aufnehmen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%; margin-bottom: 10.0pt; mso-layout-grid-align: none; text-autospace: none;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; font-size: 11pt; line-height: 150%;"&gt;Aber am Abend, im Restaurant ohne Rauchverbot, mit vielen Trinksprüchen und Gaumartschos, Chatschapuri und Chinkali, nach dem ersten Tchatcha, der brennend die Kehle runter fließt, habe ich das Gefühl, ich war nicht lange fort. Vielleicht ist doch nicht alles anders.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="margin-bottom: 10pt;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-family: Calibri;"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-size: 15px; line-height: 22px;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-786297026720879734?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/786297026720879734/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/chanel-und-chatschapuri.html#comment-form' title='3 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/786297026720879734'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/786297026720879734'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/chanel-und-chatschapuri.html' title='Chanel und Chatschapuri'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://3.bp.blogspot.com/-DQVg8Z3i2w4/T0onj3vo0fI/AAAAAAAABYk/U-ZdkE78CVo/s72-c/HaeuservorNarikala.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>3</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-320547979038544365</id><published>2011-05-21T19:50:00.003+02:00</published><updated>2012-02-26T13:27:33.317+01:00</updated><category scheme='http://www.blogger.com/atom/ns#' term='Georgien Tiflis Tbilissi'/><title type='text'>Tbillisi im Licht</title><content type='html'>&lt;div align="center" class="MsoNormal" style="line-height: 150%; text-align: center;"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-Vxu_244CwQM/T0olAX04MaI/AAAAAAAABYM/_S8NAvlCKtA/s1600/ViktorEssen4.jpg" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="480" src="http://2.bp.blogspot.com/-Vxu_244CwQM/T0olAX04MaI/AAAAAAAABYM/_S8NAvlCKtA/s640/ViktorEssen4.jpg" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Den neuen Flughafen von Tbilissi finde ich gleich blöd. Er sieht aus wie eine Kopie des Istanbuler Terminals. Viel Glas, ein wenig verunglückter Futurismus und Licht, mehr Licht als ich je in Georgien auf einem Haufen gesehen habe. Ich weiß, so ein Flughafen ist toll für das Land, aber ich will&amp;nbsp; Folklore, ich will die verranzte Halle zurück, die Schalter, an denen man ewig anstehen musste und die Passbeamten mit der Kippe im Mundwinkel grobe Scherze rissen. Ich will das dunkle und abenteuerliche Georgien. Nicht den hellen Parkplatz vor dem Gebäude, nicht die seltsame grünlich leuchtende Metro-Station gegenüber (an der die Züge nur tagsüber ankommen, obwohl der größte Teil der Flüge vom Flughafen Tbilissi nachts kommt und geht), nicht die in geordneter Reihe wartenden Taxifahrer, die alle eine Lizenz haben und nicht die fast Schlagloch-freie Autobahn in die Stadt hinein. Meine letzte Fahrt vom Flughafen in die Stadt war mit einem ketttenrauchenden Fahrer in einem Taxi, in dem ich die Beifahrertür festhalten, während der Fahrt muffige Kekse essen und Familienfotos ansehen musste. Und das alles während das Taxi in Schlaglöcher fiel, die Tanknadel einen halben Zentimeter unterhalb der letzen Reservemarkierung hing und mein Kopf vom Rauch des verdammten Zigarettenkrauts halb explodierte. Aber es war toll. Wir fanden die Adresse nicht, zu der ich musste, es war so gegen drei Uhr morgens und bereitwillig lief der Fahrer mit mir um die Häuerblocks, bis wir endlich meine Übernachtungsstätte gefunden hatten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Es ist gut, den alten Freund Murtaz Shvelidze wieder zu sehen, einen der bekanntesten Künstler Georgiens. So gut, seine tiefe Bassstimme zu hören, dass ich mich gleich frage, warum ich so lange nicht dort gewesen bin. So gut in seinem Haus anzukommen, es riecht wie ich es in Erinnerung habe: nach Ölfarben und Tee und Kräutern. Murtaz holt seinen selbstgekelterten Hauswein, Angela, seine Frau, macht Tee, es ist 4 Uhr morgens, ich bin todmüde und ganz duselig vor Glück, wieder da zu sein. &amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="MsoNormal" style="line-height: 150%; text-align: center;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="MsoNormal" style="line-height: 150%; text-align: center;"&gt;&lt;b style="mso-bidi-font-weight: normal;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Geteiltes Brot, geteiltes Leid&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Zum letzten Mal war ich in Georgien, da war die Rosenrevolution gerade ein Jahr vorbei, und "Mischa" Saakashvili war nicht mehr ganz der strahlende Sunnyboy, als welcher er den alten Shevardnadse aus dem Amt geworfen hatte.&amp;nbsp; Auch die wirtschaftliche Situation hatte sich damals kaum verbessert. Mein Freund Victor hatte noch immer gerade genug Rente, um nicht zu verhungern und seine Wohnung blieb auch im Winter ungeheizt. &amp;nbsp;Ohne Otar, seinen Freund, der irgendwo in Kachetien eine verfallene Datscha besaß, mit einem Garten, in dem Tomaten, Gurken und Weintrauben wuchsen, hätte Victor manchen Tag nur Brot gehabt und ohne Irakli, der einmal der Direktor des archäologischen Museums war und eine schmale Rente bekam, von der er Victor manchmal einen Teil abgab, hätte Viktor den Strom nicht bezahlen können. Und doch war Victor kein unglücklicher Mann. Vielleicht ein wenig melancholisch, er liebte die Frauen und den Alkohol, und dass von beidem nur noch das letzte geblieben war, verkraftete er nicht leicht. Aber wenn ich kam, dass trug er einen Anzug und einen Schlips, manchmal tanzten wir in seinem kleinen Wohnzimmer und immer erzählte Victor Geschichten voller Anmut und voller Trauer. Seine Armut nahm er gelassen, er hatte schlimmere Zeiten erlebt. Immer wenn ich kam, sagte er, wir sollten nach Batumi fahren. Ans Meer, an den Strand, ach Batumi, seufzte Victor, und schwärmte von vergangenen Lieben, die dort am Strand begannen und sich wieder verflüchtigten. &amp;nbsp;Oder nach Abchasien, ach Abchasien, schönste aller georgischen Provinzen. Einmal hatte ich geantwortet, Abchasien sei lange schon nicht mehr Georgien, habe nicht mehr dazu gehören wollen, da hatte Victor mich böse aus dem Zimmer gescheucht, fort solle ich gehen, ich, die die georgische Seele nicht verstünde. &amp;nbsp;Als Victor starb, mussten seine Freunde sammeln, um ihn begraben zu können.&amp;nbsp;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; line-height: 150%;"&gt;Nach Victors Tod zog mich nicht mehr viel nach Georgien. Ich hatte lange genug vom Elend des Kaukasus, konnte die nationalistischen Tiraden der Georgier ebenso wenig noch hören wie die Blutracheschwüre der Nordkaukasier, war des ganzen Macho-Gehabes müde. &lt;/span&gt;&lt;span style="font-family: Calibri; line-height: 150%;"&gt;Die ewigen Rufe nach Rache, das Beharren auf Territorium und archaischen Traditionen, hatten meine Toleranz dünn werden lassen. Zusammen mit all den Leidens- und Horrorgeschichten, die ich im Nordkaukasus hörte, dem Schmerz, den ich in Beslan nach dem Attentat auf die Schule Nummer eins sah, war das Maß für mich damals voll. Ich wollte weg vom Kaukasus, fort von den klagenden und schreienden Müttern, den wütenden und zu jeder Vergeltung bereiten Vätern. Ich hatte zu viele Geschichten von entführten und anschließend ermordeten Söhnen gehört, von vergewaltigten Töchtern, von Demütigung, Plünderung und physischer sowie psychischer Zerstörung. Ich hatte in klammen grauen Flüchtlingslagern mit den Menschen auf dem Boden gehockt und gelernt, dass Hoffnungslosigkeit eine eigene Mimik und Gestik hat. Ich hatte gesehen, wie manche der Vertriebenen schlimmer als Tiere in dunklen Ruinen lebten. Sie alle hatten ihr Essen, ihre Geschichten und das wenige, was sie noch zu geben hatten, mit mir geteilt. Ich hätte gerne meine Distanz gewahrt, jene, die Journalisten haben sollten. Aber eine gemeinsame Mahlzeit bindet, ein geteiltes Stück Brot schafft eine Beziehung. &amp;nbsp;Spätestens als ich mit den Müttern von Beslan durch das Krematorium ging und die zu Klumpen verbrannten Leichen sah, wurde ein Stück ihres Elends auch meines. Ich wurde aggressiv. Ich hatte Alpträume. Ich freute mich über nichts mehr. Am schlimmsten: ich verlor meine Eckpunkte. Ich wusste nicht mehr, was denn nun Wirklichkeit ist: die gegen jeden Fall versicherte, durch viele Gesetze geschützte, aus der ich kam? Für die ich plötzlich Dankbarkeit empfand, wenn ich abends meine eigenen Töchter in ihr Bett brachte. &amp;nbsp;Oder die der verstümmelten, zur Unkenntlichkeit verbrannten Kinderleichen von Beslan? Die der Väter, die ihre Kinder nicht retten konnten und sich jeden Tag betranken? Die der verstummten und graugesichtigen Bewohner der Flüchtlingslager? Die der geheimbündlerischen Männergrüppchen, die sich bewaffneten, um Menschen zu erschießen, die sie ihre Feinde nennen? Menschen, deren einziges Verbrechen darin besteht, Augenhöhe und Gleichberechtigung zu wollen? Ich habe mir den mörderischen Unsinn dieser Männer angehört, die ihr Privatkapital und ihre Zeit investierten, um auf die Jagd nach Menschen zu gehen und sich dann im betrunkenen Zustand mit der Anzahl jener brüsteten, denen sie eine Kugel in den Leib gejagt haben. Ich kehrte nach Hause zurück und wurde das Gefühl von Klebrigkeit in meinem Kopf nicht mehr los. Da wusste ich, ich musste weg.&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;2008 beschloss Saakashvili sich Südossetien mit Gewalt wieder zu holen. Ein paar Provokationen, ein paar der üblichen Propagandalügen über angebliche Gräueltaten und Angriffe der anderen Seite &amp;nbsp;- und schon hatte Georgien einen Krieg. Denn Russland reagierte vehement und schickte Truppen bis ins georgische Kernland. Brutal und rücksichtslos, wie man es von den Russen im Kaukasus kennt, wurde vernichtet, wurden Dörfer zerstört, Häuser verbrannt. 2500 Menschen starben. Es gibt keine vernünftigen, keine sinnvollen Kriege. Und dennoch war dieser auf einer angenommenen Skala besonders sinnlos. Was Georgien in den vergangenen Jahren an Stabilität und Fortschritt errungen hatte, es war nun wieder verloren, und auch Südossetien war nicht zurück gewonnen. &amp;nbsp;&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div align="center" class="MsoNormal" style="line-height: 150%; text-align: center;"&gt;&lt;b style="mso-bidi-font-weight: normal;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Veränderungen&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/b&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal" style="line-height: 150%;"&gt;&lt;span style="font-family: Calibri;"&gt;Das Tiflis, in das ich zurückkehre, hat sich verändert. Ich brauche ein paar Tage, um zu sehen, dass die Veränderungen, so dramatisch sie auf den ersten Blick aussehen, nur Hochglanzpolitur über all den Macken und Schrammen sind. Zunächst mal: Tbillissi hat Licht, in der Nachdunkelheit ist die Stadt schon von weitem zu erkennen, die prägnanten Gebäude sind in hellem Gelb angestrahlt. Viel kurioser: es gibt Ampeln mit digitaler Anzeige der verbleibenden Sekunden für die Rot- bzw Grünphasen.&amp;nbsp; Noch kurioser: die meisten halten vor den Ampeln, wenn diese rot sind. Dann gibt es Fahrbahnabtrennungen. Statt wie früher auf einer zweispurigen Straße vierspurig zu fahren, sind es jetzt nur noch die üblichen Drängler und Raudis, die den geordneten Verkehrsfluss durcheinander bringen. Die Schlaglöcher sind dezimiert. Die Polizei, erzählt Murtaz auf der Fahrt in die Stadt, ist nicht mehr korrupt. Es herrscht Anschnallpflicht, Handyverbot während der Fahrt und um eine Marschrutka, eines der Ford-Transit-Taxis zu betreiben, braucht man jetzt eine Lizenz, die man sich nicht wie früher für dreißig Dollar erkaufen kann. Ich sage, das ist ja ganz schön viel Veränderung, Zivilisierung, und Murtaz, mit seinem kollernden, holpernden, wunderbar schrägen Deutsch antwortet: alles Makulatur-Politisierung, keine Korruption aber auch keine Ehrlichkeit, du verstehst?&amp;nbsp;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-320547979038544365?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/320547979038544365/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/tbillisi-im-licht.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/320547979038544365'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/320547979038544365'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/tbillisi-im-licht.html' title='Tbillisi im Licht'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-Vxu_244CwQM/T0olAX04MaI/AAAAAAAABYM/_S8NAvlCKtA/s72-c/ViktorEssen4.jpg' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-9192790165356357821.post-5506545654224583831</id><published>2011-05-20T15:43:00.001+02:00</published><updated>2012-02-26T13:02:11.322+01:00</updated><title type='text'>Post aus Pankisi</title><content type='html'>&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;div class="separator" style="clear: both; text-align: center;"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-_KvxIMVBAOk/TdZINunFNmI/AAAAAAAAAqU/VafS9E_2YXk/s1600/Georgien+Mai+2011+054.JPG" imageanchor="1" style="margin-left: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="424" src="http://2.bp.blogspot.com/-_KvxIMVBAOk/TdZINunFNmI/AAAAAAAAAqU/VafS9E_2YXk/s640/Georgien+Mai+2011+054.JPG" width="640" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;/div&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Agro-Tourismus, das sei der neue Trend im Pankisi-Tal, schreibt mir ein georgischer Freund.&amp;nbsp; Agro wie Agriculture. Nicht wie agressiv. Ich glaube ihm, natürlich, trotzdem merke ich mein inneres Kopfschütteln. Ausgerechnet Pankisi als Paradies für sanften und naturfreundlichen Tourismus. Als ich nachrechne, komme ich auf sieben Jahre, die ich nicht mehr dort war. Im Internet las ich, dass kurz nach meinem letzten Besuch Schluss gewesen sein soll mit den Zuständen, und Mischa, wie die Georgier ihren Präsidenten Saakashvili nennen, durchgegriffen hat. Anstand statt Anarchie.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://4.bp.blogspot.com/-X4elHT34laI/TdZABHQXk2I/AAAAAAAAAn4/et69pbyCpog/s1600/georgien3+344.JPG" imageanchor="1" style="clear: left; float: left; margin-bottom: 1em; margin-right: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="265" src="http://4.bp.blogspot.com/-X4elHT34laI/TdZABHQXk2I/AAAAAAAAAn4/et69pbyCpog/s400/georgien3+344.JPG" width="400" /&gt;&lt;/a&gt;Pankisi war lange eine Art schwarzes Loch in Georgien. Außer Kontrolle der georgischen Regierung, sagte man damals, und ein wenig flüsternd hieß es, dort würden tschetschenische Terroristen ausgebildet. Es gab Leute, die sahen in Pankisi das Tal der Hölle. Selbst Osama bin Laden wurde dort gesichtet, allerdings bleib dies eine Meldung der Russen, die gerne die Kontrolle über Pankisi gehabt hätten und den Georgiern vorwarfen, Terroristen zu beherbergen. Wenn Georgien wenig gegen die Zustände dort unternahm, lag es daran, dass mancher Politiker und Geschäftsmann an Pankisi gut verdiente. Es war ein Paradies für Geldwäsche, Waffen- und Drogenschmuggel. Außerdem ließen sich dort leicht Leute entführen und entführte Leute verstecken, wie der britische Banker Peter Shaw am eigenen Leib erfuhr. Er war ein halbes Jahr lang unfreiwillig Gast im Pankisi-Tal.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Die meisten Georgier behaupteten damals, die Meldungen über Pankisi seien alle übertrieben, nichts als russische Lügen. Einerseits. Andererseits rief man noch unter Schewardnadse die Amerikaner, um im Tal mal gründlich aufzuräumen. Wie auch immer, was wahr und was Propaganda war, lässt sich heute noch weniger erkennen als damals.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Ich erlebte das Tal als Gast einer der alteingesessenen Familien dort. Das beschützte mich. Es ist kein Klischee, dass die kaukasische Gastfreundschaft über dem Gesetz und auch über dem Wunsch nach Bereicherung steht. Ich wurde in dieser Familie freundlich willkommen geheißen. Ich schlief direkt neben dem Ofen in der Küche, während der Rest der großen Familie in kalten Zimmern in klammen Betten nächtigte. Morgens gegen fünf kam die Frau einer der Söhne der Familie in die Küche und begann leise, den Teig für Chatschapuri, die georgischen Pfannkuchen zu bereiten. Und so sehr es mich damals empörte, dass diese junge Ehefrau von ihrem Mann und dem Rest der Familie wie eine Sklavin behandelt wurde, so nett war es, zu dem Geruch von Hefeteig und schmelzendem Käse langsam aufzuwachen.&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Um es kurz zu machen: ich sah keine Ausbildungslager. Was nichts heißen muss, denn das Tal verjüngt sich in Richtung Tschetschenien und außer den Hauptorten Duisi und Omala gibt es nur Wald, genug, um alles mögliche zu verstecken.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Die Bewohner des Tals sind mehrheitlich Kisten, Tschetschenen, die sich vor Jahrhunderten im Tal ansiedelten und Georgier wurden. Als 1999 der 2. Tschetschenienkrieg ausbrach, flohen ca. 7000 Tschetschenen nach Pankisi. Die Gastfreundschaft der Kisten war ihnen sicher, jedenfalls eine Zeit lang. Als aber Pankisi zum Spielplatz krimineller Aktivitäten wurde und die Flüchtlinge über Gebühr lang bleiben, wurde die Gastfreundschaft der Kisten ziemlich schal.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;a href="http://2.bp.blogspot.com/-FEfT3XJcY8s/TdZDxWjZ3sI/AAAAAAAAAo4/v1jUmJgpvMA/s1600/georgien3+376.JPG" imageanchor="1" style="clear: right; float: right; margin-bottom: 1em; margin-left: 1em;"&gt;&lt;img border="0" height="212" src="http://2.bp.blogspot.com/-FEfT3XJcY8s/TdZDxWjZ3sI/AAAAAAAAAo4/v1jUmJgpvMA/s320/georgien3+376.JPG" width="320" /&gt;&lt;/a&gt;Damals gerieten in den westlichen Medien die Begriffe ziemlich durcheinander. Es gab solche, die für die "Gäste" in Pankisi die russische Bezeichnung Terroristen übernahmen, andere sprachen von Rebellen, es gab Revolutionäre oder ganz glorreich: Freiheitskämpfer. Die Männer, die ich sah und die mir sagten, sie zögen von Pankisi nach Tschetschenien und bekämpften die Russen, sahen abgerissen aus, ihre Tarnanzüge waren vielfach geflickt, ihre Bärte waren staubig und manche waren so jung, dass sie nach Hause zu ihren Müttern gehört hätten. Sie wurden befehligt von &amp;nbsp;Ruslan Gelajew, einst Verteidigungsminister von Tschetschenien, dann Staatsfeind der Russen. Sie suchten ihn damals, Pankisi war seine Zuflucht, doch immer nur für wenige Tage, manchmal nur Stunden. Gelajew hatte erst nach vielen Interventionen eingewilligt, mit mir zu sprechen, ließ aber sogleich eine Schimpftirade auf Journalisten los, die stets nur Lüge verbreiteten und gab dann die üblichen Phrasen von sich, mit denen damals (und wohl noch heute) im Kaukasus der bewaffnete Kampf entschuldigt wurde: eine Frage der Ehre, des Stolzes, der Blutrache. Ich habe nach ihm mit vielen Kämpfern gesprochen, nicht&amp;nbsp; nur in Tschetschenien, sondern auch in Inguschetien und Kabardino-Balkarien. Ich war stets überrascht, wie unmöglich es war, mit ihnen über Sinn oder Unsinn des Kampfes zu diskutieren. jedes Gespräch erstickte nach einigen Minuten an Gemeinplätzen. Ein halbes Jahr nach dieser Begegnung wurde Gelajew in Inguschetien angeschossen und verblutete, mit ihm starb der britische Journalist Roddy Scott.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;In Pankisi sah ich grandiose Landschaft und die Armut der Flüchtlinge. Sie wohnten in kargen schlecht riechenden Zimmern und hatten müde Augen in grauen Gesichtern. Manche der Männer waren wütend und wurden in Diskussionen laut. Die Frauen aber saßen stumm und apathisch, und es waren andere, die den Grund dafür nannten: man hatte auf der Flucht ihre Kinder erschossen. Man hatte ihre Männer vor ihren Augen ermordet. Man hatte sie massenvergewaltigt. Es gab damals viele Anlässe zu verstummen.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;Heute packe ich meine Koffer, um wieder nach Georgien, wieder ins Pankisi-Tal zu fahren. Damals hatte ich ein Messer dabei, fürsorglich mir zugesteckt von einem, der dachte, Pankisi könne man nur unter Gefahr bereisen. Es war lang, höllisch scharf, handgeschmiedet und steckte in einem Lederfutteral, ich trug es am Gürtel unter der Jacke und übte vergebens, das Futteral schnell und ohne Umstände zu öffnen und das Messer zu ziehen. Es zu tragen, war blanker Unsinn und es beruhigte mich nicht. Damals hatte ich auf dem Weg aus dem Tal viel Ärger, weil wir in eine Kontrolle gerieten, mein Fahrer keine gültigen Papiere, ich keine Akkreditierung und wir beide nicht genügend Geld hatten, um uns freizukaufen. Die gelangweilten Soldaten ließen uns schließlich gehen, nachdem wir mit ihnen ein paar Runden Karten gespielt und sie amüsiert hatten.&amp;nbsp;&lt;/div&gt;&lt;div class="MsoNormal"&gt;&lt;br /&gt;&lt;/div&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/9192790165356357821-5506545654224583831?l=andrea-jeska.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/feeds/5506545654224583831/comments/default' title='Kommentare zum Post'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/post-aus-pankisi.html#comment-form' title='0 Kommentare'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5506545654224583831'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/9192790165356357821/posts/default/5506545654224583831'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://andrea-jeska.blogspot.com/2011/05/post-aus-pankisi.html' title='Post aus Pankisi'/><author><name>Andrea Jeska</name><uri>http://www.blogger.com/profile/03701878851617757911</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='21' height='32' src='http://1.bp.blogspot.com/-Kof0fYJ04Lw/TmIS045d7pI/AAAAAAAABNU/XVdgfU3M9QQ/s220/007.JPG'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-_KvxIMVBAOk/TdZINunFNmI/AAAAAAAAAqU/VafS9E_2YXk/s72-c/Georgien+Mai+2011+054.JPG' height='72' width='72'/><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
